Ökologen warnen: Tschechische Wälder werden krank

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Der Gesundheitszustand der tschechischen Wälder wird laut Ökologen immer schlechter. Darum verlangen sie eine Änderung des Forstgesetzes, die eine bessere Bewirtschaftung garantieren könnte. Doch die Vertreter der Staatsforste sind dagegen. Jakub Siska berichtet.

Die tschechischen Wälder zählten Anfang der 90er Jahre zu den kränksten in Europa. Nach dem Rückgang der Industrieabgase hat sich die Lage zwar verbessert, aber immer noch ist sie unbefriedigend. Wie eine schon 2001 veröffentlichte Studie feststellt, führt der saure Erdboden vor allem in den Berggebieten dazu, dass der Jungwuchs abstirbt. Dazu kommt auch eine ungünstige Waldmischung, erklärt Jaromir Blaha von der Umweltorganisation "Duha", zu Deutsch Regenbogen.

"Die natürliche Anzahl von Fichten sollte in der Tschechischen Republik nur 11 Prozent der Bäume darstellen, meistens auf den Bergen. Heutzutage werden aber 44 Prozent Fichten gepflanzt, und das auch in der Ebene, wo die Nadelbäume gar nicht hingehören. Dabei ist bekannt, dass diese Monokulturen schon jetzt durch Trockenheit, Borkenkäfer und mangelhafte Ernährung verkümmern. Die natürliche Walderneuerung, durch die sich Laubbäume meistens verbreiten, stellt nur einen Bruchteil von dem dar, was künstlich gepflanzt wird."

Ungefähr die Hälfte der gesamten Waldfläche wird durch das Staatsunternehmen "Forste der Tschechischen Republik" bewirtschaftet. Sein Pressesprecher Lubomir Salek rechtfertigt die heutige Praxis vor allem mit wirtschaftlichen Gründen:

"Es stimmt, dass der natürliche Anteil der Fichte nur bei 11 Prozent liegt, wir zurzeit aber mehr als die Hälfte Fichten haben. Aber hinsichtlich der Aufgaben des Waldes liegt das Optimum bei rund 35 Prozent. Das wirtschaftlich meist geschätzte Fichtenholz ist einfach unverzichtbar. Es kommt auch darauf an, unter welchen Bedingungen die Fichte gepflanzt wird: Wir pflanzen sie in den Mischwäldern, wo der Erdboden vielfältigen Dünger bekommt, und deshalb ist die negative Wirkung nicht so stark."

Der Streit betrifft auch die Kahlschläge. Laut dem tschechischen Forstgesetz darf man derzeit maximal einen Hektar des Waldes voll aushauen. Die Ökologen schätzen die jährlich entstehenden Kahlschläge bis zu 15.000 Hektar und warnen vor der Erosion und weiteren Entkräftung des Waldbestandes. Sie verlangen, die Kahlschläge allgemein zu verbieten, einen verpflichtenden Anteil an Laubbäumen neu zu pflanzen und einen Teil der gefällten Bäume an Ort und Stelle dem Zerfall zu überlassen. Es wird auch kritisiert, dass das Staatsunternehmen nicht nach dem international anerkannten Zeichen FSC strebt. Dieses Zeichen garantiert dem Holzverbraucher eine schonende Bewirtschaftung des Waldes. Es gibt bereits einige tschechische Privatwaldbesitzer, die es erworben haben.

Autor: Jakub Šiška
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