„Psychisch belastend“ - tschechische Freiwillige berichten über Einsatz in Ebola-Gebieten

Foto: ČTK

Der Kampf gegen das Ebola-Virus in Westafrika ist noch längst nicht gewonnen. In den vergangenen Wochen konnte die internationale Hilfe wenigstens verhindern, dass sich die Ansteckungen weiter exponentiell vermehren. Auch zwei tschechische Freiwillige waren in Westafrika in den Gefahrengebieten. Sie gehörten zum Team der Ärzte ohne Grenzen und haben nun in Prag ihre Erfahrungen geschildert.

Ebola-Zentrum in Conakry (Foto: Pavlína Kozelková, Archiv der Ärzte ohne Grenzen)
Pavlína Kozelková ist 29 Jahre alt. Sechs Wochen lang war sie in Guinea, das Land ist von Ebola besonders stark betroffen. Den Ärzten ohne Grenzen half sie in der guineischen Hauptstadt Conakry vorwiegend bei Verwaltungsangelegenheiten, sie organisierte zum Beispiel Unterkünfte.

„Als ich gegen Ende September nach Conakry kam, hatten wir im dortigen Krankenhaus 18 Ebola-Fälle. Innerhalb von drei Wochen stieg die Zahl dann um das Dreifache, und im Krankenhaus gingen die Betten aus.“



Ebola-Zentrum in Conakry (Foto: Archiv der Ärzte ohne Grenzen)
Neben Guinea sind Liberia und Sierra Leone die großen Krisenherde. Die Weltgesundheitsorganisation befürchtet aber mittlerweile, dass sich die lebensgefährliche Infektion auch in Mali ausbreiten könnte. Bisher sind offiziellen Angaben nach 5700 Menschen in Westafrika an Ebola gestorben. Das tägliche Sterben in der Gegend hat Petr Macek unmittelbar erlebt. Der 41-jährige Technik-Experte war acht Wochen lang in Liberia und begleitete dort regelmäßig die internationalen Ärzte bei ihren Einsätzen im ganzen Land.

„Am meisten belastet haben mich die Krankheitsfälle kleiner Kinder. Im Alter von bis zu fünf Jahren haben sie nur eine sehr geringe Überlebenschance. Und immer wenn wir ein Kind in dem Alter in unser Zentrum gebracht haben, war dies von der Psyche her sehr hart.“

Petr Macek (Foto: ČTK)
Petr Macek ist seit acht Jahren bei den Ärzten ohne Grenzen. Bereits 2009 trug er erstmals den gelben Ebola-Schutzanzug. Damals war er im Kongo eingesetzt.

„Anders als bei den sonstigen Missionen der Ärzte ohne Grenzen ist bei Ebola jeder physische Kontakt untersagt. Das heißt, Schulterklopfen oder Händeschütteln sind verboten. Ich habe mich nur schwer daran gewöhnt, Abstand zu den eigenen Kollegen zu halten, weil mit ihnen ja ein persönlicher Kontakt besteht.“

Wer in einem Ebola-Gebiet arbeitet, muss außerdem regelmäßig seine eigene Gesundheit überprüfen, also zum Beispiel Fieber messen. Die Gefahr einer Ansteckung ist immer präsent, wie Pavlína Kozelková sagt:

Pavlína Kozelková (Foto: ČT24)
„Es gibt Momente, in denen einem die Gedanken durch den Kopf schießen. Das können banale Erscheinungen wie zum Beispiel Kopf- oder Bauchschmerzen sein, was eben auch Symptome von Ebola sind. Dann beginnt man darüber nachzudenken, was sich in den vergangenen Tagen ereignet hat, wen man getroffen und was man angefasst hat.“

Nach der Rückkehr nach Tschechien sind Petr Macek und Pavlína Kozelková dann gründlich auf eine mögliche Ansteckung untersucht worden. Glücklicherweise mit negativem Ergebnis.