Protestaktionen in Prag

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Im Ballhaus der Prager Burg hat eine heitere Redeschlacht stattgefunden. Zu Straßenschlachten im Zentrum der tschechischen Hauptstadt ist es aber glücklicherweise nicht gekommen. Tausende Globalisierungsgegner strömten am Wochenende durch Prag, sie beschränkten sich aber bei ihren Proteste hauptsächlich auf Parolen gegen die Tätigkeit des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Marketa Maurova fasst den Verlauf der Protestaktionen zusammen.

Das vergangene Wochenende sollten scharfe Straßenproteste begleiten, auf die sich die tschechische Hauptstadt mit zahlreichen Sicherheitsmassnahmen vorbereitete. In den Straßen wachten mehrere Tausend Polizisten, die aber glücklicherweise keinen Grund zum Eingriff hatten.

Etwa 2000 Demonstranten haben am Samstag bei verschiedenen Kundgebungen protestiert. Die größte der Protestveranstaltungen war die der Kommunisten, auf der etwa Tausend Leute unterschiedlichen Alters aus ganz Europa zusammentrafen. Nach einer etwa zweistündigen Versammlung, die Reden der kommunistischen Funktionäre erfüllten, begab sich ein Umzug mit den Vizevorsitzenden der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens an der Spitze auf einen Protestumzug durch Prag.

Aun einem anderen Ort Prags versammelten sich etwa 600 Anarchisten und Linksextremisten, die sich nach kurzen Reden auf einen Marsch durch die Stadt aufmachten. Obwohl sie einige Mc-Donalds-Restaurants und Benetton-Geschäfte passierten, wurden diese nicht attackiert. Vor dem Hauptbahnhof stießen auf eine Gruppe Skinheads, wobei es auch zu einer kurzen Schlägerei gekommen ist.

Am Sonntag wurden die Proteste fortgesetzt. Für eine visuell effektive Protestkundgebung sorgten Aktivisten der internationalen Bewegung Jubilee - Erlassjahr 2000, die einen stilisierten Trauermarsch durch Prag veranstalteten. Sie verlangten die Entschuldung der armen Entwicklungsländer und verwiesen darauf, dass dort 19 Tausend Kinder täglich in Armut sterben müssten.

Eine dramatische Lage entwickelte sich an der tschechisch-österreichischen Grenze. Polizisten haben dort den etwa 520 Fahrgästen am Morgen die Weiterreise untersagt, da sich unter ihnen vier "unerwünschte Personen" befänden. 17 Stunden wurde der italienische Sonderzug im Grenzort gehalten und die Globalisierungsgegner haben während der Verhandlungen auch einen internationalen Schnellzug von Prag nach Österreich zum Halten gezwungen und ein Lagerfeuer auf den Gleisen entzündet. Am Abend entschlossen sich die aus Mailand angereisten Aktivisten, ihre Fahrt ohne die Vier fortzusetzen. Um Solidarität mit den Italienern zu äußern, protestierte man am Nachmittag auch vor dem Innenministerium in Prag. Hauptrede hielt dabei der Sprecher der Initiative gegen Wirtschaftsglobalisierung INPEG, Viktor Piorecký: "Es ist ein klarer Beweis der Willkür der politischen Macht in dieser Republik. Wir fordern, dass die Einfahrt in die Tschechische Republik dem ganzen Zug ermöglicht wird."

Die Demonstranten forderten nicht nur zur Aufhebung der Finanzinstitutionen auf sondern kündigten auch die größten Proteste gegen die Weltwährungskonferenz an diesem Dienstag an. Dann wollen mehrere Tausend Leute den Tagungsort blockieren.