Opern, Orgeln, Oratorien: Smetanas Litomyšl

Kateřina Chroboková (links). Foto: Martina Schneibergová

Das ostböhmische Litomyšl / Leitomischl ist eine der tschechischen Unesco-Städte. Das dortige Renaissanceschloss steht auf der Liste des Weltkulturerbes. Litomyšl ist zudem als Geburtsort von Bedřich Smetana bekannt. Nach dem weltberühmten Komponisten ist auch das internationale Opernfestival benannt, das in diesem Jahr zum 57. Mal veranstaltet wird.

Vojtěch Stříteský (Foto: Martina Schneibergová)
Das internationale Opernfestival „Smetanas Litomyšl“ wurde am 11. Juni mit einem Konzert der Tschechischen Philharmonie eröffnet. Die Festspiele dauern bis 5. Juli. In diesem Jahr stehen insgesamt 37 Veranstaltungen auf dem Programm: von Opernvorstellungen über Konzerte bis zu literarisch-musikalischen Abenden. Das Festival wurde 1949 zum ersten Mal veranstaltet. „Smetanas Litomyšl“ hat jedoch eine noch längere Geschichte, sagt Vojtěch Stříteský. Er ist Dramaturg des Opernfestivals:

„Die Anfänge des Festivals liegen bereits im Jahr 1924. Damals wurde in Litomyšl der 100. Geburtstag von Bedřich Smetana begangen. Die Opernensembles des Prager Nationaltheaters und des Theaters aus Olmütz traten hier auf. 1934 wurde dann eine große Smetana-Ausstellung in Litomyšl gezeigt. Und bereits 1946 wurde ein Plakat mit der Aufschrift ‚Smetanas Litomyšl‘ veröffentlicht. Damals spielte hier die Tschechische Philharmonie unter der Leitung von Rafael Kubelík, und zwar Smetanas Zyklus sinfonischer Dichtungen ‚Mein Vaterland‘. Das Opernfestival wurde jedoch erst 1949 gegründet. In diesem Jahr gibt es die 57. Auflage der Festspiele.“

1989: Durchbruch für Festival

„Smetanas Litomyšl“ (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)
In Tschechien gehört „Smetanas Litomyšl“ zu den renommiertesten Festspielen. Das Programm dieser Veranstaltung ist während der Jahre immer vielfältiger geworden. Vojtěch Stříteský:

„Ursprünglich handelte es sich um ein monothematisches Festival, bei dem nur Smetanas Opern aufgeführt wurden. Während der etwas entspannteren Atmosphäre der 1960er Jahre gab es einige Neuerungen. 1965 gastierte hier beispielsweise das Slowakische Nationaltheater mit der Oper ‚Svätopluk‘ von Eugen Suchoň. In den 1970er Jahren, in der Zeit der sogenannten ‚Normalisierung‘, wurden wiederum nur Smetanas Werke gespielt. Allmählich wurden hier aber doch Opern von einigen anderen Komponisten aufgeführt: zuerst von Tschaikowski, später auch von Antonín Dvořák, Bohuslav Martinů und Wolfgang Amadeus Mozart. Kurz vor der politischen Wende kam es beim Festival zur Aufführung von Giuseppe Verdis Oper ‚Simon Boccanegra‘. Das bedeutete dann den Durchbruch. Ab der Zeit nach der Samtenen Revolution von 1989 gibt es beim Festival genügend Raum für jedwede Musik, egal wo und wann sie geschrieben wurde.“

Vokalwerke im Blickpunkt

Das Festivalprogramm wird seit mehreren Jahren nicht nur aus Opernvorstellungen zusammengestellt. Vokalkompositionen stehen aber immer im Vordergrund. Der Festivaldramaturg:

„Es werden Galakonzerte namhafter Solisten sowie Konzerte von Chören veranstaltet. Oft werden Oratorien, Kantaten und Vokalsymphonien aufgeführt. Außerdem hat auch die Orchestral- sowie die Kammermusik ihren Platz im Festivalprogramm. In der Regel wird zudem auch der Ballettkunst viel Raum geschenkt. Wir wissen aus den Reaktionen der Besucher, dass sie es begrüßen, wenn Musik verschiedener Genres beim Festival erklingt. ‚Smetanas Litomyšl‘ bleibt aber ein Festival klassischer Musik, selbst wenn wir manchmal auch andere Musikgenres ins Programm miteinbeziehen. Zum Beispiel in diesem Jahr ein Konzert mit Musicalmelodien.“

Eröffnungskonzert läuft im Bayerischen Rundfunk

Kateřina Chroboková (links). Foto: Martina Schneibergová
Nach zwei Wochen Festivalbetrieb kann Smetanas Litomyšl schon auf einige Veranstaltungen zurückblicken. Welche Konzerte haben den Dramaturgen bislang am meisten beeindruckt?

