Presseschau – die Schule der Kommunisten, Jan Palach und das US-Radar

Herzlich Willkommen zum Medienspiegel. Wir präsentieren einen noch recht jungen Radiosender, der eine Lücke in der tschechischen Radiolandschaft schließt - Radio Ethno. Aber zunächst – wie gewohnt - unser Blick in die Tageszeitungen dieser Woche auf der Suche nach den Themenschwerpunkten der Printmedien. Und dabei umschiffen wir mal getrost das Tam-Tam um die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Obama.

Die druckfrische „Lidové noviny“ befasst sich mit einem aktuellen Aufruf der Kommunistischen Partei. Diese kritisiert nämlich, das Geschichtsbild über die kommunistische Zeit werde im Schulunterricht verbogen. „Eine Kommunistin möchte die Schulbücher umschreiben – nun darf sie keine Landeskunde mehr unterrichten“, titelt die Lidovky. Die Lehrerin ist eine Verehrerin des ersten kommunistischen Präsidenten der Tschechoslowakei Klement Gottwald. Die Geschichte werde verfälscht, der Präsident habe viel Gutes für die Menschen getan, in den politischen Schauprozessen der 1950er Jahre seien nur jene verurteilt worden, die tatsächlich Gesetze übertreten hätten, so die Lehrerin. Die Tageszeitung titelt weiter: „Schulwesen in Alarmbereitschaft – gelingt es den Kommunisten in den Schulen die Lehrmeinung über die neuere tschechische Geschichte zu beeinflussen?“ Bildungsminister Liška hat bereits signalisiert, er werde die Kreisregierungen, an denen Kommunisten beteiligt sind, genauestens beobachten.

Wir bleiben noch ein bisschen im Thema. Wenn sie unsere letzten Sendungen verfolgt haben, dann ist Ihnen immer wieder der Name Jan Palach begegnet. Die Tageszeitung „Mladá fronta Dnes“: „Die Woche, in der die Menschen aufhörten sich zu fürchten – Genau vor 20 Jahren schlugen die staatlichen Einsatztruppen im Zentrum Prags auf die Demonstranten ein, welche die ganze Woche gegen das kommunistische Regime protestierten“. Im Januar 1989 war es nämlich ebenfalls 20 Jahre er, dass sich Jan Palach selbst verbrannte, um die Menschen aufzurütteln. Die Palach-Woche galt als Auftakt zur Samtenen Revolution im Herbst 1989. „Mladá fronta Dnes“ bringt Kurzportraits von Widerständlern, die damals involviert waren. Zu ihnen gehörte auch der jetzige Vizepremier für Europa-Angelegenheiten, Alexandr Vondra.

Die kostenlose Wirtschaftzeitung „E 15“ titelt in ihrer aktuellen Ausgabe: „Außenminister Schwarzenberg lädt Russland unter den Schirm ein – Den Vorschlag Russland in die US-Raketenabwehr einzubinden hat die deutsche Kanzlerin Merkel wiederbelebt“. Anbei eine Großaufnahme von Angela Merkel. Sie hatte vor ein paar Tagen Russland wieder mit ins Spiel um die in Tschechien und Polen geplante US-Raketenabwehr gebracht. Der tschechische Minister musste reagieren, tat es im Sinne der Kanzlerin und kassierte Schelte von der heimatlichen Opposition.

Damit enden für heute unsere Presseeinblicke. Im zweiten Teil unserer Sendung – dem Schwerpunktthema Medien – stellt Ihnen vor. Sie hören eine Wiederholung aus dem Medienspiegel vom 17. Oktober vergangenen Jahres .