Schloss Kratochvíle zeigt goldene Zeit der Rosenberger

Schloss Kratochvíle (Foto: Barbora Kmentová)

Es ist ein Juwel der Renaissancearchitektur: das Schloss Kratochvíle. Es steht in einer sumpfigen Landschaft zwischen den zahlreichen Seen in der Nähe des südböhmischen Städtchens Netolice. In einer der vergangenen Ausgaben des „Reiseland Tschechiens“ haben wir Sie nach Kratochvíle eingeladen und dabei versprochen, die Führung durch das Schlossareal ein anderes Mal fortzusetzen.

Schloss Kratochvíle (Foto: Barbora Kmentová)
Wir befinden uns im Schloss Kratochvíle, die von Wilhelm von Rosenberg und seinem Bruder Petr Wok von Rosenberg vor allem als Jagd- und Lustschloss genutzt wurde. Wilhelm ließ sich beim Bau des Schlosses von Italien inspirieren. In seiner Jugend besuchte er öfter Italien und bewunderte dort die herrlich geschmückten Paläste. Seitdem wünschte er sich, eine derartige Residenz in Böhmen zu bauen. In den 1580er Jahren lud er den italienischen Baumeister Baldassare Maggi aus Arogno nach Südböhmen ein und beauftragte ihn mit dem Bau eines Sommerschlosses im Renaissancestil.

Foto: Barbora Kmentová
In der ersten Etage des Schlosses befinden sich das Arbeitszimmer und das Wohnzimmer von Peter Wok. Der anliegende große Saal habe als eine Art Vorzimmer gedient, erzählt der Kastellan des Schlosses Vojtěch Troup.

„Wilhelm von Rosenberg (Vilém z Rožmberka) hat ein hohes politisches Amt bekleidet: Er war der Oberste Burggraf von Böhmen. Er war nach dem Kaiser der einflussreichste Mann in Böhmen. Wenn Gäste kamen, wurden sie in dieses Vorzimmer geführt. Hier warteten sie auf die Audienz. Im Inventurverzeichnis von Kratochvíle aus dem Jahr 1601 ist von mehreren Möbelstücken in diesem Saal die Rede. Die Gäste konnten hier während des Wartens beispielsweise einige Gesellschaftsspiele spielen. Aber vor allem konnten sie die herrliche Ausschmückung des Raums bewundern, die überwältigend ist.“

Wilhelm von Rosenberg (Foto: Barbora Kmentová)
Die Stuckverzierungen stammen aus der Renaissancezeit. Sie sind in einem verhältnismäßig guten Zustand erhalten geblieben und wurden bei der Renovierung des Schlosses restauriert. Im nächsten so genannten „Großen oberen Saal“ gibt es jedoch fast keine Stuckverzierungen mehr.

„Dieser geräumige Saal diente immer verschiedenen Gesellschaftstreffen. Das schönste an dem Saal ist der welsche Kamin. Zu sehen sind hier zudem zwei Wappen: Das erste gehört Wilhelm von Rosenberg und das andere seiner vierten Frau Polyxena von Pernstein. Den Saal dominiert das Motto von Wilhelm von Rosenberg: Festina lente – eile mit Weile.“

Auch heutzutage wird der Große obere Saal für Kammerkonzerte und andere Veranstaltungen genutzt.

Jedes der Schlosszimmer hat seine eigene Atmosphäre, sagt der Kastellan und öffnet die Tür eines kleineren Raums, dessen Wände mit bunten Malereien geschmückt sind.

Foto: Barbora Kmentová
„Jeder Zentimeter der Mauer ist bemalt. Es gibt hier verschiedene Sorten von gemalten Tapeten mit Motiven aus der griechischen Mythologie. Maler Georg Widman verzierte das Gewölbe mit einer Darstellung aus dem Alten Testament: es geht um die Geschichte von Samson und Dalila. Das so genannte „goldene Zimmer“ war das Privatzimmer von Wilhelm von Rosenberg.“

Weiter geht es in den prunkvollsten Saal des Schlosses, den so genannten „Goldenen Saal“.

