Paniert, aber fleischlos: Veggie-Weihnachtsmarkt in Prag bietet auch klassische Gerichte für Heiligabend
Kartoffelsalat, dazu entweder Würstchen, paniertes Fischfilet oder Schnitzel. Solche typischen Gerichte für Heiligabend bereiten sich auch Veganer zu – nur eben in der fleischlosen Variante. Was inzwischen alles in der pflanzenbasierten Gastronomie in Tschechien möglich ist, das präsentiert der Weihnachtsmarkt Veggie Vánoce, der an diesem Sonntag in Prag stattfindet. Und natürlich werden dort auch besondere Geschenkideen angeboten.
Linda Maruščáková ernährt sich seit fast 30 Jahren vegan. Was ist ihr Favorit für Heiligabend?
„Ich mag die Alternativen zu den Fleischgerichten ziemlich gern. Sie ermöglichen mir, bei den traditionellen Rezepten zu bleiben, ohne dafür am Töten von Tieren teilhaben zu müssen. Bei Veggie Vánoce haben wir einen Ehrenpartner, das ist die ukrainische Firma Gonsky. Sie stellt perfekte Alternativen zu weihnachtlichen oder auch anderen Fleischgerichten her. Diese gehören unbedingt zu meinen Weihnachten.“
Probierhäppchen von Gonsky werden das Publikum bei Veggie Vánoce gleich am Eingang empfangen. Der Weihnachtsmarkt findet an diesem Sonntag im Mánes-Saal im Prager Zentrum statt. Maruščáková ist Mit-Begründerin von Vegan Fighter – jener Organisation, die diese Veranstaltung schon zum 13. Mal zur Adventszeit organisiert. Im Interview für Radio Prag International gibt Maruščáková einen Überblick:
„Auf diesem Weihnachtsmarkt können die Besucherinnen und Besucher schöne und nachhaltige Geschenke kaufen. Es wird aber auch möglich sein, das Neueste aus der pflanzlichen Weihnachtsgastronomie kosten. Es gibt eine Kochshow, Probierhäppchen und Rezepte. Zu Gast sein wird etwa die bekannte Foodbloggerin Nikoleta Kováč. Man kann sich auf neue Alternativen zu Fisch und Kaviar freuen und in diesem Jahr sogar zum Tintenfisch.“
Ein weiterer Teil des Weihnachtsmarktes bestehe zudem aus Infoständen zu Tierschutzprojekten, ergänzt Maruščáková. Denn ein Hauptgedanke von Veggie Vánoce sei eben der Respekt gegenüber Tieren und dem Planeten Erde.
Der Trend verstärkt sich
Der Weihnachtsmarkt Veggie Vánoce ist nur eine der Aktivitäten der Organisation Vegan Fighter. Hinter diesem Namen verbergen sich keine militanten Fleischhasser, sondern Profisportler. Mitglieder des Vereins treten zum Beispiel regelmäßig bei den Profiwettkämpfen von Oktagon in den Mixed Martial Arts (MMA) an. Linda Maruščáková berichtet:
„Das Projekt Vegan Fighter entstand vor 15 Jahren und will zeigen, dass eine pflanzenbasierte Kost ein toller Ernährungsstil ist – und das sowohl im alltäglichen Leben als auch im Profisport. Unser Team besteht aus aktiven oder ehemaligen Wettbewerbssportlerinnen und -sportlern, die auf Kampfsportarten spezialisiert sind.“
Die Vereinsmitglieder treten bei Wettkämpfen offen als Veganer auf. Und durch Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt oder auch das Food-Festival Veggie Náplavka in Prag machen sie Werbung für eine Lebensweise ohne Tierprodukte. Dabei finden die Vegan Fighter ein immer breiteres Publikum...
