In Leipzig 2019 begann der Weg nach Frankfurt 2026: Tschechische Literatur auf der Buchmesse
Über 3000 Veranstaltungen, Lesungen, Signierstunden und Bühnentalks sowie aktuelle Neuerscheinungen bietet in diesem Jahr die Leipziger Buchmesse. Die tschechische Literatur darf bei dem wichtigsten Frühjahrstreff der Buchbranche nicht fehlen. Dabei wird wiederholt auch schon auf den Gastlandauftritt bei der Frankfurter Buchmesse im Oktober dieses Jahres verwiesen, das sich unter dem auf Shakespeare basierenden Motto „Tschechien, ein Land an der Küste“ abspielen wird. Radio Prag International hat in Leipzig den Leiter des tschechischen Literaturzentrums Czechlit und Programmdirektor, Martin Krafl, vors Mikrophon gebeten.
Herr Krafl, wir treffen uns wieder einmal in Leipzig und stehen direkt am tschechischen Stand. Er scheint diesmal ein bisschen größer zu sein als in den vergangenen Jahren. Woran liegt das?
„Es hängt natürlich mit dem langjährigen Projekt zusammen, als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2026 aufzutreten. Der tschechische Stand ist tatsächlich größer. Wir haben hier Bücher der tschechischen Literatur, die mittlerweile schon in die deutsche Sprache übersetzt wurden. Außerdem zeigen wir die Übersetzungen ins Englische, Französische oder Spanische. Wir haben hier zudem die allerschönsten Bücher des Jahres 2024 aus Tschechien und natürlich auch sehr wichtige Verleger und Verlegerinnen, die ihre Bücher mitgebracht haben und die hier mit anderen Verlegerinnen nicht nur aus den deutschsprachigen Ländern, sondern allgemein vor allem aus Europa über die Rechte und Lizenzen verhandeln. Aber die Leipziger Buchmesse ist eigentlich eher über ein Treffen der Leser:innen mit den Autor:innen. Und wir sind sehr stolz darauf, dass wir in Leipzig eine tschechische Welle machen können. Diese tschechische Welle der Literatur bringt 14 Autor:innen nach Leipzig, die bei insgesamt 17 Veranstaltungen hier auftreten.“
Welche Autoren und Autorinnen sind es? Gibt es einen gemeinsamen Faden, ein Thema, das sie verbindet? Oder sind es Autoren, deren Bücher jetzt neu übersetzt wurden?
„Es sind alles Autor:innen, die zu einer Küste passen. Wir sind ein Land an der Küste, dank William Shakespeare. Wir finden diese Metapher eigentlich sehr schön, lustig und passend. Und wir denken, dass wir dank Shakespeare ein integraler Bestandteil des Weltmeeres der Literatur sind. Die Autoren und Autorinnen, die nach Leipzig gekommen sind, beweisen dies mit Humor, mit Selbstironie und mit dem Aufbrechen von Stereotypen. Das ist für mich der rote Faden.“
Wer stellt sich also in Leipzig vor?
„Wir haben schon in der Messewoche am Montag mit Zuzana Říhová angefangen. Das war eine erfolgreiche Veranstaltung im Literaturhaus Leipzig für 90 begeisterte Leser:innen. Am Freitag laden wir die Leipziger und Leipzigerinnen zu einer Veranstaltung im Mädler Art Forum, in der Mädler-Passage. Da werden Petra Dvořáková und Michal Ajvaz sein. Und Michal Ajvaz schreibt ein Buch über Passagen, in dem die Mädler-Passage eine wichtige Rolle spielt. Am Samstag haben wir einen speziellen Abend der LGBTQ+-Literatur in der Schaubühne Lindenfels. Fünf Autor:innen stellen ihre Bücher vor. Es sind zwei Romane, es sind Gedichte, sehr poetische Texte sowie ein Buch über die Selbstfindung. Und in der Schaubühne Lindenfels wird auch Barbara Šalamounová an ihre Eltern erinnern. Eva Natus ist in Halle, in Sachsen-Anhalt geboren, genauso wie ihre Tochter Barbara. Der Vater war Jiri Šalamoun, und nicht viele Menschen wissen, dass die berühmten Zeichentrickfilme zum Beispiel über den Maxi-Hund Fips zunächst in Leipzig entstanden sind. Man kann also sagen, dass der Maxi-Hund Fips seinen Geburtsort in Leipzig hat, und daran möchten wir erinnern. Ja, und alle Autor:innen haben dann Veranstaltungen hier auf dem Messegelände, nicht nur am tschechischen Stand, sondern auch auf verschiedenen Bühnen.“
Der Stand erinnert noch ein bisschen an die alten Jahre. Gleichzeitig sehen wir hier aber schon das neue Motiv von Tschechien für Frankfurt…
„Da haben Sie Recht, es ist eine Mischung. Die Architektur von Martin Hrdina passt eigentlich wunderbar nach Leipzig, der Stand wurde hier 2019 vorgestellt, während des damaligen Gastlandauftritts. Aber die Grafik ‚Czechia, a country on the coast‘ erinnert schon an unseren Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober dieses Jahres.“
Spüren Sie in diesem Jahr bereits ein größeres Interesse für die tschechische Literatur? Ist das zu merken, dass das Land nun Gastland der Frankfurter Buchmesse sein wird?
„Ja, auf jeden Fall. Ich muss aber auch erwähnen, dass in den deutschsprachigen Ländern das ‚Jahr der tschechischen Kultur‘ läuft. Wir haben bisher 49 Veranstaltungen in der Schweiz, Österreich, in Deutschland sowie in Liechtenstein unterstützt. Das sind großartige Sachen, weil es sich um verschiedene kulturelle Institutionen handelt, die einfach Lust haben, mit uns zusammenzuarbeiten. Und das Interesse der Buchbranche zeigt die Anzahl der jetzigen Neuerscheinungen in deutscher Sprache. Diese sind auf der Website tschechia2026.com zu finden. Mittlerweile gibt es da 102 Bücher auf Deutsch. Das ist eine fantastische Anzahl, wir sind erst im März, und der Gastlandauftritt findet im Oktober statt.“
Lässt sich das mit einem sozusagen normalen Jahr vergleichen?
„Oh, schwierig. Ich denke gerade nach, wann für uns ein normales Jahr war: vielleicht das vor dem Leipziger Gastlandauftritt. Damals gelangten jährlich fünf tschechische Bücher auf den deutschsprachigen Markt. Ich glaube, das zeigt, dass sich in den vergangenen acht Jahren sehr viel abgespielt hat und dass wir auf einem guten Weg sind.“
Der Schwerpunkt des „Jahres der tschechischen Kultur“ liegt derzeit gerade in Sachsen und Leipzig. Wohin geht es weiter?
„Im Rahmen des ‚Jahres der tschechischen Kultur‘ werden die tschechischen Autor:innen noch beim Welttag der Poesie in Berlin sein oder beim Münchner Festival lesen, im April dann auch beim Filmfestival Go East Wiesbaden. Im Mai geht es ins Haus Gutenberg in Liechtenstein oder in die Romanfabrik in Frankfurt am Main. Und im Juni zum Comicsalon Erlangen oder zum Frankfurter Festival literaTurm.“
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