Die Wundertäterin und eine alte Barbara-Plastik: Dientzenhofer-Kirche in Přeštice feiert 250 Jahre
Die monumentale Barockkirche in der westböhmischen Stadt Přeštice wurde vor genau 250 Jahren von Kilian Ignaz Dientzenhofer errichtet.
Wenn man mit dem Auto aus Klatovy nach Plzeň / Pilsen fährt, ist die Kirche schon aus der Ferne gut zu erkennen. Sie steht auf einem kleinen Hügel fast am Stadtrand von Přeštice. Für eine Stadt mit rund 7000 Einwohnern scheint der Barockbau fast überdimensional zu sein. Der Architekt der Mariä-Himmelfahrts-Kirche war Kilian Ignaz Dientzenhofer. Der Bau sei vor 250 Jahren beendet worden, erzählt Radka Süssová. Sie arbeitet im Haus der Geschichte der Region von Přeštice (Dům historie Přešticka) und führt die Besucher durch die Barockkirche.
„Die Mehrheit der Besucher interessiert sich dafür, warum eine so große Kirche in der Stadt erbaut wurde. Der Grund war das Gemälde, auf dem die Madonna abgebildet ist, die als ,Wundertäterin von Přeštice‘ bezeichnet wurde.“
Zahlreiche Gläubige pilgerten früher in die Stadt, um das Bild zu sehen. Vor der Entstehung der großen Wallfahrtskirche befand sich in Přeštice eine gotische Kirche, die später im Renaissancestil umgebaut wurde. Diese sei nach dem Bau der Dientzenhofer-Kirche jedoch abgerissen worden, merkt Radka Süssová an und erzählt mehr über die Geschichte des Gemäldes, das auch „Schmerzvolle Jungfrau Maria“ genannt wird:
„Als die Frau des damaligen Bürgermeisters, Alžběta Hoffmeisterová, 1686 das Ölgemälde der Pietà malen ließ, besuchten die Bewohner von Přeštice für gewöhnlich noch die kleine gotische Kirche. Auf dem Gemälde ist die Jungfrau Maria zu sehen, die ihren Sohn in den Armen hält und ihn betrauert. Das Bild wurde von dem Maler Matěj Pazourek aus Dobřany angefertigt. Ursprünglich hing das Gemälde im Bürgerhaus Nr. 112 auf dem Marktplatz.“
Später schenkte Alžběta Hoffmeisterová das Gemälde der Kirche. Es ist nicht das einzige besondere Kunstwerk in dem Dientzenhofer-Bau. Süssová macht zudem auf die älteste Plastik der Kirche aufmerksam, die in der St.-Barbara-Kapelle steht:
„Es handelt sich um eine farbige Holzplastik der Heiligen Barbara. Die Kunsthistoriker schätzen, dass sie um das Jahr 1510 entstanden ist. Das Werk wird dem Meister der Madonna von Všeruby zugeschrieben. Die Heilige trägt ein blaues Kleid mit goldenen Ornamenten. Zu ihren Füßen finden sich Figuren von drei Heiden.“
Aus der Zeit, als die Kirche eröffnet wurde, stammen der Expertin zufolge vier geräumige Beichtstühle, auf denen das Wappen des Stifts Kladruby zu erkennen ist.
„Přeštice gehörte damals dem Orden der Benediktiner aus Kladruby. Sie hatten eine Lilie in ihrem Wappen. Die Zahl der Beichtstühle zeugt von dem Betrieb, der hier vor Jahrhunderten herrschte. Das Pflaster drumherum ist aus Sandstein. In der Nähe der Beichtstühle sind ausgetretene Vertiefungen zu erkennen. Die zahlreichen Pilger gingen hier zur Beichte, und dann beteten sie vor der Pietà und wünschten sich etwas von der Wundertäterin von Přeštice.“
Führungen durch die Dientzenhofer-Kirche gibt es an den Wochentagen zweimal täglich um 10 und um 13 Uhr. Sie werden vom Haus der Geschichte der Region von Přeštice organisiert.
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