Rubens und Versöhnungsglocken: Mariä Himmelfahrt-Kirche in Valtice

Die Mariä Himmelfahrt-Kirche in Valtice

Die Stadt Valtice ist nicht nur durch die Weinproduktion, sondern auch durch ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten bekannt. Seit 1996 steht das Areal von Lednice / Eisgrub und Valtice / Feldsberg auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Bestandteil des Areals sind neben den einzigartigen Parkanlagen unter anderem auch die örtlichen Schlösser.

Das Stadtzentrum von Valtice hat eine historische Dominante, die in ihrer Monumentalität beeindruckend ist und von der historischen Bedeutung der Stadt zeugt: Die Mariä Himmelfahrt-Kirche auf dem Marktplatz. Diese architektonische Sehenswürdigkeit wurde in den Jahren 1631 bis 1671 erbaut. Durch den imposanten Sakralbau führte mich Fotograf Lubos Velecky, der Mitarbeiter des Museumsvereins in Valtice ist. Was war Mitte des 17. Jahrhunderts der Anlass zum Bau dieser monumentalen Kirche?

Die Mariä Himmelfahrt-Kirche in Valtice  (Foto: Autorin)
"In Valtice gab es früher eine Pfarrkirche, die im Mittelalter erbaut wurde. Sie trug ebenfalls den Namen Mariä Himmelfahrt. Die Kirche stand in der Nähe des Schlosses. Die Liechtensteins sympathisierten im 16. Jahrhundert mit den Protestanten, und der Sakralbau war mit der Zeit so verkommen, dass er abgerissen werden musste. Nachdem Karl von Liechtenstein um die Jahrhundertwende zum Katholizismus konvertierte, entschied er sich eine Kirche bauen zu lassen, die zum Symbol des katholischen Glaubens der Familie Liechtenstein werden sollte. Er selbst erlebte den Bau nicht mehr. Erst sein Sohn Karl Eusebius hat die Pläne des Vaters in die Tat umgesetzt."

Auf der Stirnseite der Kirche kann man bis heute eine große Überschrift lesen, die daran erinnert, dass die Kirche von Fürst Karl Eusebius zu Liechtenstein, Herzog von Troppau, Jägerndorf und Herr von Nikolsburg erbaut wurde. Mit dem Bau wurde unter dem Onkel von Karl Eusebius, Fürst Maximilian, angefangen, der Vormund des minderjährigen Fürsten war. Als Architekt wurde Giovanni Giacomo Tencalla engagiert, der aus Bissone in der Schweiz stammte, sagte Lubos Velecky:

Foto: Autorin
"Tencalla hatte vor, eine Kirche mit einer so genannten Tambour-Kuppel zu bauen, die architektonisch sehr anspruchsvoll war. Während der bewegten Ereignisse des 17. Jahrhunderts mangelte es jedoch an guten Handwerkern, und die Bauarbeiten schritten nur langsam voran. Das Gewölbe ist 1638 aus unbekannten Gründen nach sieben Jahren Bauarbeiten eingestürzt. Tencalla wurde von Fürst Liechtenstein entlassen und ein anderer Baumeister wurde mit dem Bau beauftragt: Andreas Erna aus Brünn. Erna war ein erfahrener Architekt. Er ließ die Mauern festigen und errichtete ein mächtiges Gewölbe in einer Höhe von 36 Metern. Es handelt sich um eines der größten Barockgewölbe dieser Art in Mitteleuropa."

Die Kirche ist 48 Meter lang und 25 Meter breit, also ein richtiger Monumentalbau. Sie erinnert ein wenig an die Kirche Il Gesu in Rom. Tencalla hatte sich in seinen Plänen angeblich von diesem Bau inspirieren. Die Familie Tencalla beteiligte sich Lubos Velecky zufolge letztlich zumindest an der Ausschmückung der Kirche. Giovanni Tencalla, Bruder des unglücklichen Architekten, wurde der Chefstuckateur des Baus.

Foto: Autorin
Die Maria-Himmelfahrt-Kirche ist mit mehreren Plastiken geschmückt. Zu erwähnen ist beispielsweise die Johannes-Nepomuk-Statue von Ignaz Langelacher aus dem Jahr 1740, die gegenüber der Kanzel steht. Auffallend ist ein Bronzekreuz, das der Bildhauer Ignac Weirich aus Nova Paka 1903 schuf. Weirich ist in Tschechien weniger bekannt, da er meist im Ausland gewirkt hat. Lubos Velecky macht zudem auf einige Gemälde aufmerksam:

