In Prag fand eine Konferenz über Bertha von Suttner statt

Bertha von Suttner
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Wenn sie heute leben würde, würde sie sich höchstwahrscheinlich im Bereich der Entwicklungshilfe engagieren und sich für die Beilegung der Konflikte in der Welt einsetzen. "Die Waffen nieder" lautet der Titel ihres zweifelsohne bekanntesten Buches. Die Rede ist von Bertha von Suttner, geborene Kinski. Als Sekretärin von Alfred Nobel bewog sie ihn dazu, einen Friedenspreis zu stiften. Bertha von Suttner, geborene Kinski, wurde selbst vor 100 Jahren als die erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Aus diesem Anlass wurde in ihrer Heimatstadt Prag am vergangenen Wochenende eine internationale Konferenz unter dem Motto " Die Bedeutung der Gedanken von Bertha von Suttner für die Gegenwart" veranstaltet.

Die Konferenz fand unter der Schirmherrschaft des tschechischen Premierministers Jiri Paroubek und des österreichischen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel in der oberen Parlamentskammer Tschechiens statt. Deren Vizepräsident Petr Pithart erinnerte einleitend unter anderem daran, dass seit Suttners Zeiten inzwischen Hunderte von Abrüstungskonferenzen auf den verschiedensten Ebenen einberufen wurden. Diese waren mehr oder manchmal auch weniger erfolgreich. Schließlich seien es aber nicht volle oder leere Waffenarsenale, die über Krieg und Frieden entscheiden, sagte Petr Pithart und nannte das aktuelle Paradox:

"Zur stärksten, destruktivsten und treffsichersten Waffe, die die ganze Welt einschüchtert, ist der zerbrechliche, verletzbare und tödliche Mensch geworden - ein Mensch, der sich im Voraus entschied, an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit zu sterben - der Selbstmordattentäter, der mit einem Gürtel aus Sprengstoff und Nägeln ausgerüstet ist. Dieser Mensch kann von niemand und nichts am Töten gehindert werden. Selbst eine weltweite Abrüstungskonferenz kann das nicht erreichen. Diesem Menschen fehlt nämlich der innere Frieden, er ist von Hass erfüllt. Er kann nicht entwaffnet werden, weil er anonym ist und vor allem, weil er entschlossen ist, für seine Sache zu sterben."

Petr Pithart, Foto: Autorin
Der innere Friede war Petr Pithart zufolge das zweite scheinbar eher im Hintergrund stehende Thema von Bertha von Suttner. Über die Abrüstungsmöglichkeiten von heute sagte Pithart:

"Abzurüsten bedeutet heute vor allem zu demokratisieren, das heißt eher auf die Einhaltung der Bürger- und Menschenrechte zu bestehen als nur die Zahl der Waffen zu reduzieren. In letzter Zeit geht es nicht nur darum, den Staaten ihre Motive zur Kriegsführung zu nehmen, sondern auch Einzelpersonen von ihrem Hass abzubringen, der sie zur Selbstopferung als einer Form des Terrorismus führt. Dies ist eine viel schwierigere Aufgabe als die Aufgabe, die die Staaten untereinander zu lösen haben."

Jana Hodurova, Foto: Autorin
Wie diese Bemühungen um den Frieden - auch vor allem den inneren Frieden - unterstützt werden können, danach fragte ich die Vorsitzende der Tschechischen Bertha von Suttner- Gesellschaft, Jana Hodurova:

"Ich glaube, dass wir gerade mit der jungen Generation darüber sprechen müssen. Deshalb wurde die Friedenserziehung als Fach, das an den Schulen unterrichtet werden soll, eingeführt. Nach dem neuen Unterrichtsplan werden die Schüler zur Toleranz, zum Kampf gegen Gewalt, gegen Terrorismus und zur Zusammenarbeit in der Welt erzogen. Ich bin Lehrerein an einer Schule im 9. Stadtbezirk in Prag und wir bemühen uns darum, unserer Schule den Namen von Bertha von Suttner zu geben. Drei Jahre lang arbeiten wir im Sinne der Gedanken von Bertha von Suttner, und zwar der gewaltlosen Lösung von Konflikten."