Porträt Barbora Špotáková: Wiederholung meines Olympiasieges ist möglich

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)

Die Olympischen Spiele in London sind in der zweiten Hälfte angelangt. Und in dieser dominiert die Leichtathletik, die als Herzstück bei Olympia gilt. Unter den besten Läufern, Springern und Werfern der Welt hat auch die Tschechische Republik einige Eisen im Feuer. Das heißeste davon ist zweifelsohne Speerwurf-Weltrekordhalterin Barbora Špotáková, die in London als Titelverteidigerin am Start ist.

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)
Bei den Tipps auf einen tschechischen Olympiasieg fällt ihr Name am häufigsten: Barbora Špotáková. Dieser Zuspruch kommt nicht von ungefähr, hat die 31-jährige Speerwerferin aus Jablonec nad Nisou / Gablonz doch seit 2006 von jeder großen internationalen Meisterschaft eine Medaille mitgebracht. Ihr erfolgreichstes Jahr war sicher 2008, als sie in Peking olympisches Gold gewann und nur einen Monat später in Stuttgart den bis heute gültigen Weltrekord von 72,28 Meter aufstellte. Es brauchte jedoch erst einiger Anstöße aus ihrem Umfeld, um sie auf diese Erfolgsspur zu bringen. Vor zwölf Jahren war Barbora zwar schon eine hoffnungsvolle Nachwuchsathletin, allerdings im Siebenkampf. Aber auch ihr Vater František hatte früh erkannt, dass sie eine besondere Begabung für das Speerwerfen hat:

„Als Barbora noch Schülerin am Sportgymnasium war, habe ich sie mehrere Male bei einem Trainingslager betreut. Das war zumeist an Wochenenden im örtlichen Sportareal Srnčí důl. Einmal habe ich ihr dabei einen Speer in die Hand gedrückt, und sie hat damit gleich eine PET-Flasche getroffen.“

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)
Wurfkraft und eine gute Speerhaltung aber reichen längst nicht aus, um international bestehen zu können. Wie in jeder leichtathletischen Disziplin sei das Laufen die Grundlage des Erfolgs, sagt Špotáková. Deshalb trainiere sie häufig und intensiv auch kurze Sprints:

„Ich muss den Stil meines Anlaufs verinnerlichen. Laien sagen mir oft, dass ich einen schönen Anlauf habe – das Knie angewinkelt und leicht federnd. Bei Sprints gehen die Knie wie von selbst nach oben. Diese Bewegung lässt sich auch ganz gut in den Anlauf übertragen.“

Neben ihrem harten Training muss sich Špotáková aber auch auf eine immer stärker werdende Konkurrenz einstellen. Seit ihrem Olympiasieg 2008 in Peking ist der Sportsoldatin nämlich nie mehr der ganz große Wurf gelungen – bei Welt- und Europameisterschaften stand sie auf dem Siegerpodest nur noch rechts oder links von der Gewinnerin. Ihr neuer Trainer, der dreifache Olympiasieger im Speerwerfen der Männer, Jan Železný, versucht deshalb Training und Wettkämpfe seines Schützlings gut zu dosieren. An der EM, die kurz vor den Spielen in Helsinki stattfand, hat Špotáková zum Beispiel nicht teilgenommen. Dazu Železný:

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)
„Wenn sie eine Athletin anderen Typs wäre, läge der Fall anders, aber auf ihr liegt eine große Last. Und zwei schwere Wettkämpfe in solch kurzer Zeit zu absolvieren, ist nicht nur eine psychische Belastung, sondern geht auch körperlich an die Substanz. Wäre sie bei der EM angetreten, hätte sie vermutlich gewonnen, doch sie wäre danach auch müde gewesen, besonders im Kopf. Ich brauche aber eine Athletin, die sich auf den Wettkampf freut.“

Die Maßnahme von Trainerfuchs Železný scheint Früchte zu tragen. Die Qualifikation für das Speerwurf-Finale am Donnerstag überstand Špotáková zumindest ohne Mühe. Am Dienstag schleuderte sie ihren Speer gleich im ersten Versuch auf 66,19 Meter. Damit stieg auch ihre Zuversicht auf eine erfolgreiche Titelverteidigung:

„Wiederholen kann ich Peking nur in der Form, dass ich erneut Gold gewinne. Das ist gewiss möglich.“

Möglich wohl auch deshalb, weil Barbora Špotáková in ihrem Trainer einen Ratgeber hat, der sehr gut weiß, wie das geht. Jan Železnýs Coup von drei aufeinanderfolgenden Speerwurf-Olympiasiegen (1992 bis 2000) ist bis heute unerreicht.

Autor: Lothar Martin
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