Biber schneller als die Behörden: Damm ist fertig, und Tschechien spart Millionen

Biber

Eine Biberfamilie in der Region Brdy ist über Nacht berühmt geworden: In einer Nacht hat sie mehrere Dämme gebaut und damit ein natürliches Feuchtgebiet genau dort geschaffen, wo Naturschützer es seit Jahren geplant hatten.

Brdy | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Das Landschaftsschutzgebiet Brdy (CHKO Brdy) ist ein ehemaliger Militärübungsplatz, der in der Hügellandschaft zwischen Prag und Plzeň / Pilsen liegt. Erst seit 2016 ist es für die Öffentlichkeit zugänglich. Seit sechs Jahren plant die Verwaltung des Landschaftsschutzgebiets eine Renaturierung des Gebiets in der Umgebung der sogenannten Padrť-Teiche am oberen Klabava-Fluss. Dämme sollten gebaut werden, um die Wiesen dort in ein Feuchtgebiet zu verwandeln. Eine Unterstützung in Höhe von 30 Millionen Kronen (1,2 Millionen Euro) für das Projekt wurde bereits gebilligt, und eine Baugenehmigung lag vor. Alles dies ist nun nicht mehr nötig. Denn während die Behörden über die Projekte und die Eigentumsverhältnisse in dem Gebiet verhandelten, kamen die Biber ihnen zuvor: In nur einer Nacht wurden die Nager mit den geplanten Arbeiten fertig.

Von Bibern geschaffene natürliche Dämme in Brdy | Foto: Naturschutzbehörde der Tschechischen Republik

Biber kam wahrscheinlich aus dem Berounka-Tal entlang des Klabava- Flusses in dieses Gebiet. Erste Spuren in der Nähe der Padrť-Teiche wurden in Form von Weidenbissen im Jahr 2020 gefunden. Seitdem haben die wasserliebenden Nagetiere schon mehrere Dämme gebaut. Die dortige Biberfamilie besteht aus einem Elternpaar und den Jungtieren des letzten und vorletzten Jahres. „Es sind etwa sechs bis acht Exemplare. Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl an diesem Ort nicht mehr erhöhen wird, dass der Nachwuchs des vergangenen Jahres die Familie verlassen und sich auf die Suche nach einem eigenen Revier machen wird“, so der Leiter der CHKO-Verwaltung, Bohumil Fišer.

Die Zahl der Biber in Tschechien wird auf 15.000 geschätzt. An manchen Orten tragen sie zum gewünschten Wasserrückhalt in der Landschaft bei, andernorts laufen jedoch ihre Aktivitäten den menschlichen Interessen zuwider. Seit 2013 besteht hierzulande ein Schutzprogramm für den Europäischen Biber, dem zufolge Tschechien in drei Zonen eingeteilt ist. Ein Prozent davon sind Gebiete von europäischer Bedeutung, in denen der Biber unter Schutz steht. In der größten Zone, die 83 Prozent der Fläche des Landes umfasst, wird ein Kompromiss zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Vorkommen von Bibern gesucht. In der letzten Zone ist die Biberjagd zugunsten des Schutzes der südböhmischen Teiche erlaubt.

Foto: Naturschutzbehörde der Tschechischen Republik