Prager Nationaltheater erinnert mit Ausstellung an Luftangriff vor 80 Jahren

Ausstellung 'Apolinář 1945'

Wegen eines Navigationsfehlers fielen am 14. Februar 1945 amerikanische Bomben auf Prag. Auch das Nationaltheater erinnert an diesen Angriff der Alliierten zu Ende des Zweiten Weltkriegs, denn damals wurde sein Betriebsgebäude zerstört. Dazu ist derzeit eine Open-Air-Ausstellung in der tschechischen Hauptstadt zu sehen, Martina Schneibergová war am Donnerstag bei der Vernissage.

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

Eine Open-Air-Ausstellung mit dem Titel „Apolinář 1945“ erinnert an den Luftangriff amerikanischer Bomber vor 80 Jahren. Bei diesem wurde auch das Gebäude getroffen, in dem das Prager Nationaltheater seine Bühnendekorationen gelagert hatte. Der Direktor des Nationaltheaters, Jan Burian, schlug bei der Eröffnung der Schau eine Brücke zur heutigen Zeit, in der viele Menschen zunehmend Angst haben. Damit machte er auf Russlands Krieg gegen die Ukraine sowie die komplizierte Lage im Nahen Osten aufmerksam. Burian merkte an:

„Ich wünsche mir sehr, dass alle unsere Gedenkveranstaltungen diejenigen, die sie mitbekommen, zum Nachdenken bewegen. Und zwar sollte man darüber nachdenken, dass sich Widerstand leisten lässt gegen das Übel und dass die freie demokratische Welt die Kraft und Mittel hat, dieses Übel zu überwinden.“

Jan Burian | Foto: Jana Myslivečková,  Tschechischer Rundfunk

Die Ausstellung wurde in der Straße Viničná in der Prager Neustadt (Nové Město) installiert – und zwar direkt am Eingang zu jenem Areal, auf dem die Kostüme und Bühnendekorationen des Prager Nationaltheaters aufbewahrt werden. Karolína Stegurová arbeitet im Archiv des Nationaltheaters und hat die Ausstellung zusammengestellt.

„Das Areal hat eine lange Geschichte. Es wurde Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Hier wurden von Anfang an sämtliche und Bühnendekorationen und Kostüme gelagert. Dazu gehörten auch die berühmten ersten Kulissen, die von František Ženíšek und Vojtěch Hynais gemalt wurden. Diese wurden bei dem Luftangriff vom Februar 1945 vernichtet.“

Das Nationaltheater nutzt das Areal bis heute. Damals habe es dort auch Räumlichkeiten für die Erstellung von Bühnendekorationen gegeben, merkt Karolína Stegurová an:

„Nachdem der Großteil des Gebäudes beim Luftangriff abgebrannt war, gab es nach dem Kriegsende keine Räumlichkeiten mehr für die Herstellung der Kulissen. Zudem mangelte es damals an Material. Das war durchaus ein Problem für den Theaterbetrieb.“

Ausstellung 'Apolinář 1945' | Foto: Nationaltheater Prag

Beim damaligen Luftangriff kamen 701 Menschen in Prag ums Leben. Auf dem Gelände in der Viničná-Straße ist den Archivdokumenten zufolge niemand gestorben. Karolína Stegurová:

„Ich bin bei der Zusammenstellung des Textes zur Ausstellung vom offiziellen Bericht über die Schäden nach dem Luftangriff ausgegangen, der sich im Nationalarchiv befindet. In dem Dokument ist ausführlich beschrieben, was sich hier damals abgespielt hat. Die Mitarbeiter des Theaters folgten damals den Warnungen und versteckten sich im Luftschutzraum. Sobald die Sirenen zu heulen aufhörten, sind sie auf das Areal gerannt. So gelang es ihnen, die Pförtnerwohnung und die Kaschierwerkstatt zu retten. Das war jedoch nur ein kleiner Teil dessen, was sich hier damals befand.“

Wie hat der berühmte Vorhang von Vojtěch Hynais ohne Schäden überlebt?

„Es gab Überlegungen, den Vorhang aus dem Theater wegzubringen und ihn an einem anderen Ort aufzubewahren. Es ist jedoch nur bei den Überlegungen geblieben, und daher blieb der Vorhang im Theater hängen. Aber die Theaterdekorationen waren auf diesem Gelände und sind zerstört worden.“

Nach dem Kriegsende spendeten viele Menschen Geld für die Fertigung neuer Dekorationen oder schenkten dem Nationaltheater auch Gegenstände für die Inszenierungen.

Die Open-Air-Ausstellung „Apolinář 1945“ ist die erste der Veranstaltungen, mit denen das Nationaltheater an das Kriegsende erinnert.