„Technische Straße“: Industrieerbe in Nordmähren und Schlesien

Foto: Martina Schneibergová

Im Mährisch-Schlesischen Kreis gibt es eine ganze Reihe einzigartiger technischer Baudenkmäler. Sie können über die so genannte „Technische Straße“ – „Techno trasa“ erkundet werden. In Prag wird diese Themenstraße gerade in einer Ausstellung präsentiert, sie wurde am Montag in der Filiale von CzechTourism auf dem Prager Altstädter Ring eröffnet.

Richard Žabka
Interesse für die technischen Baudenkmäler zu wecken: Das ist Ziel der so genannten mährisch-schlesischen „Techno trasa“ – auf Deutsch etwa „Technische Straße“. Sie verbindet zwölf technische Sehenswürdigkeiten aus dem ganzen Mährisch-Schlesischen Kreis. Richard Žabka arbeitet in der Agentur für Regionalentwicklung in Ostrava / Ostrau:

„Für die Zusammenstellung der ´Techno trasa´ haben wir uns in Polen inspirieren lassen. Dort wurde ein ähnliches Projekt verwirklicht. Wir wollten das wertvolle Industrieerbe, von dem selbst tschechische Touristen oft nur wenig wissen, den Besuchern unseres Kreises näher bringen. In den einzelnen Regionen haben wir die Verwalter von technischen Sehenswürdigkeiten angesprochen, ob sie mitmachen würden. Es war zunächst einmal notwendig, Infomaterialien für die einzelnen Baudenkmäler herauszugeben und die Reiseführer auszubilden. Wir wissen nun auch, dass neben den zwölf technischen Sehenswürdigkeiten, die derzeit Bestandteil der ´Techno trasa´ sind, auch weitere Institutionen Interesse haben, mitzumachen.“

Im Rahmen der „Technischen Straße“ kann man nicht nur Orte besichtigen, die an den Bergbau in Ostrava / Ostrau erinnern. In der Region finden sich beispielsweise auch historische Sehenswürdigkeiten aus der Landwirtschaft, Verkehrsmuseen sowie eine historische Schmalspurbahn. Das Projekt wird zum Teil aus EU-Töpfen finanziert.

Besonders fleißige Touristen haben die Chance, nach dem Besuch von drei oder mehr Sehenswürdigkeiten spezielle Souvenirs zu erhalten. Auch gelten drei der zwölf technischen Baudenkmäler auf der „Techno trasa“ als ‚Nationale Kulturdenkmäler’. Eines davon ist das Bergwerk Michal in Ostrava. Alexandr Zaspal verwaltet das Areal. Die Besucher locke vor allem die Authentizität und Originalität des Bergwerks, sagt er. Inspiration hat er nicht nur in Tschechien gesucht:

„Ich bin viel durch Deutschland gereist und habe dort ähnliche technische Baudenkmäler- vor allem Schächte und Bergwerke – besucht und dabei einiges gelernt. Bei uns im Bergwerk Michal wird die Authentizität besonders hervorgehoben. Wenn etwas rostet, reparieren wir das nicht, um den Charakter des Bergwerks nicht zu stören. Die Grube wurde 1993 geschlossen, und seitdem bemühen wir uns die Räumlichkeiten in ihrem ursprünglichen Zustand zu erhalten, um die Geschichte des Bergbaus anschaulich zu dokumentieren. Auch die Büroräume sind noch wie vor Jahrzehnten belassen. Im Bergwerk findet man Maschinen, die mehr als ein Jahrhundert lang genutzt wurden. Es gibt dort eine funktionsfähige Dampfmaschine aus dem Jahr 1893, die wir während der Führungen auch in Betrieb zeigen.“

Alexandr Zaspal
Das Bergwerk zieht dank seiner Originaleinrichtung nicht nur Touristen, sondern auch Filmemacher an, so Alexandr Zaspal:

„Die Filmproduktionen müssen die Räumlichkeiten nicht umgestalten, es reicht oft, Gleise für den Kameramann zu installieren. Gedreht werden bei uns Filme aus dem Zweiten Weltkrieg, aber auch aus der Zeit der Ersten Republik. Ende August wird beispielsweise ein koreanisches Team einen Spielfilm drehen über Koreaner, die in Schächten in Deutschland gearbeitet haben. Der Filmproduzent hat sich wegen der Authentizität für Dreharbeiten in unserem Bergwerk entschieden. Nur die tschechischen Inschriften werden wahrscheinlich im Film durch deutsche ersetzt. Die Grube wird im Film natürlich auch nicht Michal heißen.“

Die Ausstellung über die mährisch-schlesiche „Technische Straße“ ist in den Räumen von CzechTourism auf dem Prager Altstädter Ring noch bis zum 26. August zu sehen.

Fotos: Martina Schneibergová