Prager Bethlehemkapelle: „Gläserne Weihnachten“ versetzen Besucher in frühere Zeiten

Foto: Rajce.net

Gemütsruhe, Innehalten, frohes Staunen - gibt es das heutzutage in der Adventszeit überhaupt noch? Oder herrschen der Stress vor wegen der Geschenke, das Jingle-Bells-Gedudel in den Geschäften und das Wetteifern beim Haus- und Vorgartenverzieren mit üppigen Lichterketten? Solche Fragen stellen sich in dieser besonderen Zeit immer mehr Menschen, und die Antwort muss jeder für sich suchen: zum Beispiel an einem Ort, an dem man sich manch schönes Weihnachtserlebnis ins Gedächtnis rufen lassen kann. Und nicht nur das. So ein Ort besteht dieser Tage im Kellerraum der Prager Bethlehemkapelle. Dort findet bis zum 3. Januar findet eine Ausstellung unter dem Titel „Gläserne Weihnachten“ statt.

Weihnachtsausstellung  (Foto: Jitka Mládková)
„Konzentrieren Sie sich, richten Sie den Blick auf den großen Holzkoffer und denken Sie daran, wie Sie einst als Kind mit Ihrer Familie am hell erleuchteten Weihnachtsbaum saßen und den Kerzenduft rochen. Es ist alles hier in dem Holzkoffer!“

Ausstellungskurator Blahoslav Lukavec kann einen zurückversetzen in frühere Zeiten. In seinem Holzkoffer glitzern eine Unmenge alter Weihnachtskugeln unterschiedlicher Farbe und Größe. Doch der Zauber ist nur von kurzer Dauer. Blahoslav Lukavec, die treibende Kraft hinter der traditionellen Weihnachtsausstellung, führt bereits zum nächsten Ausstellungsstück und erzählt:

Blahoslav Lukavec  (Foto: Jitka Mládková)
„Diese Weihnachtsausstellung veranstalten wir seit bereits 31 Jahren. Ihretwegen reise ich kreuz und quer durch Tschechien sowie durch die Slowakei. So habe ich eine gute Übersicht über Menschen, die uns ihre Weihnachtskrippen als Leihgaben zur Verfügung stellen oder auch zum Verkauf anbieten wollen.“

Daher ist es auch kein Problem, die Ausstellungen abwechslungsreich zu gestalten. Lukavec unterstreicht:

„Das alles ist Volkskunst der Gegenwart. Wir stellen hier keine historischen Stücke in Vitrinen aus, die man nicht anfassen darf. Bei uns ist es anders, und gerade das gefällt den Besuchern.“

Weihnachtskrippen aus Fischschuppen  (Foto: Jitka Mládková)
Doch warum heißt die diesjährige Ausstellung „Gläserne Weihnachten“, wenn hier Weihnachtskrippen zum Beispiel auch aus Holz, Textil, trockenen Maisblättern, Keramik, Teig, Wachs, Klöppelgarn, Fischschuppen und anderem Material zu sehen sind? Hier die simple Antwort:

„Unsere Ausstellung hat jedes Jahr ein anderes Motto. Voriges Jahr war es Holz, vorher waren es zum Beispiel Glocken, Musik oder das Licht von Bethlehem. Für die letztgenannte Ausstellung, die zauberhaft war, haben wir alte Laternen, Leuchter und ähnliches nachbilden lassen. Diesmal ist es also Glas. Vom tschechischen Weihnachtsfest ist doch das Glas einfach nicht wegzudenken.“

Foto: Rajce.net
Das Licht im Keller der Bethlehemkapelle ist gedämpft, nur die kunstvoll komponierten Ensembles werden angestrahlt. Das zaubert eine fast märchenhafte Atmosphäre in den Ausstellungsraum. Dies unterstreichen auch die von viel Enthusiasmus getragenen Kommentare des Kurators. Zum Beispiel zu einer der Weihnachtskrippen:

„Schauen Sie sich nur die Maria an, was sie macht! Sie reicht einem Hirten das Jesulein hin und sagt zum versammelten Volk: ´Diesen Sohn habe ich für Euch zur Welt gebracht. Er wird für Euch das Opfer bringen.´“

Bethlehemkapelle in Prag
Noch etwas ist an der Ausstellung „Gläserne Weihnachten“ sehr interessant: Die Schöpfer der ausgestellten Werke sind zumeist junge Menschen - und niemand ist Profikünstler, sondern zum Beispiel Elektriker, Eisenbahner, Lehrerin oder Geologin:

„Es ist nicht wichtig, welchen Beruf man hat. Wichtig ist, Fingerspitzengefühl für das Material zu haben und es gerne machen. Für jemanden, dem es Freude bereitet“, sagt Blahoslav Lukavec.

Und Freude bereiten die „gläsernen Weihnachten“ in Prag sicher den meisten Besuchern.