Prag: Aus dem Bahnhof Bubny wird eine Shoah-Gedenkstätte

Foto: Martina Schneibergová

Auf dem Prager Bahnhof Bubny soll eine Shoah-Gedenkstätte entstehen. Im Neustädter Rathaus in Prag wurde am Dienstag eine Ausstellung eröffnet, die zeigt, wie sich das Bahnhofsgebäude in diesem Sinn umwandeln wird.

Bahnhof Bubny (Foto: ŠJů, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Der Prager Bahnhof Bubny liegt unweit der Metro-Station Vltavská und ist ein wenig versteckt. Er unterscheidet sich kaum von anderen alten Bahnhofsgebäuden, die zu Zeiten der k. u. k. Monarchie erbaut wurden. Das wenig gepflegte Gebäude soll künftig zur „Gedenkstätte der Stille“ werden. Damit wird an das Schicksal der Juden erinnert, die von diesem Prager Bahnhof aus in die KZs deportiert wurden. Initiator der Gedenkstätte ist der anerkannte Dokumentarfilmregisseur Pavel Štingl. Er leitet die gemeinnützige Gesellschaft Shoah-Gedenkstätte Prag.



Foto: Martina Schneibergová
„Vom Bahnhof Bubny aus sind rund 50.000 Prager Juden in die Transporte gegangen. 90 Prozent von ihnen wurden in den KZs und Vernichtungslagern an verschiedenen Orten Europas ermordet. Im vergangenen Jahr haben wir intensiv am Projekt einer Gedenkstätte in Bubny gearbeitet. Dazu haben wir auch eine Baubewilligung von den Tschechischen Bahnen gebraucht, um den Bahnhof umgestalten zu können.“

Mit den Tschechischen Bahnen hat die gemeinnützige Gesellschaft einen Mietvertrag für 50 Jahre abgeschlossen. Zurzeit bemüht sie sich, finanzielle Mittel für das Projekt zusammenzutragen. Wenn alles klappt, möchten Pavel Štingl und seine Mitarbeiter die Gedenkstätte im Herbst nächsten Jahres öffnen.

Foto: Martina Schneibergová
„Das wäre ausgezeichnet. Denn dann werden 75 Jahre seit den ersten Judentransporten aus Prag vergangen sein. Mit der jetzigen Ausstellung wollen wir einen Dialog mit der Öffentlichkeit darüber anregen, wie die Gedenkstätte aussehen soll.“

In der Exposition im Neustädter Rathaus wird das architektonische Konzept dargestellt, zudem wird die künftige Dauerausstellung in Bubny beschrieben.

„Diese wird gewissermaßen an die Dauerausstellungen in Theresienstadt und in der Pinkas-Synagoge anknüpfen. Auf dem Bahnhof soll aber auch ein Bildungszentrum entstehen, in dem abwechselnd kurzfristige Ausstellungen gezeigt werden. Wir stellen uns vor, dass dort zudem Raum für Diskussionen entsteht. Denn um aktuelle Probleme lösen zu können, ist es notwendig, zuerst die historischen Erfahrungen auszuwerten.“

Foto: Martina Schneibergová
Aber nicht nur das Bahnhofsgebäude, sondern auch der Raum darum soll umgestaltet werden. Damit will man an die letzten Schritte der ermordeten Juden erinnern. Diese mussten sich vor der Deportation damals in den Ausstellungspavillons des sogenannten „Radiotrh“ (Radiomarkt) versammeln. Von dort aus wurden sie zum nicht weit entfernten Bahnhof Bubny geführt. Die Hallen von Radiotrh gibt es heute nicht mehr, sie befanden sich zwischen dem heutigen Messepalast und dem Parkhotel.

Auch wenn noch nicht hundertprozentig feststeht, wann die Gedenkstätte der Stille eröffnet wird, ist eines bereits klar: Im März dieses Jahres wird schon anstatt einer Grundsteinlegung ein sogenanntes „Grundgleis“ enthüllt. Es handelt sich um ein Werk von Bildhauer Aleš Veselý, sagt Pavel Štingl.

„Grundgleis“ (Foto: Martina Schneibergová)
„Die Plastik ist fertig. Auf dem Bahnhof Bubny werden soeben Fundamente für die Statue errichtet. Denn sie ist monumental: Es ist ein 20 Meter langes Gleis, das in den Himmel ragt und an die Jakobsleiter aus der Bibel erinnert.“

Die Ausstellung „Der Weg zur Gedenkstätte“ ist im Neustädter Rathaus am Prager Karlsplatz zu sehen, und zwar noch bis 1. Februar. Sie ist täglich von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.