Personalsorgen vor WM-Quali-Spiel in Deutschland / Titelregen im Tennis

Karel Jarolím (Foto: ČTK)

Das WM-Qualifikationsspiel der tschechischen Fußballer in Deutschland wirft seinen Schatten voraus. Neu-Nationaltrainer Karel Jarolím plagen vor allem Sorgen mit verletzten Stammkräften. In komplett anderer Gemütslage befindet sich die tschechische Tenniswelt: Am Wochenende regnete es nur so Titel.

Petra Kvitová (Foto: ČTK)
Es war ein Traumwochenende für das tschechische Tennis. Gleich vier Titel gewannen die tschechischen Asse – drei im Einzel, aber auch einer im Doppel. Ganz besonders viel Genugtuung dürfte Petra Kvitová haben. Die langjährige Nummer eins bei den Frauen in Tschechien verlor dieses Jahr ihre führende Stellung an den Shootingstar Karolína Plíšková. Dass man sie aber in dieser Saison noch längst nicht abschreiben sollte, zeigte sie dann erstmals bei Olympia. In Rio holte sie Bronze.

Ende September begann das WTA-Turnier in Wuhan. Den ersten wichtigen Erfolg feierte Kvitová im Achtelfinale gegen Angelique Kerber. Mit aggressivem Angriffstennis und großem Kampf bezwang sie die deutsche Weltranglisten-Erste in drei Sätzen. Danach flog die 26-Jährige nur so in Richtung Titel.

Dominika Cibulková (Foto: ČTK)
Auch Angstgegnerin Simona Halep aus Rumänien konnte Kvitová nicht stoppen. Die Tschechin siegte mit 6:1 und 6:2. Und im Finale hatte dann auch Dominika Cibulková aus der Slowakei das Nachsehen. Petra Kvitová gewann nach nur etwas mehr als einer Stunde mit 6:1 und 6:1. Es ist der erste Titel seit August vergangenen Jahres. Dass ihr buchstäblich ein Stein vom Herzen gefallen ist, bestätigte sie im Telefonat für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Ich freue mich riesig darüber. Die Saison war für mich zu Beginn nicht gerade die beste. Deswegen bin ich froh über das, was mir nun zum Saisonende gelungen ist. Vor allem aber freut mich, wie es dazu kam, das heißt, welche Spielerinnen ich besiegt und wie ich gespielt habe.“

Kvitová hofft auf WTA-Saisonfinale in Singapur

Petra Kvitová (Foto: ČTK)
Petra Kvitová hat sich nun auf Platz elf der Weltrangliste verbessert. Und damit besteht wieder Hoffnung für sie auf eine Teilnahme am WTA-Saisonfinale in Singapur. Definitiv dort antreten wird Lucie Šafářová mit ihrer amerikanischen Tennispartnerin Bethanie Mattek-Sands. Sie gewannen zusammen nämlich die Doppelkonkurrenz in Wuhan und sicherten sich damit die WTA-Finalteilnahme. Während Lucie Šafářová im Einzel aus den Top 50 der Weltrangliste herausgerutscht ist, schreitet sie mit Mattek-Sands von Titel zu Titel. Wuhan war der siebte, seit sich das Paar vor zwei Jahren zusammengetan hat.

Tomáš Berdych (Foto: YouTube Kanal von ACE Tennis Official)
Titel ist auch das Stichwort im Fall von Tomáš Berdych. Bei den Grandslam-Turnieren scheitert der Tscheche regelmäßig an den vor ihm in der Weltrangliste platzierten Spielern. Noch nie hat er ein solches Turnier gewonnen, und dennoch gehört er seit vielen zu den Topten in der Welt. Denn in schwächer besetzten Konkurrenzen gibt sich Berdych seltener eine Blöße. So auch wieder in Shenzhen. Beim Hartplatzturnier in der Stadt vor den Toren Hongkongs verteidigte er am Sonntag den Titel. Auch für ihn war es der erste Turniersieg in dieser Saison, der hart erkämpft war nach fast drei Stunden Spielzeit. Letztlich besiegte Berdych seinen französischen Gegner Richard Gasquet mit 7:6, 6:7 und 6:3.

Und um das Traumwochenende komplett zu machen: Am Samstag holte Kristýna Plíšková, Zwillingsschwester der erfolgreicheren Karolína Plíšková, den überhaupt ersten Titel ihrer Karriere – durch einen Finalsieg im usbekischen Taschkent.