„Ich würde vor allem die Symphonie Nr. 4 von Bohuslav Martinů nennen, gespielt von der Tschechischen Philharmonie unter der Leitung von Jiří Bělohlávek. Dieses Eröffnungskonzert wird am 7. Juli vom Radiosender Bayern-Klassik gesendet. Ich bin vielen Menschen begegnet, die über das Orgelkonzert von Kateřina Chroboková diskutieren wollten. Denn es war für sie etwas Neues. Beim Orgelkonzert in einer Kirche kommt üblicherweise der Organist, spielt 60 Minuten lang auf dem Chor, und damit endet es. In diesem Fall war es anders, es war wie ein Strom von Emotionen, es war kein traditionelles Orgelkonzert.“

Kateřina Chroboková spielte nur die ersten zwei Kompositionen auf der Kirchenorgel. Danach setzte sie das Konzert auf einem Podium mit dem Orchester fort, wo sie auf einer für sie speziell gebauten modernen weißen Digitalorgel spielte.

Standing Ovations für John Debney

John Debney (Foto: Martina Schneibergová)
Zu den Höhepunkten des Festivals gehörte bisher die tschechische Premiere des Oratoriums „Die Passion Christi“. Das Werk basiert auf der Musik, die der US-amerikanische Komponist John Debney für den gleichnamigen Film von Mel Gibson schrieb. Der Komponist leitete persönlich die Philharmonie Brno. Mit ihm sind nach Litomyšl die Mezzosopranistin Lisbeth Scott und Musiker Pedro Eustache gekommen, der Blasinstrumente verschiedener Völker spielt. John Debney traf vor dem Konzert kurz mit dem Publikum zusammen.

„Es ist für mich eine große Ehre, am Festival teilzunehmen. Es freut mich sehr, meine Symphonie zum ersten Mal in Tschechien vorstellen zu können. Als ich die Einladung bekam, war ich begeistert, denn Ihr Land hat eine interessante Geschichte und die Stadt so viele historische Denkmäler. Der Besuch in Tschechien ist zudem für mich aus dem Grund interessant, weil die Wurzeln meiner Familie nicht weit von hier liegen: Meine Großmutter stammte aus der Slowakei und mein Großvater aus Polen.“

John Debney wurde mit ausdauernden Standing Ovations belohnt (Foto: Martina Schneibergová)
John Debney wurde nach der tschechischen Premiere seiner Vokalsymphonie vom Publikum mit ausdauernden Standing Ovations belohnt. Als einer der nächsten Festivalhöhepunkte gilt das Galakonzert der Sopranistin der Metropolitan Opera in New York, Deborah Voigt, das am 4. Juli im Schloss stattfindet. Das Festival lebt jedoch nicht nur von der Musik. Es gibt auch ein Pendant im Bereich der bildenden Kunst: In der Veranstaltungsreihe „Smetanas künstlerisches Litomyšl“ wurden in zwölf Galerien Ausstellungen eröffnet. In der Galerie von Miroslav Kubík auf dem Smetana-Platz ist beispielsweise eine Werkschau der Gruppe „Tvrdohlaví“ (Sturköpfe) zu sehen. Galerie Kroupa zeigt Bilder tschechischer Maler vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Nach den vielen kulturellen Erlebnissen können sich die Besucher auf der sogenannten „Kolonnade der Seele“ im Stadtzentrum auf einer der Bänke ausruhen, die 2013 während eines Symposiums von renommierten Künstlern gestaltet wurden.


Das internationale Opernfestival „Smetanas Litomyšl“ dauert noch bis zum 5. Juli. Für einige Konzerte gibt es noch Restkarten.

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