"Das Hauptaltargemälde mit Mariä Himmelfahrt stammte aus der Werkstatt von Peter Paul Rubens. Da 1756 der Stadt eine Invasion preußischer Truppen drohte, wurde Maler Gaetano Fanti beauftragt, eine Kopie des Gemäldes zu malen. Das Originalgemälde wurde in die Liechtenstein-Galerie nach Wien gebracht. Vom Bild der Heiligen Dreifaltigkeit, das sich über dem Hauptaltarbild befindet, wird auch manchmal behauptet, dass es sich um ein Werk von Rubens handelt. In den Seitenkapellen befinden sich herrliche Gemälde von Giovanni Battista Gidoni. Die Aufmerksamkeit der Besucher zielt meist aber auf die Reliquienschreine, die die Form eines Sargs haben. Diese Reliquienschreine befinden sich in der Pfarrkirche seit Anfang des 18. Jahrhunderts, es handelt sich um Reliquienschreine zweier Märtyrer - des heiligen Antonius und des heiligen Justus. Der zweite Reliquienschrein wurde ursprünglich dem Franziskanerkloster geschenkt, das auf dem Hügel stand, wo sich heutzutage die Winzerschule befindet. Nachdem Josef II. den Orden aufgelöst hatte, wurde der Schrein mit den Heiligengebeinen in der Pfarrkirche platziert. Dieser kleine Umzug wurde mit einer Feier verbunden, und der heilige Justus wurde damals zum Patron von Feldsberg ernannt."

Die Kirche in Valtice hat außerdem eine wertvolle Orgel, die aus der Werkstatt des österreichischen Orgelbauers Johann Hencke stammt. In vielen Orten, die früher zur Habsburger Monarchie gehörten, sind nur die reichlich geschmückten Gehäuse der Hencke-Orgeln erhalten geblieben. Das Gehäuse in der Kirche in Valtice ist zwar nicht so geschmückt, wie es bei anderen Hencke-Orgeln der Fall war. Dafür ist aber das Instrument selbst erhalten geblieben und wurde entsprechend restauriert.

Lubos Velecky  (Foto: Autorin)
Im Rahmen verschiedener Musikfestivals - wie Concentus Moraviae oder während des musikalischen Schlosssommers - werden in der Kirche auch Konzerte veranstaltet, bei denen die historische Orgel erklingt. Wenn man nicht gerade die Orgel hört, lässt sich zumindest das Glockengeläut in Valtice nicht überhören.

"Wir haben sogar eine historische Glocke, die aus der ursprünglichen Pfarrkirche stammt. Sie heißt Marie und wiegt 996 Kilogramm. Die Glocke läutet nur am Sonntagmittag. Weitere Glocken wurden während des Kriegs beschlagnahmt und wurden erst nach der Wende von 1989 durch neue Glocken ersetzt. Diese so genannten ´Versöhnungsglocken´ wurden von den jetzigen sowie den ehemaligen Bewohnern der Stadt finanziert. Eine der Glocken heißt Anna und die andere Vaclav. Diese kleineren Glocken läuten auch an den Wochentagen."

Die heute in hellen Farben leuchtende Kirche sah Lubos Velecky zufolge einst viel bunter aus. Erst 1914 wurde sie in drei hellen Farbtönen ausgemalt - in Weiß, Elfenbein und Hellgelb. Aus der Nähe ist zu sehen, dass das Gotteshaus eine gründliche Renovierung brauchen würde, was auch Herr Velecky bestätigt.

Das Pfarrhaus  (Foto: Autorin)
"Wir warten auf eine günstige Zeit, um mit der Renovierung des Kircheninterieurs anzufangen. Die Instandhaltung der Kirche kostet aber hohe Summen. Für eine perfekte Instandhaltung der Kirche müsste man jährlich 600.000 Kronen (21.000 Euro) investieren. Früher hatte man die Möglichkeit, die Kirchenrenovierung aus dem Erlös von den Stiftungsgrundstücken zu finanzieren. Da diese Grundstücke vom Staat nie zurückgegeben wurden, sind wir heute von der Staatskasse abhängig. Ich muss jedoch zugeben, dass der Staat in den letzten Jahren verhältnismäßig großzügig war. Es gelang uns, die historische Orgel zu retten und ein neues Dach zu bezahlen. Jetzt liegt uns ein weiteres Vorhaben auf dem Herzen. Wir möchten auch das historische Pfarrgebäude renovieren, dessen Fundamente aus dem Mittelalter stammen. Wir wollen, dass die Bewohner von Valtice beziehungsweise die Pfarrgemeinde die Räumlichkeiten für Kulturveranstaltungen und Begegnungen nutzen können. Es sollen dort eine kleine Bibliothek sowie ein Internetcafe untergebracht werden. Den Pfarrgarten wollen wir bei den verschiedenen Folklore- sowie Kirchenfesten nutzen."

Es bleibt nur zu hoffen, dass es Lubos Velecky und weiteren "Patrioten von Valtice" gelingen wird, das historische Pfarrhaus zu retten und zu renovieren. Vielleicht werden wir in einer der Reiseland-Ausgaben mal über ein neues Begegnungszentrum neben der Mariä Himmelfahrt-Kirche berichten können.

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