„Es ist klar, warum er goldener Saal genannt wurde. Denn alle Stuckverzierungen sind mit Gold umrahmt. Es macht den Eindruck, als ob sie leuchten. Es war der schönste Repräsentationsraum: Hier fanden alle großen Feste statt, zu denen die wichtigsten Persönlichkeiten der damaligen Gesellschaft eingeladen wurden. Wir haben uns bei der Neugestaltung der Schlossräume bemüht zu zeigen, wie ein solches Festmahl bei den Rosenbergern ausgesehen hat. Auf der Nordseite des Saals sind auf den Wänden kleine Engelfiguren zu erkennen. In dieser Ecke standen in der Renaissance die Musiker, die während des Festmahls musizierten. Wilhelm von Rosenberg gründete in Krumlov / Krumau das Rosenberg-Ensemble. Dieses Ensemble, das von Wilhelm finanziert wurde, musste sich nach festen Regeln richten – so wurde unter anderem festgelegt, wie oft und wie viel die Musiker üben mussten. Diese Rosenberg-Kapelle trat auch in Kratochvíle auf. Es gibt mehrere Kompositionen, die speziell für diese Kapelle geschrieben wurden.“

Schlosspark (Foto: Barbora Kmentová)
Aus den Schlossfenstern bietet sich ein herrlicher Blick auf das ganze Schlossareal mit dem umliegenden Park. Es ist zu sehen, dass das Renaissanceschloss eine Art Oase inmitten der wilden Natur darstellen sollte. Allerdings wird die Natur vom Schlossareal durch eine Mauer getrennt.

„Die Mauer selbst wurde als eine Gartengalerie gestaltet. Sie ist mit Ornamenten verziert. Es gibt da zwei Sorten von Mauernischen, die eine diente als eine Sitzbank, die andere als Fenster, das man aufmachen konnte, um aus dem Garten die umliegende Landschaft zu beobachten. Der Garten erfüllte einige Funktionen: natürlich wurden dort Zierblumen gezüchtet, aber auf der Nordseite wurden auch Gemüse und Kräuter für die Schlossküche angebaut.“

Foto: Barbora Kmentová
Aus dem Goldenen Saal geht es wieder runter ins Erdgeschoss des Schlosses, in die Diensträume:

„Wir stehen hier in jenem Raum, in dem das Essen vorbereitet wurde. Die Küche selbst befand sich im Gebäude vor dem Schloss. Aus der Küche wurde das fertige Essen hierhin gebracht. Es wurde aufgewärmt und auf Tellern serviert, die in die Säle hinaufgetragen wurden. Wir wollten bei der Gestaltung des Raums den Besuchern eine Vorstellung über das Menüangebot in der Renaissancezeit vermitteln. Es wurde hier vor allem Fisch serviert, denn es gibt mehrere Teiche in der Umgebung. Wild war auch sehr beliebt, denn Kratochvíle diente auch als Jagdschloss. Und Obst, Gemüse und verschiedene Kräuter durften auf dem Tisch ebenfalls nicht fehlen.“

Foto: Barbora Kmentová
Die Führung durch das Schloss endet in einem Badezimmer aus der Renaissancezeit

„Hier hat sich der Schlossbesitzer gewaschen und gebadet. Die Badewanne, eigentlich ist es eher ein Holzbottich, war damals mit Leinenstoff ausgelegt. Auf dem Brett über der Wanne wurde das Essen serviert. Es war kurz und gut ein Raum zur Entspannung. Im Badezimmer wurden aber auch medizinische Prozeduren durchgeführt – wie beispielsweise der Aderlass. Zu sehen sind hier auch die Instrumente, die dafür benutzt wurden.“

Schloss Kratochvíle (Foto: Barbora Kmentová)
Schloss Kratochvíle wurde in den letzten Jahren gründlich restauriert. Die Restaurierung wurde während des laufenden Betriebs durchgeführt, das Schloss war nie geschlossen, erzählt der Kastellan:

„Während der Führung durch einige inzwischen in Stand gesetzte Räume hatten die Besucher die Gelegenheit, sich mit der Arbeit der Restauratoren vor Ort vertraut zu machen. Die Restaurierungsarbeiten wurden im Juni letzten Jahres beendet. Seitdem ist Kratochvíle so schön wie heute.“

Schloss Kratochvíle ist bis Ende Oktober am Samstag und Sonntag von 9 bis 16 Uhr geöffnet. An anderen Tagen müssen die Besucher mit der Schlossverwaltung im Voraus einen Termin für die Besichtigung vereinbaren. Vom November bis März ist das Schloss geschlossen. Nur im Dezember werden in Kratochvíle Adventkonzerte stattfinden. Für die Öffentlichkeit wird das Schloss wieder ab April geöffnet sein.

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