Tschechien fehlt das Wasser: Landwirtschaft und Tourismus sind bedroht

Tschechien leidet unter einem Mangel an Regen. Mancherorts, so die Meteorologen, ist in diesem Jahr nur halb so viel Niederschlag gefallen wie im langjährigen Durchschnitt.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, aber auch Tourismus... Wasser ist in Tschechien in allen Regionen und in vielen Bereichen knapp. Nach Ansicht der Landwirte kann sich dies auf die Erträge einiger Kulturen auswirken. Otakar Šašek, der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer im nordböhmischen Litoměřice, bestätigt die Befürchtungen:

Illustrationsfoto: Klára Stejskalová,  Radio Prague International

„Die Trockenheit hat den Mohn sehr beeinträchtigt, der schlecht aufgegangen ist. Auch Soja ist problematisch, weil dafür erst später ausgesät wurde, als der Boden schon trocken war. Und große Probleme gibt es beim Raps.“

In Jindřichův Hradec in Südböhmen funktioniert das Wasserkraftwerk der Stadt derzeit nicht. Ivo Ježek ist Direktor des städtischen Betriebs:

„Das Kraftwerk war im Februar und März in Betrieb, aber nur zu 30 Prozent. Anfang April waren wir gezwungen, die Anlage abzuschalten. Der Betrieb steht seit über einem Monat still, die Durchflussmenge ist in Folge der Dürre im Frühjahr gering. Denn im Winter gab es wenig Schnee und im Frühling regnete es nicht.“

Wasserkraftwerk in JIndřichův Hradec | Foto: Stadt Jindřichův Hradec

Nach Angaben von Hydrologen ist die Situation in Ostböhmen und Nordmähren am schlimmsten. Das zeigt sich auch an der Talsperre Těrlicko bei Havířov. Die Betreiber von Sommerattraktionen und Restaurants am Ufer befürchten eine schlechte Saison. Martin Kocur betreibt dort bereits seit 17 Jahren einen Wasserskilift:

„Sie können sehen, wie exponiert die Ufer sind. Der Pegel des Stausees liegt normalerweise 1,80 Meter höher. Wenn er um ein paar Zentimeter fallen würde, müssten wir den Lift schließen.“

Die derzeitige Dürre ist das Ergebnis einer geringen Schneedecke im Winter und eines allgemeinen Niederschlagsmangels seit Anfang des Jahres. Laut dem Bioklimatologen Miroslav Trnka vom Institut zur Erforschung des globalen Wandels an der Tschechischen Akademie der Wissenschaften zeigen Daten auf hydrometeorologischen Karten, dass es weniger Wasser in der Natur gibt:

„Die Durchflussmenge nähert sich mancherorts den Sommerwerten, obwohl erst noch die Mitte des Frühlings bevorsteht. Bezüglich der Wasservorräte im Boden gibt es keine Aussicht auf Verbesserung, die Wettervorhersage für die nächsten zehn Tage verspricht keine große Änderung.“

Miroslav Trnka | Foto: Michaela Doubravová,  Tschechischer Rundfunk

Die Lage entspreche der Vorhersage in den Klima-Modellen, sagt der Experte:

„Die Vegetationsperiode hat früher begonnen. Sie folgte auf den Winter, in dem es wenig Schnee gab, das heißt, die Wasservorräte im Boden wurden schneller ausgeschöpft. Im Moment fehlen in Tschechien in der oberen Ein-Meter-Schicht des Bodens im Durchschnitt mehrere Dutzend Millimeter Wasser.“

Aus der Sicht der Forst- und Landwirtschaft sei die Lage im Moment noch nicht dramatisch, es herrsche die sogenannte grüne Dürre, was heiße, dass die Landschaft noch grün sei, erklärt Trnka:

„Aber der Oberboden ist ausgetrocknet. Das ist im Mai zu früh. Und leider ist der Boden auch in den tieferen Schichten trocken. Trotzdem reicht es noch für die Pflanzen, zumal es in den letzten Wochen relativ kalt war. Die Pflanzen haben nicht so viel Wasser durch unproduktive Verdunstung verloren wie an heißen Tagen. Dies wird sich wohl leider in den nächsten Wochen ändern.“

Illustrationsfoto: Hana Slavická,  Radio Prague International

Das betrifft laut Trnka nicht nur Tschechien, sondern einen Streifen in Europa, der von Großbritannien bis nach Polen reicht. Auch wenn der Niederschlag in den nächsten Tagen zu normalen Werten zurückkehren würde, werde man mit niedrigeren Wasservorräten im Boden als üblich in den Sommer treten, warnt der Klimatologe. Hinsichtlich der Dürre-Bekämpfung hat Tschechien ihm zufolge Erfolge in der Gesetzgebung erreicht, nicht aber in der Umsetzung konkreter Maßnahmen:

„Wir haben eine Verordnung, die den entscheidenden Behörden Leitlinien für das Vorgehen und mehr Kompetenzen als bisher gibt. Allerdings gelingt es nicht, systematisch an der Erhöhung der Wasservorräte zu arbeiten. Neue Infrastruktur wird kaum gebaut, weil es keine politische oder gesellschaftliche Nachfrage danach gibt. Wir müssen eine Debatte über die Problematik führen, denn die Wasservorräte können nicht in einem Jahr und noch nicht einmal in zehn Jahren aufgebaut werden.“

Autor: Markéta Kachlíková | Quelle: Český rozhlas
schlüsselwort:
abspielen