Stadt Prag unterstützt genossenschaftliches Bauen

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Die Stadt Prag wird zu günstigen Bedingungen Grundstücke zur Verfügung stellen, auf denen Wohngenossenschaften und Bürgervereine Wohnhäuser errichten können. Die Regeln für diese Form der Unterstützung hat der Magistrat in der Nacht zum Freitag festgelegt.

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Vor allem um Genossenschaftsbauten herrschte in der Vergangenheit Streit in der Koalition. Nun haben sich alle drei Partner auf ein Pilotprojekt geeinigt. Die Stadt wird ausgewählte Grundstücke mit einem sogenannten Baurecht für 99 Jahre anbieten. Diese übernehmen entweder Genossenschaften, die vom Magistrat und einem privaten Partner gegründet wurden, oder besondere Bürgervereine nach dem Vorbild der deutschen Baugruppen. In beiden Fällen kaufen die Subjekte dem Magistrat das jeweilige Grundstück erst ab, nachdem das errichtete Haus abbezahlt ist.

Der Vorteil besteht nach Ansicht der Stadtführung darin, dass die zukünftigen Besitzer des Hauses die Marge einsparen, die ansonsten an eine Development-Firma gezahlt werden müsste. Bis zur Abbezahlung des Hauses sinkt sein Preis außerdem um den Grundstückswert. So kann der Kaufpreis für eine Wohnung um ein Drittel günstiger werden. Die Stadt erhält durch die Bereitstellung des Grundstücks wiederum das Nutzungsrecht für eine Reihe der Wohnungen. Diese will sie für bestimmte Berufsgruppen wie Krankenpfleger, Lehrer, Feuerwehrleute oder Polizisten nutzen.

Hana Marvanová | Foto: Matěj Pálka,  Tschechischer Rundfunk

Der Magistrat wird nun geeignete Grundstücke auswählen, und das in Zusammenarbeit mit der vor kurzem gegründeten Prager Development-Gesellschaft (Pražská developerská společnost). Die Stadtverordnete Hana Marvanová (parteilos) hatte in der Vergangenheit schon darüber informiert, dass ein Interesse an Genossenschaftsbauten in vier Prager Stadtteilen besteht.

Die Hauptstadt hat in den letzten Jahren mit einer Wohnraumkrise zu kämpfen. Die Immobilienpreise sind so hoch, dass sich sogar Menschen aus der Mittelklasse kein Wohneigentum leisten können. Nach Angaben der Beraterfirma Deloitte betrug der Durchschnittspreis für eine neu errichtete Wohnung Ende Oktober 118.200 Kronen (4520 Euro) pro Quadratmeter. Im Jahresvergleich stellt das einen Anstieg von sieben Prozent dar.