Prag in einem neuen Licht: Signal-Festival 2013

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Festivals

Historische Denkmäler Prags und zeitgenössische Kunst mit Hilfe moderner audiovisueller Technik zu verknüpfen und die Prager Wahrzeichen in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Das ist das Hauptanliegen des Lichtfestivals Signal 2013, das am kommenden Donnerstag in der tschechischen Hauptstadt eröffnet wird.

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Festivals
Das Lichtfestival Signal verzaubert Prag und präsentiert die historische Stadt in einem Licht, in dem sie zuvor noch nie zu sehen war! Zahlreiche Gebäude und Plätze in der tschechischen Hauptstadt werden illuminiert. Mit diesen Worten werden derzeit die Bewohner und die Besucher Prags zum Besuch des Festivals animiert. Signal ist das erste Lichtkunstfestival in Prag. Es steht unter der Leitung von Martin Pošta:

„Das Lichtfestival wird nicht Lampen und Kronleuchter präsentieren, wie man aufgrund des Namens annehmen könnte. Es geht um Lichtinstallationen im öffentlichen Raum. Wir bringen etwa 35 Künstler nach Prag, acht davon aus dem Ausland. Jeder von ihnen wird ein Kunstwerk für den öffentlichen Raum in Prag schaffen, wobei das Licht der gemeinsame Nenner ist.“

In Europa gibt es mehrere Lichtfestivals. Die bedeutendste Veranstaltung sind die Fêtes de Lumières in Lyon. Für Tschechien handelt es sich aber um eine Neuigkeit. Die bisher größte Tat dieser Art war eine Lichtschau auf dem Altstädter Ring in Prag im Jahr 2010. Martin Pošta:

Martin Pošta (Foto: Archiv des Festivals)
„Ich habe damals mit dem Kunstverein The Macula eine Projektion auf die Astronomische Uhr am Turm des Altstädter Rathauses installiert. Danach sind wir ins Ausland gereist und haben dort interessante Künstler kennengelernt. Dort ist mir eingefallen, dass es toll wäre, die Arbeiten, die wirklich einzigartig sind, vor dem Prager Publikum vorzuführen. Die Idee war vor drei Jahren entstanden, seitdem arbeiten wir daran.“

Einer der Künstler, die am Festival teilnehmen, aber auch einer der Mit-Organisatoren ist Amar Mulabegovic.

„Ich bin Mitglied der Gruppe The Macula. Wir beschäftigen uns seit etwa fünf Jahren mit Video-Mapping-Installationen. Für das bevorstehende Festival bereiten wir eine Installation auf die Fassade der Ludmila-Kirche auf dem náměstí Míru, dem Friedensplatz vor. Sie wird etwa sechs Minuten dauern. Das Thema sind die vier Elemente – also Wasser, Wind, Feuer und Erde. Wir wollen die Natur präsentieren und dabei eine visuelle Tendenz der Gegenwart zeigen. Wir wollen die Grenzen für das Spiel von Schatten und Licht ausloten. Einerseits wird die Projektion etwas Reales simulieren, andererseits wollen wir die Fassade in eine andere Welt versetzen.“

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Festivals
Das so genannte Video-Mapping ist eine neue Art von Projektionstechnik. Sie macht es möglich, Videos in exakter Größe auf Oberflächen oder Gegenstände zu projizieren. Ist es einmal gelungen, die Form zu erfassen, kann Videomaterial darübergelegt werden. Neuartige Software erlaubt es dann, das projizierte Bild in jede erdenkliche Form zu bringen. Das Ergebnis ist eine dynamische Videoinstallation. Ein suggestives Lichtspiel auf einem physischen Objekt schafft eine neue Dimension und verändert die Wahrnehmung eines scheinbar gewöhnlichen Gegenstandes.

„Videomapping ist im Grunde ein detailliert vorbereitetes Bild, das zu hundert Prozent mit der Fassade des jeweiligen Gebäudes identisch ist. Alle Sachen, die sich im Bild abspielen, decken sich vollkommen mit der Fassade.“

Die Vorbereitung ist jedoch nicht vor Ort möglich.

„Alles wird am Computer gemacht. Wir nutzen 3-D-Programme, aber auch klassische zweidimensionale Trickanimation wie im Fernsehen. Wir kombinieren verschiedene Möglichkeiten und entdecken auch neue Wege. Die Vorbereitung ist ziemlich zeitaufwändig, da man viele technische Details lösen muss. Wenn ich es vereinfache: Die Fassade ist ein Rahmen, der klar definiert ist. Dahinein müssen wir das Bild bringen. Wir saugen alle möglichen Aspekte des Ortes auf. Nach zwei Monaten Vorbereitung entsteht ein sechsminütiges Werk.“

Foto: Archiv des Festivals
Das Festival präsentiert aber nicht nur das so genannte Video-Mapping, das heißt großformatige Projektionen, betont Festivalleiter Martin Pošta.

