Temelin - Proteste gegen Wiederaufnahme des Probebetriebs

AKW Temelin

Ende dieser Woche soll der Probebetrieb im ersten Reaktor des umstrittenen AKW Temelin wieder aufgenommen werden. Wie nicht anders zu erwarten, löste diese Ankündigung eine neue Welle von Protesten aus den verschiedensten Richtungen aus. Olaf Barth berichtet.

Nicht die Energieproduktion, sondern eine komplexe Untersuchung der gesamten Einrichtung des ersten Reaktorblocks seien das Ziel des erneuten Probebetriebs, gab der dortige Direktor für Technik und Betrieb, Jiri Vagner, bekannt.

Welche Ziele man auch immer bei der Temelin-Betreibergesellschaft CEZ verfolgt, interessiert die tschechischen wie österreichischen Temelingegner allerdings herzlich wenig. Von österreichischer Seite hat man für Freitag bereits neue Grenzblockaden angekündigt. Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer sprach im Zusammenhang mit dem Probebetrieb des Reaktors von einer außerordentlichen Provokation.

Wir fragten den Temelinexperten von Greenpeace, Jan Haverkamp, nach seiner Meinung zu dieser Äußerung und nach der Greenpeaceposition zur Wiederaufnahme des Probebetriebs:

"Also, ich finde das Wort Provokation rund um Temelin sowieso nicht besonders angebracht. Es sind zwei unterschiedliche Denkwelten, die hier aufeinanderprallen. Es ist einfach schade, das man wieder neugestartet hat. Ich habe schon letzte Woche in einem Interview irgendwo gesagt, dass ich davon ausgehe, dass Temelin bis Ende des Jahres stillliegt. Jeder Neustart ist einfach eine Verschwendung von Geld und ein Risiko, dass man nicht braucht.Der Melker Prozess ist noch nicht abgeschlossen, dass wird auch noch ein bisschen dauern, da werden sehr viele Sachen auf den Tisch kommen. Außerdem läuft nun die Privatisierungsgeschichte von CEZ an, da wird auch wieder sehr viel auf den Tisch kommen und die Temelindiskussion ist lange noch nicht zu Ende."

In Wien forderte Greenpeace die potenziellen Käufer für den 64%igen Staatsanteil an CEZ und unter ihnen ganz besonders die deutschen Gesellschaften E.ON und RWE auf, im Falle einer Übernahme der Temelin-Betreibergesellschaft, das umstrittene AKW stillzulegen.

Dazu erklärte Jan Haverkamp:

"Wir rufen alle dazu auf, Temelin so zu sehen, wie es ist, nämlich als ein technisches und wirtschaftliches Problem. Wenn die tschechische Regierung Probleme hat oder Angst hat vor einem Gesichtsverlust, wenn man das Temelinkapitel schließen würde, dann kann das natürlich immer noch aus wirtschaftlichen Gründen durch einen Käufer von CEZ gemacht werden."

Zur von österreichischer Seite als unvollständig kritisierten Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erläuterte Haverkamp, Greenpeace sei gegenüber UVP's immer kritisch eingestellt, da kein AKW der Welt ans Netz gegangen wäre, wenn man eine ernsthafte UVP durchgeführt hätte. Und weiter:

"Es werden deshalb sehr viele Sachen immer ausgeklammert, das ist hier auch wieder passiert. Ich brauche nur daran zu erinnern, dass die Nullvariante sehr schlecht durchgeführt wurde oder dass ein Großteil der nuklearen Brennstoffkette ausgeklammert wurde, d.h. radioaktiver Müll und was damit passieren muss, ist nicht klar gemacht worden usw. Das passiert fast immer bei UVP's. Deshalb sind wir gegenüber UVP- Prozesse rund um AKW's immer sehr skeptisch und unsere Skepsis ist in diesem Fall nur bestätigt worden. Wir sind froh, dass wir uns nicht dieser in meinen Augen kompletten Farce hingegeben haben."

Autor: Olaf Barth
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