Sterbliche Überreste tschechoslowakischer Soldaten sollen von München nach Prag gebracht werden

Ein Hendley Page Halifax-Flugzeug der britischen RAF. Dieser Flugzeugtyp warf im April 1944 tschechoslowakische Fallschirmjäger ab.

Bei den Operationen Iridium und Bronse sollten im März 1943 tschechoslowakische Fallschirmjäger im Protektorat Böhmen und Mähren abgesetzt werden. Die britischen Flugzeuge wurden jedoch von der deutschen Flugabwehr getroffen und stürzten bei München ab. Nun sollen die sterblichen Überreste der Soldaten von Deutschland nach Tschechien überführt werden.

Am 14. März 1943 starteten in Großbritannien drei britische Militärflugzeuge. Ihr Ziel war es, Fallschirmspringer in das Protektorat Böhmen und Mähren zu bringen, die dort den Widerstand gegen die nationalsozialistischen Besatzer unterstützen sollten. Doch aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse konnte das Manöver nicht wie geplant durchgeführt werden und endete tragisch.

Eine der drei Operationen trug den Namen Iridium, und an Bord war unter anderem der Tscheche Vladislav Soukup. Er stammte aus der Nähe von Dobříš. Seine Heimat hatte er 1939 verlassen und sich im Ausland der Exilarmee angeschlossen. Jan Michl ist der Leiter des Stadtmuseums von Dobříš und erläuterte dem Tschechischen Rundfunk:

Vladislav Soukup | Foto: Čs. váleční parašutisté 1941-1945 /  Knihovna AV ČR

„Der britische Navigator war sich nicht sicher, wo sich das Flugzeug befand, er wollte die Fallschirmspringer aber punktgenau absetzen. Man entschied sich deshalb für die Rückkehr nach England. In der Nähe von München wurde die Maschine aber leider von der deutschen Luftabwehr getroffen. Alle Menschen an Bord starben.“

Neben dem Flugzeug der Operation Iridium wurde auch das der Operation Bronse abgeschossen. Vladislav Soukup und seine getöteten Kameraden wurden auf dem Friedhof am Perlacher Forst in München beigesetzt. Dort befindet sich seit 1960 eine Grabanlage für sogenannte „Displaced Persons“, viele von ihnen waren Zwangsarbeiter. Laut einer Inschrift auf dem Mahnmal am Perlacher Forst handelt es sich um die Leichen von 1129 Menschen aus zwölf verschiedenen Ländern. Und dazu gehören eben auch die sterblichen Überreste der sechs tschechoslowakischen Fallschirmjäger.

Laut Jan Michl sollen sie alsbald exhumiert und am 23. August nach Tschechien gebracht werden. Das Verteidigungsministerium in Prag hatte bereits seit Längerem über die Übernahme der Leichname mit der bayerischen Seite verhandelt. Wie Robert Speychal, Referatsleiter für Veteranen und Kriegsgräber, im April der Presseagentur ČTK mitteilte, seien die Verhandlungen „intensiv“ und „nicht leicht“ gewesen. Sie hätten sogar die Intervention des tschechischen Präsidenten erfordert.

Präsident Petr Pavel in Vítkov | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Wir wollen die sterblichen Überreste unserer Helden nun in würdiger Umgebung in Tschechien beisetzen – an Orten, die in ihrem Leben eine Rolle gespielt haben“, sagt Simona Cigánková, die Sprecherin des Verteidigungsministeriums.

Ihre letzte Ruhestätte werden die Soldaten vor allem an ihren einstigen Geburtsorten finden. Zuvor soll die symbolische Rückkehr der Gefallenen im Herbst dieses Jahres mit einem Festakt auf dem Prager Vítkov-Hügel gefeiert werden.

Autor: Ferdinand Hauser | Quelle: Český rozhlas
schlüsselwort:
abspielen

Verbunden