„Auch in Tschechien ist zu beobachten, wie sich die Trends im Laufe der Generationen, aber auch in der Gesellschaft zu einer pflanzenbasierten Gastronomie hinbewegen. Im Jahr 2024 zum Beispiel haben bei einer Umfrage von FMCG Gurus hierzulande 54 Prozent der Teilnehmenden angegeben, ihre Ernährungsgewohnheiten in Richtung vegane, vegetarische oder auch flexitarische Kost umzustellen. Und das entspricht den europäischen Trends.“
Weil der Informationsbedarf über Fleischalternativen und Nachhaltigkeit wachse, gebe es jedes Jahr den Weihnachtsmarkt Veggie Vánoce, unterstreicht Maruščáková – und parallel dazu auch die Konferenz Plant-Based. Denn oft sind es Themen philosophischer Natur, die zu der Entscheidung für einen veganen Lebensstil führen. Hintergründe wie diese werden auf der öffentlich zugänglichen Konferenz diskutiert, ebenso wie Gesundheitsfragen und Forschungsergebnisse:
„Die Hauptthemen in diesem Jahr sind alternative Proteine und Longevity (Langlebigkeit, Anm. d. Red.). Das Publikum kann sich bei verschiedenen Vorträgen von Ärzten oder Ernährungsspezialisten inspirieren lassen, die Organisationen wie etwa Pan oder ProVeg vertreten. Das Programm sieht jedoch noch ganz andere, aber sehr aktuelle gesellschaftliche Themen vor. Dazu gehören die Ausführungen des Philosophen Michal Milko über Künstliche Intelligenz und die Frage, ob die Leute eher einem Sex-Chatbot oder einem Tier einen moralischen Status zuerkennen.“
Als weiteren Programmpunkt hebt Maruščáková eine Podiumsdiskussion hervor, an der Investigativjournalisten teilnehmen. Ihre Berichte von Tierquälereien in Zuchtbetrieben gingen unlängst durch die tschechischen Medien. Zudem kommt der Organisatorin zufolge auch zur Sprache, wie in Tschechien mit der Benennung von veganen Ersatzprodukten als „Wurst“ oder „Milch“ umgegangen wird.
Ganzheitlicher Ansatz
Angesicht des Konzepts von Veggie Vánoce wird deutlich: Diese Weihnachtsaktion ist eine ganzheitliche Angelegenheit. In diesem Sinne fügt Linda Maruščáková noch hinzu, dass dabei möglichst kein Müll produziert werden solle:
ZUM THEMA
„Unser Weihnachtsmarkt berücksichtigt das Prinzip von Zero Waste. Zudem bieten wir eine etwas andere Art von Geschenkinspiration an. Es geht uns vor allem darum, Qualitätszeit mit der Familie zu verbringen. Und als Alternative zu unsinnigen Materialgeschenken bieten wir zum Beispiel die Unterstützung von gequälten und ausgesetzten Tieren an.“
Dies drücke sich auch in dem diesjährigen Motto aus, das da lautet: „Letos daruj pomoc“ (Dieses Jahr verschenke Hilfe). Und weiter sagt Maruščáková:
„Ein Grund, warum wir Veggie Vánoce überhaupt organisieren, ist der Tierschutz. Zentrale Bestandteile aller unserer Veranstaltungen sind Projekte zum Tier- und Klimaschutz, und dabei kommt immer eine ganze Reihe tschechischer und Internationaler Vertreter zusammen. Ein weiteres Motto von Veggie Vánoce ist die Zahl 7875 – sie drückt aus, wie viele Tierleben ein Mensch rettet, wenn er sich das ganze Leben lang pflanzenbasiert ernährt.“
Beim Weihnachtsmarkt Veggie Vánoce und der zugehörigen Konferenz Plant-Based werden etwa 3000 bis 4000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Bis zu 10.000 Menschen kommen sogar zur Schwesterveranstaltung Veggie Náplavka, die im Sommer unter freiem Himmel am Moldauufer stattfindet. Linda Maruščáková lädt auch dazu schon ein:
„Veggie Náplavka ist derzeit eine der größten Veranstaltungen dieser Art in Europa. Für gewöhnlich organisieren wir sie zum 1. Mai sowie in der zweiten oder dritten September-Woche. Sie hat das gleiche Konzept wie Veggie Vánoce, nur mit einem breiteren Angebot. Es gibt den ganzen Tag über Stände, ein Bühnenprogramm und Familienzonen. Auf beiden Märkten kann man immer auch Konsultationen mit Ärzten und Ernährungsspezialisten nutzen.“
Der Besuch des Weihnachtsmarktes Veggie Vánoce ist kostenlos. Wer möchte, kann ein freiwilliges Eintrittsgeld bezahlen.
Der Weihnachtsmarkt Veggie Vánoce findet am Sonntag, den 7. Dezember, von 10 bis 19 Uhr in der Galerie Mánes statt (Masarykovo nábřeží 1, Praha 1).








