Špotáková fühlt sich nach zweitem Olympiasieg wie von großer Last befreit

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)

Die Olympischen Spiele in London neigen sich ihrem Ende zu, in Tschechien aber wurde am Donnerstag nochmals groß gejubelt. Der Anlass war ein goldiger, denn Leichtathletin Barbora Špotáková konnte die riesigen Erwartungen ihrer Landsleute erfüllen: Im Speerwerfen der Frauen verteidigte die 31-Jährige ihren Titel von Peking und wurde erneut Olympiasiegerin. Wie von einer enormen Last befreit, feierte Špotáková die Goldmedaille noch lange nach dem Wettkampf mit ihren zahlreichen Fans im Olympiastadion.

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)
Barbora Špotáková eröffnete am späten Donnerstagabend das olympische Speerwurf-Finale und wollte es auch als Erstplatzierte beenden. Dazu legte sie mit ihrer Auftaktweite von 66,90 Meter einen guten Grundstein. Ihre heimliche Hoffnung nahm also früh Gestalt an:

„Ich muss zugeben, dass mir Gedanken an das zweite Olympiagold schon während des Tages durch den Kopf schossen, aber ich habe sie stets verdrängt. Denn es ist nicht gut, wenn man zuvor etwas beschreit.“

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)
Špotáková weiß, wovon sie spricht. Bei der WM 2011 in Daegu wurde sie nämlich von der Russin Maria Abakumowa noch im fünften Versuch abgefangen. In London scheidet die Russin aber schon nach drei Würfen aus. Und auch die anderen Kontrahentinnen finden auf die Vorgabe der Tschechin keine Antwort. Im vierten Durchgang macht die Sportsoldatin aus Jablonec nad Nisou / Gablonz vermutlich alles klar: Der Speer landet bei 69,55 Meter. Ein Superwurf, der für Špotáková wie eine Befreiung ist:

Jan Železný (ganz links) und Barbora Špotáková (Foto: ČTK)
„Ich stand gewaltig unter Druck, vor allem durch die Medien, aber auch von Leuten aus dem Umfeld, ja aus dem ganzen Land. Ein fast unerträglicher Druck, das ganze Jahr über – und das Schlimme daran ist, man kann sich kaum in Ruhe auf die Spiele vorbereiten. Das ist ganz anders als vor vier Jahren, als ich erstmals Olympiasiegerin wurde.“

Barbora Špotáková hat dem Druck standgehalten und die Konkurrenz mit all ihren gültigen Versuchen klar in Schach gehalten. Eine Leistung, die auch ihr Trainer, der dreifache Olympiasieger Jan Železný, zu Recht würdigte:

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)
„Eine Superleistung, die Neunundsechzigeinhalb Meter. Sie hat mit einem Klassenunterschied gewonnen und damit allen gezeigt, dass sie die klare Nummer eins ist. Ihr Vorsprung auf die Zweitplatzierte beträgt über vier Meter, das ist wirklich eine riesige Differenz.“

Mindestens genau so groß war dann auch die Freude, die die nunmehr zweifache olympische Goldmedaillengewinnerin nach ihrem Sieg allen zeigte. Und sie teilte diese Freude mit vielen Freunden, Verwandten und Bekannten, die ihr im Stadion zujubelten:

„Es war eine riesige Freude. Alle heulten vor Glück oder hatten feuchte Augen. Das ist das Höchste, was man von seinen lieben Nächsten bekommen kann.“

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)
In ihrem rauschendem Glücksgefühl hat Barbora Špotáková vor Journalisten dann auch verraten, was ihr letztlich die Kraft gegeben hat, die „Mission Gold“ auch zu erfüllen:

„In meinem Kopf bin ich die tschechischen Städte durchgegangen, eine nach der anderen. Ich habe mich gefragt, wie viele Leute werden mir die Daumen drücken? Ich habe mir all die Kneipen vorgestellt, in denen die Leute beim Wettkampf vor dem Fernseher sitzen, um mitzufiebern. Ich habe mir gesagt, eine solche Euphorie bringt wohl niemand anderes zustande, und das war für mich ein großes Plus.“

Vítězslav Veselý (Foto: ČTK)
Barbora Špotáková, die stets freundliche Athletin, die auf Punk und schnelle Motorräder steht, hat die Hoffnungen der Nation erfüllt. Und wer weiß, vielleicht kommt am Samstag noch ein Sahnehäubchen obendrauf. Denn auch im Speerwerfen der Männer hat Tschechien mit Vítězslav Veselý ein ganz heißes Eisen im Feuer.

Autor: Lothar Martin
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