Tschechien - Stammgast der Leipziger Buchmesse

Auf der Leipziger Buchmesse (Foto: CTK)

Nach vier Tagen haben sich am Sonntagabend die Tore der traditionellen Leipziger Buchmesse geschlossen. Die Zahl derjenigen, die diesmal zu dem Frühlingsfest der Bücher pilgerten, hat alle bisherigen Rekorde gebrochen. Unter den insgesamt 1 200 Veranstaltungen mit 1000 Gästen stellten sich in der Reihe "Kleine Sprachen großer Literaturen" neben anderen auch tschechische Autoren vor. Mehr dazu im nun folgenden Telefonbericht aus Leipzig von unserem freien Mitarbeiter Christoph Amthor:

Auf der Leipziger Buchmesse (Foto: CTK)
Über 100.000 Besucher fanden den Weg in die gläsernen Hallen, das ist ein Zuwachs um rund 16Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Über zweitausend Aussteller waren aus 30 Ländern angereist, um sich dem deutschen Publikum zu präsentieren. Zu ihnen zählte als Stammgast auch die Tschechische Republik, die ebenfalls zu dem hochkarätigen Begleitprogramm beigetragen hat.

Die Leipziger Bücherschau kann sich in Dimension und Bedeutung nicht mit der in Frankfurt messen, dort schließlich werden die großen Verträge geschlossen. Doch hat sich die kleinere deutsche Variante nicht nur als sympathische Messe für den Leser etabliert. Denn Leipzig beweist einmal mehr seinen Blick für das Ganze, indem es gerade die kleinen Länder in die Mitte lädt und ihnen eine Schlüsselrolle in einem Europa der Vielfalt zuerkennt. So etwa in einer Serie von Autorenlesungen, die unter dem Motto "Kleine Sprachen, große Literaturen" stattfanden. Die alte Trennung in Ost und West, EU und Nicht-EU wurde ihrer Sinnlosigkeit überführt. Wo sonst finden sich Autoren aus so verschiedenen Ländern wie Tschechien und Island vereint in einer Lesung!

Neben Autoren, die in Deutschland noch wenig bekannt sind, wie etwa Hana Androniková oder Bohuslav Van"k-Úvalský, durften natürlich auch die tschechischen Publikumsmagnete nicht fehlen. Hatte noch letztes Jahr Miloš Urban über seine Hoffnungen und Erwartungen im sich wandelnden Europa referiert, so fand sich diesmal an selber Stelle der Prager Schriftsteller Jáchym Topol ein. In seinem Essay charakterisierte er sich in gewohnt ironischer Distanz als Botschafter der unbekannten Mitte Europas: Ein Osteuropäer im Westen und ein Westeuropäer im Osten.

Topol warnt davor, Europa als eine greifbare Utopie anzusehen, mit deren Erreichen alle Probleme gelöst seien. Diese Annahme hält er sogar für ähnlich gefährlich wie die Versprechungen totalitärer Ideologien. Dabei stand diese Vortragsreihe eigentlich unter dem Titel "Vom alten und vom neuen Europa" - ein Hinweis auf den schwierigen Prozess der Positionsbestimmung europäischer Staaten mit sehnsüchtigem Blick nach dem amerikanischen Kontinent. Was die Literatur zu einem Integrationsprozess jenseits ökonomischer und politischer Giganten zu leisten vermag, wurde jedenfalls einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.