Stammkräfte des tschechischen Fußballteams verletzt

Karel Jarolím (Foto: ČTK)
Während im Tennis sich die Mienen der tschechischen Sportler aufhellen, legt Fußball-Nationaltrainer Karel Jarolím seine Stirn in Falten. Am kommenden Samstag steht das schwere WM-Qualifikationsspiel in Deutschland an. Für die Begegnung in Hamburg und das darauffolgende Heimspiel gegen Aserbaidschan fehlen ihm wichtige Stammspieler. Neben dem dauerverletzten Mannschaftskapitän Tomáš Rosický ist das vor allem Vladimír Darida. Gerade auf den Dauerläufer von Hertha BSC Berlin hatte Jarolím eigentlich bauen wollen:

Tomáš Vaclík (Foto: ČTK)
„Die Verletzung von Vladimír Darida erschwert unsere Lage durchaus, er wäre sicher in der Startelf aufgelaufen. Auf der anderen Seite glaube ich daran, dass diese Komplikationen eine Herausforderung sind für die übrigen Spieler.“

Zu denen gehören im Übrigen nur zwei weitere Profis aus der deutschen Bundesliga: Torhüter Jaroslav Drobný und Abwehrspieler Theodor Gebre Selassie von Werder Bremen. Auch aus der Schweizer Super League sind zwei Spieler dabei: Torwart Tomáš Vaclík und Verteidiger Marek Suchý vom FC Basel.

Beim Auftakt zur WM-Qualifikation hatte das tschechische Team nicht sonderlich überzeugt. Im Heimspiel gegen Nordirland sprang Anfang September nur ein mageres torloses Unentschieden heraus. Auch deswegen setzt Jarolím nun für den anstehenden Doppelspieltag auf neue Kräfte in der Offensive. So berief der Coach auch Angreifer Patrick Schick von Sampdoria Genua. Der 21-Jährige steht damit zum zweiten Mal im A-Team, obwohl er in Genua bisher nicht zur Stammelf gehört. Karel Jarolím:

Patrick Schick (Foto: ČTK)
„Ich habe ihn beim EM-Qualifikationsspiel unserer U21 in Belgien beobachtet. Natürlich wäre mir lieber, wenn er regelmäßig in der italienischen Liga spielen würde. Aber er bekommt mittlerweile mehr Spielminuten. Und er ist vom Typ her ein anderer Spieler als unsere beiden bisherigen Angreifer Milan Škoda und Tomáš Necid. Deswegen habe ich ihn nominiert.“

Škoda und Necid befanden sich vergangene Woche noch nicht im Kader – der eine aufgrund von gesundheitlichen Problemen, der andere wegen Formschwäche. Doch der Nationaltrainer hat vier Plätze freigelassen, die er Anfang dieser Woche noch auffüllen will.

Eine positive Personalie konnte Karel Jarolím aber doch noch vermelden: Verteidiger Tomáš Sivok kehrt nach überstandener Verletzung zurück in die Nationalelf. Der 33-Jährige gehört mittlerweile wieder zum Stammkader bei Bursaspor in der türkischen Liga. Doch wer wird an seiner Seite in der Innenverteidigung spielen? Das ist eine der Fragen, die durch die Nachnominierungen beantwortet werden sollen.

„Die Deutschen regen mich auf“

Während der Kader also zuletzt noch einige Fragezeichen bot, feilt Jarolím schon seit Tagen an einer Taktik gegen Weltmeister Deutschland. Wie sehr aber belastet ihn dies?

„Bisher schlafe ich noch gut. Über die Deutschen kann ich sagen, dass wir sie gut studiert haben. Die Frage ist allerdings, wie sich auf ihr Spiel auf dem Platz dann auch wirklich reagieren lässt. Eins weiß ich jetzt schon: Es wird nicht einfach, das kann ich sagen, denn je mehr ich ihr Spiel analysiere, desto mehr regen sie mich auf. Ich vertraue aber darauf, dass wir ihnen nicht die allerbesten Bedingungen liefern für das, was sie gerne haben.“

Schon über ein Unentschieden in Hamburg dürfte sich die tschechische Equipe freuen. Dabei brauchen die Schützlinge von Karel Jarolím dringend ein Erfolgserlebnis, auch wegen des vermasselten Auftritts bei der Europameisterschaft in Frankreich. Die beste Chance dazu bietet sich schon drei Tage nach dem Deutschlandspiel, dann empfängt Tschechien nämlich Aserbaidschan. Diese Begegnung wird im mährisch-schlesischen Ostrava / Ostrau ausgetragen.

Autor: Till Janzer
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