„Wir haben jedem Künstler die freie Wahl für den Kunstbereich gelassen, in dem er sich wohl fühlt. Dadurch hat sich der Raum für die Auswahl der Künstler erweitert. Es gibt in Tschechien nicht viele Künstler, die sich mit dem Video-Mapping befassen. Aber jeder der Künstler, die wir angesprochen haben, hat eine Beziehung zu Licht oder zu Lichtinstallationen. Jeder von ihnen hat dies auf seine eigene Art aufgegriffen. Eben diese Mannigfaltigkeit in Verbindung mit den Schönheiten der Prager Straßen kann etwas Neues, Magisches und bisher nicht Dagewesenes schaffen.“

Beim Festival werden also nicht nur Filme auf Fassaden projiziert. Auch auf neue und unerwartete Objekte wird man in den Prager Straßen treffen:

František Skála (Foto: Offizielle Facebook-Seite des Festivals)
„Die Künstler schaffen ihre eigenen Objekte auf der Straße oder sie nutzen die Fassaden der Häuser. František Skála installiert zum Beispiel ein Schattenspiel auf der Kampa-Insel. Krištof Kintera wird den Aussichtsturm auf dem Petřín-Hügel belichten. Rony Plesl schafft einen großen Kronleuchter aus Uranglas, der vorübergehend in einer Kirche platziert wird. Jeder hat seine eigene Herangehensweise, jeder bringt sein Werk auf die Straße, beziehungsweise auch in einige Innenräume der Hauptstadt.“

Foto: Archiv des Festivals
Die Wahl der Orte wurde den Künstlern überlassen. Sie müssen aber im Stadtzentrum liegen, damit das Festival kompakt bleibt und nicht in der ganzen Stadt verstreut ist. Nicht immer war es aber einfach, den Besitzer zu überzeugen, sein Haus zur Verfügung zu stellen:

„In manchen Fällen war es ungeheuer schwer, in anderen wiederum überraschend einfach. Also etwa Halbe, Halbe. Ich muss die Mitarbeiter loben, die sich darum gekümmert haben. Denn bisher gab es hier in der Stadt wohl noch keine Veranstaltung dieser Art.“

Von 17. bis 20. Oktober werden nach Einbruch der Dunkelheit rund 30 Standorte, darunter auch viele der weltberühmten Prager Wahrzeichen, mittels Lichtinstallationen und architektonischen Video–Mappings in ein neues Licht getaucht.

Foto: Archiv des Festivals
„Am Donnerstag, 17. Oktober, um 19.30 Uhr wird eine große Installation auf dem Altstädter Ring feierlich aufleuchten. Es wird ein Lichtwürfel von jeweils zehn Meter Kantenlänge sein. Dieser Würfel ist sozusagen das Wahrzeichen des diesjährigen Festivals. Gleichzeitig werden auch alle 35 weiteren Installationen in Prag aufleuchten. Sie werden jeden Tag bis 23.30 Uhr zu sehen sein, und das bis Sonntag, 20. Oktober.“

Der Eintritt zu allen Licht- und Video-Mapping-Installationen ist kostenlos. Das gesamte Festivalprogramm, das im öffentlichen Raum stattfindet, wird von Workshops, Seminaren und Installationen in Galerien begleitet. Außerdem werden nächtliche Radtouren und Bootsfahrten auf der Moldau zu den Veranstaltungsorten angeboten, und am Čertovka-Bach finden Live-Konzerte statt.

„Jede Installation des Festivals ist mit einem so genannten Lichtpunkt ausgestattet. Dort findet man einen Stadtplan, auf dem alle Installationen in der Umgebung eingetragen sind. Auch Stadtpläne zum Mitnehmen werden dort angeboten. Außerdem bereiten wir eine Festival-App für Smartphones vor, die eine Navigation zu allen Installationen bietet. Alle Installationen sind auch auf der Website zu sehen, unter www.signalfestival.com. Für Interessenten bieten wir zudem Führungen an, die man in unserem Festivalzentrum beim Rudolfinum buchen kann.“

Festivaldirektor Martin Pošta hat aber auch noch einen persönlichen Tipp aus dem Festivalprogramm:

Foto: Archiv des Festivals
„Ich bin sehr gespannt, wie der erwähnte Hyper Cube aussehen wird. Das ist der erwähnte Würfel von 1000 Kubikmetern auf dem Altstädter Ring. An diesem Würfel werden etwa 70 Lampen hängen, die anhand spezieller musikalischer Choreographie ein- und ausgeschaltet werden.“