Sáblíková geht nach „Enttäuschung Rio“ mit viel Schwung in neue Saison

Martina Sáblíková (Foto: ČTK)

Die Temperaturen sinken wieder, und in Lagen über 1000 Meter hat es in Mitteleuropa auch schon die ersten Schneefälle gegeben. Das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Winter naht. Und daher starten im November auch die meisten Wintersportler in ihre neue Saison. Zwei von ihnen, Eisschnellläuferin Martina Sáblíková und Skilangläufer Lukáš Bauer, gehen mit unterschiedlichen Erwartungen und Zielen in die bevorstehende Wettkampfserie.

Martina Sáblíková (Foto: ČTK)
Es war eines der vielbeachteten, aber kaum nachvollziehbaren Geplänkel im Rahmen der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro – die Verhandlung der dreifachen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Martina Sáblíková vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) um ihre Teilnahme am Zeitfahren der Radfahrerinnen. Während mehrere russische Sportlerinnen und Sportler vor dem CAS ihre Olympiateilnahme erfolgreich einklagten, obwohl sie sich in der Vergangenheit mit Hilfe unerlaubter Präparate einen Vorteil erschlichen hatten, hatte Sáblíková Pech. Die als moralisch unbescholten geltende Tschechin musste dem Wettkampf fernbleiben.

Martina Sáblíková (Foto: ČT24)
Im Vorfeld der Spiele hatte der Internationale Radsportverband (UCI) die 29-Jährige nicht in die Startliste des olympischen Zeitfahrens der Frauen eingetragen. Bei der WM in Richmond im September 2015, die als olympische Qualifikation galt, hatte Sáblíková den neunten von zehn zu vergebenden Startplätzen erkämpft und glaubte sich am Ziel ihrer Wünsche. Nach den Regeln der UCI aber ist ein Start beim Zeitfahren an die Qualifikation für das Einzelrennen geknüpft, und die hatte die Tschechin nicht bestritten. Einige tschechische Sportfunktionäre waren aber wohl nicht regelkundig, und dies wurde der Eisschnelllauf-Queen letztlich zum Verhängnis. Denn der Sportgerichtshof akzeptierte die Qualifikationskriterien des internationalen Radsportverbands.

„Für das Radfahren in Rio war ich gut vorbereitet, ich war auch ziemlich gut in Form. Möglicherweise hilft mir die olympische Vorbereitung nun wenigstens im Winter. Wir werden sehen, wie es am Saisonende um mich bestellt ist.“

Für ihre Saisonvorbereitung im Eisschnelllauf trainiert Sáblíková im Frühjahr und Sommer hart, im Rennrad-Sattel überwindet sie dabei wöchentlich hunderte von Kilometern. Dadurch hat sich die Kufenflitzerin auch zu einer international konkurrenzfähigen Rad-Zeitfahrerin gemausert. In Rio konnte sie ihre Klasse aus den genannten Gründen leider nicht demonstrieren. Das war für sie eine große Enttäuschung. Nun aber sagt sie:

„Für das Radfahren in Rio war ich ganz gut vorbereitet, ich war auch ziemlich gut in Form. Möglicherweise hilft mir die olympische Vorbereitung nun wenigstens im Winter. Wir werden sehen, wie es um meine Kondition am Ende der Saison bestellt ist.“

Die anstehende Saison ist eine vorolympische, denn im Februar 2018 werden in Pyeongchang die nächsten Winterspiele ausgetragen. In dieser südkoreanischen Stadt kommt es aber schon in dreieinhalb Monaten zum großen Stelldichein der Weltelite, sozusagen als Generalprobe für die olympischen Wettkämpfe. Sáblíková freut sich auf diese Konfrontation, auch wenn die dortige Eisbahn für sie absolutes Neuland ist:

Martina Sáblíková (Foto: Sander.v.Ginkel, CC BY-SA 4.0)
„Über diese Bahn weiß ich gar nichts. Ich weiß nicht einmal, ob sie schon fertiggestellt ist. Ich denke allerdings schon, denn schließlich wird dort um Mitte Februar nächsten Jahres die Weltmeisterschaft ausgetragen. Bei dieser Gelegenheit werde auch ich testen, wie gut das dortige Eis ist, ob es gute Zeiten zulässt. Ich bin echt gespannt.“

Die Möglichkeit zum Kennenlernen des olympischen Eislaufovals begrüßt selbst eine Top-Läuferin wie Martina Sáblíková, die in der vergangenen Saison alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab. Neben dem Gesamt-Weltcup auf den Langstrecken eroberte sie die Mehrkampf-Titel bei WM und EM sowie die WM-Goldmedaillen über 3000 und 5000 Meter. In Pyeongchang aber geht es ihr diese Saison nicht nur um gute Zeiten:

„Ich kann mich dort bereits super auf die wichtigste Saison des olympischen Zyklus vorbereiten. Zudem wird man sehen, auf welches Klima wir dort treffen. Wird es eher warm oder kalt sein? Sicher, bis zu den Spielen kann sich immer noch einiges ändern. Aber es dürften keine gravierenden Änderungen sein.“

Die neue Weltcup-Saison im Eischnelllauf beginnt für Martina Sáblíková am Wochenende vom 11. bis 13. November im chinesischen Changchun und endet vom 10. bis 12. März im russischen Tscheljabinsk.


