Rückkehrpolitik: Staat soll bessere Bedingungen für Tschechen im Ausland schaffen

Tomáš Grulich (Foto: Kristýna Maková)

Laut Schätzungen gibt es etwa 150.000 bis 200.000 Tschechen, die nach 1989 wegen des Studiums, der Arbeit oder aus anderen Gründen ins Ausland ausgewandert sind und bis heute dort leben. Die Tschechische Republik kümmert sich laut Experten nicht ausreichend um jene, die in die Heimat zurückkehren wollen, und bietet ihnen zu wenige Informationen. Dies soll sich ändern.

Tomáš Grulich (Foto: Kristýna Maková)
Im tschechischen Senat wurde in der vergangenen Woche eine Experten-Konferenz veranstaltet, es ging um Tschechen, die im Ausland leben. Initiiert wurde sie vom Vorsitzenden der Senatskommission für Auslandstschechen, Tomáš Grulich. Der Staat müsse mit den Menschen, die nach 1989 weggegangen sind, in Kontakt bleiben beziehungsweise bessere Bedingungen für ihre Rückkehr nach Tschechien schaffen, sagt Grulich.

„Wir haben uns bemüht, ihre Interessen und Bedürfnisse zu identifizieren. Wir wollen darauf in der Legislative reagieren.“

Grulich will eine Debatte im Senat anregen. Der Senat solle dann die Regierung beauftragen, sich mit der Problematik der Tschechen im Ausland zu befassen. Ihre Interessen und Bedürfnisse beschreibt er folgendermaßen:

Tschechische Schule in New York (Foto: Milena Štráfeldová)
„Es mag wohl banal klingen, aber sie müssen das Gefühl bekommen, dass sich die Tschechische Republik für sie interessiert und mit ihnen in Kontakt bleiben möchte. Als Beispiel kann ich eine konkrete Sache nennen, die viele Tschechinnen und Tschechen betrifft, die einen Partner im Ausland geheiratet haben. Für sie ist es wichtig, dass ihre Kinder Tschechisch sprechen. Deswegen unterstützen wir die Entstehung von tschechischen Schulen. Dies sind Schulen, die Kinder besuchen, die sonst in eine normale Schule im Ausland gehen. Am Samstag haben sie dann drei bis vier Stunden Unterricht in tschechischer Sprache, tschechischer Geschichte und tschechischer Landeskunde. Zurzeit gibt es weltweit etwa 40 solcher Schulen.“

Jan Schroth (Foto: Archiv IOM)
Für die Auslandstschechen ist eine eigene Abteilung im Außenministerium zuständig. Grulich spricht sich aber für die Errichtung einer ressortübergreifenden Behörde für Auslandstschechen aus. Diese würde nicht nur die Tätigkeit der zuständigen Ministerien koordinieren, sondern sich auch für Alltagssachen wie Personalausweise oder Sozial- und Gesundheitsversicherung kümmern. Auch Jan Schroth von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) unterstützt eine solche Idee. Er beschreibt die Mängel, die die Tschechische Republik im Bereich der Rückwanderung aufweist:

„Es gibt keine zentrale Behörde für Tschechen im Ausland. Es gibt keine Webseite, auf der alle nützlichen Informationen für sie veröffentlicht werden. Eine weitere Möglichkeit, die andere Länder derzeit ausprobieren, sind sogenannte One-Step-Shops - dort lassen sich alle nötigen Informationen darüber bekommen, was man nach einer Rückkehr in die Heimat machen muss.“

Konferenz „Die neue Emigration nach 1989 und die Rückkehrpolitik der Tschechischen Republik“ (Foto: Archiv des Senats des Parlaments der Tschechischen Republik)
„Die neue Emigration nach 1989 und die Rückkehrpolitik der Tschechischen Republik“, so lautete der Name der Konferenz im Senat. Tomáš Grulich stimmt mit dem Titel aber nicht vollständig überein:

„Ich weigere mich von einer Emigration zu sprechen, obwohl wir diesen Begriff im Namen unserer Konferenz genutzt haben. Auch die Konferenz hat gezeigt, dass es sich um eine übliche Migration handelt, wie etwa die Arbeitsmigration im Rahmen der EU oder des Schengen-Raums. Ich möchte an die Lage vor dem Ersten Weltkrieg erinnern, als Tschechen der Arbeit wegen nach Wien auswanderten. Sie gingen nicht ins Ausland, sondern in ein anderes ethnisches Umfeld. Nach der Entstehung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 kehrten sie häufig wieder zurück. Daran möchten wir anknüpfen. Die Tschechoslowakei in der Zwischenkriegszeit hatte eine Behörde, die sowohl für die Auswanderung als auch für die Rückwanderung der Tschechoslowaken zuständig war.“