Abschied des „Landes an der Küste“ von Frankfurt: Tschechien übergibt die Gastrolle an Chile
Unter dem Motto „Tschechien – ein Land an der Küste“ stand die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr ganz im Zeichen der tschechischen Literatur und Kultur. Am Nachmittag des letzten Messetages verabschiedete sich der diesjährige Ehrengast mit der Staffelstab-Übergabe an Chile, Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2027.
Eine gemeinsame Live-Zeichnung der tschechischen Illustratorin Lucie Lomová und des chilenischen Künstlers Alberto Montt sowie Musik vom chilenischen Duo Dënver. So wurde auf der großen Bühne des Tschechischen Pavillons die traditionelle Übergabe gefeiert, in diesem Fall an Chile. Im Anschluss habe ich Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, vors Mikrophon gebeten:
Herr Boos, der tschechische Gastlandauftritt ist vorbei. Für Sie ist es auch das letzte Jahr der Frankfurter Buchmesse, bei dem Sie an der Spitze stehen. Was sind Ihre stärksten Eindrücke jetzt nach den fünf Tagen des tschechischen Gastlandauftritts?
„Tatsächlich ist für mich der Auftritt nicht vorbei, sondern es ist erst der Anfang. Wir haben für die vielen Autoren aus Tschechien, glaube ich, eine neue Welt aufgemacht. Es wurden auch viele Übersetzungen verkauft. Das heißt, die tschechische Literatur wird jetzt auf der Welt ganz anders rezipiert. Und das macht uns stolz. Wir haben mit dem Team, mit Professor Kubíček, drei Jahre lang daran gearbeitet. Tatsächlich waren es nicht fünf Tage, sondern drei Jahre. Und es geht jetzt noch einmal zehn Jahre weiter.“
Wenn Sie jetzt auf das Programm der vergangenen fünf Tage zurückblicken, was betrachten Sie als die Highlights?
ZUM THEMA
„Es gab viele, viele Highlights. Angefangen von der Eröffnung, die auch sehr politisch war. Aber Literatur ist immer politisch. Dann haben wir soeben die Zeichnungen gesehen. Das fand ich super toll, der chilenische Zeichner zusammen mit der tschechischen Zeichnerin. Wir haben Musik erlebt. Wir haben alles erlebt. Alles, was Geschichtenerzählen bedeutet – in jeder Form. Ich kann da nichts herausnehmen.“
Sie haben gesagt, Sie haben die tschechische Literatur für die Welt geöffnet oder die Welt für die tschechische Literatur…
„Für die neue Literatur! Die tschechische Literatur war schon immer da. Große Autoren, über viele hundert Jahre. Aber jetzt haben wir die Themen der Welt gezeigt, die im Moment die jungen Autoren und Autorinnen umtreiben. Sie kommen zum Teil aus der Geschichte, zum Teil aus dem jetzigen Alltag, sie sind die zum Teil gespenstisch, unheimlich und voller Fantasie.“
Was betrachten Sie als den größten Erfolg dieser Präsenz in Frankfurt?
„Die Vielfalt. Sie ist für uns der allergrößte Erfolg. Und zwar, dass wir gezeigt haben, dass vieles möglich, alles möglich ist in Tschechien, wenn man Geschichten erzählen will.“
Der Ehrengast Tschechien blickt auf eine erfolgreiche Messewoche zurück: Das Programm im Tschechischen Pavillon, am tschechischen Stand und an anderen Bühnen auf dem Messegelände und in der Stadt bot rund 100 Veranstaltungen mit mehr als 75 Literaten und Künstlern aus Tschechien. Seit Herbst 2024 sind dafür mehr als 180 Neuerscheinungen tschechischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller in deutscher Sprache erschienen. Mit dem Aufwind von Frankfurt geht es laut dem Programmleiter des tschechischen Ehrengastauftrittes, Martin Krafl, nun weiter. Und zwar bei den Festivals in diesem Herbst im schweizerischen Zofingen und in Dresden sowie auf der „Buch Wien“. In der österreichischen Hauptstadt wird Tschechien im kommenden Jahr sogar Schwerpunktland sein.
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