Bauer will Dreifachrolle als Aktiver, Trainer und Direktor meistern

Lukáš Bauer (Foto: ČTK)
Er ist mit Abstand der Dienstälteste unter den tschechischen Skilangläufern, der dreifache olympische Medaillengewinner Lukáš Bauer. Mit seinen 39 Jahren ist er noch aktiv, vor Saisonbeginn aber ließ er wissen:

„Ich habe schon mehrfach erwähnt, dass ich meine letzte Weltmeisterschaft bestreiten werde. Diesen Vorsatz habe ich letztlich gebrochen, weil die vergangene Saison aufgrund ernster gesundheitlicher Probleme für mich nicht gut lief. Aber in diesen Winter gehe ich wirklich mit dem Entschluss, dass dies meine letzte Saison als Skilangläufer des tschechischen Nationalteams ist.“

Lukáš Bauer nicht mehr in der Loipe bei internationalen Großereignissen? Dieser Vorstellung können und wollen so manche seiner Konkurrenten noch nicht so recht Glauben schenken. Darum bekräftigte der Oldie vor einem Rundfunkmikrofon noch einmal:

Lukáš Bauer (Foto: Iso76, CC BY-SA 3.0)
„Fast keiner unter den Aktiven nimmt es mir ab, dass ich nach dieser Saison aufhöre. Ich habe aber bereits ganz konkret gesagt, dass ich am 3. März bei der WM in Lahti mein letztes Rennen absolvieren werde. Und damit beende ich die Kapitel Weltcup und Weltmeisterschaft.“

Zur WM in der südfinnischen Stadt will Bauer trotz seines Alters aber nicht als Außenseiter anreisen. Im Gegenteil, dort will er noch einmal zur Hochform auflaufen und in die Phalanx der Weltbesten vorstoßen:

„Ich denke, ein anderes Ziel, als in den Medaillenkampf einzugreifen, kann es für mich nicht geben.“

Für Bauer aber hat das Leben nach dem aktiven Sport bereits angefangen. Seit einiger Zeit ist er Trainer und Direktor in Personalunion des Profiteams Pioneer, das ausnahmslos bei den bedeutenden Langstreckenrennen des Skisports antreten wird. Der Kader wurde vor der Saison etwas umformiert, nachdem mit der schwedischen Top-Läuferin Lina Korsgren und dem Tschechen Petr Novák zwei Stützen weggebrochen sind. Dafür haben mit dem 30-jährigen Russen Ilja Tschernoussow und einigen Nachwuchstalenten neue Hoffnungsträger beim Team Pioneer angeheuert. Lukáš Bauer ist mit dieser Mischung sehr zufrieden:

„Fast keiner unter den Aktiven nimmt es mir ab, dass ich am 3. März bei der WM in Lahti mein letztes Rennen absolvieren werde. Doch damit beende ich die Kapitel Weltcup und Weltmeisterschaft.“

„Das Team ist unterteilt in Wettkämpfer, die für gute Ergebnisse sorgen können, und in Wettkämpfer, die erst noch Erfahrungen sammeln müssen. Es sind allesamt talentierte Langläufer, von daher wollen wir alles dafür tun, um sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen – damit sie und wir als Team bestmögliche Ergebnisse einfahren.“

Für das Team als solches hat Bauer auch ein klares Ziel ausgegeben: Nach dem sechsten Platz der Vorsaison soll es noch einen Schritt nach oben gehen:

„Mein Ziel als Direktor des Teams ist es, dass wir aus dieser Saison zumindest als Fünfter des Gesamtklassements hervorgehen.“

50-Kilometer-Isergebirgslauf (Foto: CzechTourism)
Dazu will sogar Bauer selbst beitragen, indem er neben seinen Verpflichtungen in der Nationalmannschaft auch noch aktiv ins Geschehen der Ski Classics eingreift. So will er unbedingt in der zweiten Februarhälfte beim heimischen 50-Kilometer-Isergebirgslauf starten. Doch wie will er all diesen Aufgaben in seiner Dreifachfunktion gerecht werden?

„Das ist natürlich sehr anstrengend. Besonders in den Zeitabschnitten, in denen ich jede Menge Dinge erledigen muss. Ich kann es mir aber nicht erlauben, dass diese Angelegenheiten mein eigenes Training und damit auch meine möglichen Ergebnisse beeinträchtigen. Der Sport hat Priorität, und all die anderen Dinge mache ich in meiner Freizeit.“

Viel Freizeit wird es allerdings nicht geben, denn neben dem Rennkalender im Weltcup für die nationalen Spitzenläufer haben auch die Ski Classics ein proppenvolles Programm:

„Die Langstreckenläufe der Ski Classics sind gegenüber dem Vorjahr von 10 auf 13 Rennen erweitert worden. Wir beginnen schon viel früher, und zwar am 27. November. Das Saisonende der Tour findet erst am 8. April kommenden Jahres in Finnland statt.“

Interessant ist vielleicht noch diese Konstellation: Wenn Lukáš Bauer gegen Ende Februar beim Isergebirgslauf unweit von Liberec / Reichenberg tatsächlich starten sollte, dann wäre dieses Rennen für ihn die Generalprobe auf die Weltmeisterschaft. Und dann könnten sich seine Fans und Verehrer vielleicht schon ein Bild machen, ob er seine aktive Karriere in Lahti mit einem weiteren Erfolg krönen könnte oder aber nicht.

Autor: Lothar Martin
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