Tschechien stellt Lebensmittelsünder an den Pranger – und will sie stärker bestrafen

Foto: Potravinynapranyri

Immer wieder hat die tschechische Presse in den letzten Wochen und Monaten berichtet, dass Lebensmittel vom tschechischen Markt genommen wurden. Bei Kontrollen waren dann zuvor fehlerhafte Produktinformationen oder sogar gesundheitsgefährdende Mängel entdeckt worden. Tatsächlich sind die Kontrollen hierzulande intensiviert worden. Landwirtschaftsminister Bendl will nun aber auch die Strafen für Lebensmittelbetrug erhöhen. Zudem wurde ein Internetportal in Betrieb genommen, auf dem die Sünder an den Pranger gestellt werden.

Foto: Potravinynapranyri
Für die Kontrolle der Produkte ist die staatliche Landwirtschafts- und Lebensmittelinspektion verantwortlich. Ihr aktueller Bericht von vergangener Woche listet fast 60 Mängel auf. Ein Drittel davon sind leichtere Vergehen wie die falsche Angabe der Herkunft bei Obst und Gemüse. Am schlimmsten sei aber, dass Fleischwaren immer wieder über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus angeboten würden, steht dort. In der aktuellen Testreihe hatten beispielsweise in einem Fall Wienerle aus Hühnchenfleisch, deren Mindesthaltbarkeit abgelaufen war, bereits Schimmel angesetzt.

Seit Dienstag werden solche Vergehen auf einem speziellem Internetportal der Lebensmittelinspektion und des Landwirtschaftsministeriums an den Pranger gestellt. Das Portal hat auch eine englische Version. Jakub Šebesta leitet die tschechische Lebensmittelinspektion:

Internetportal der Lebensmittelinspektion und des Landwirtschaftsministeriums
„Jeder Verbraucher kann sich auf dem Portal informieren, wer die Lebensmittel hergestellt hat und wo die Probe entnommen wurde; das heißt: in welchem Geschäft.“

Die Verbraucher können sich über eine Suchmaske punktuell informieren. Dort lassen sich unter anderem Angaben zu Lebensmittelchargen suchen, zu konkreten Produkten, zu den Verkaufsstellen oder zu den Herstellern. Bisher stammen die Treffer noch ausschließlich aus den Ergebnissen von Kontrollen durch die tschechische Landwirtschafts- und Lebensmittelinspektion. In Zukunft wollen die Betreiber aber weitere inländische Kontrollinstitutionen berechtigen, ihre Ergebnisse einzuspeisen. Aber nicht nur das, wie Šebesta in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erläuterte:

Petr Bendl und Jakub Šebesta (Foto: ČTK)
„Wir wollen jede Kontrollbehörde für Lebensmittel in den 27 EU-Staaten berechtigen, wenn sie Interesse hat.“

Hintergrund ist auch der aktuelle Skandal um Industriesalz in polnischen Lebensmitteln. Noch immer ist nicht klar, welche nach Tschechien exportierten polnischen Lebensmittel mit dem Salz verunreinigt sind. Der tschechische Landwirtschaftsminister Petr Bendl hatte sich deswegen sogar in Brüssel über die Informationspolitik der polnischen Behörden beschwert.

Schimmel (Foto: Gokhan Okur, Stock.xchng)
Zugleich will Bendl nun in Tschechien die Strafen für Verstöße gegen die Lebensmittelsicherheit erhöhen. So sollen ab Ende des Jahres bis zu 400.000 Euro je Fall verhängt werden können. Der Grund läge auf der Hand, sagt Bendl:

„Weil sich die Zahl der Verstöße erhöht hat und wir mittlerweile auch Probleme mit dem Import von Lebensmitteln haben, die nicht den Qualitätsanforderungen genügen. Der polnische Fall ist nur die Spitze des Eisbergs.“

Petr Havel (Foto: Naše voda)
Zudem sollen nun nicht mehr nur die Hersteller belangt werden können. Auch die Händler würden bestraft, falls sie sich mehrfach dieselben Verstöße zu Schulden kommen lassen, sagt Bendl. Der Landwirtschaftsminister möchte dadurch die Qualität der Lebensmittel in Tschechien verbessern. Unabhängige Fachleute stimmen jedoch in der Analyse nicht ganz mit dem Minister überein.

„Die Kontrollorgane konzentrieren sich verstärkt auf risikobehaftete Lebensmittel. Daher ist es logisch, dass sie auch mehr Fehler finden. Das heißt aber nicht, dass die Qualität der Lebensmittel hierzulande allgemein sinkt“, so der anerkannte Agrar-Analytiker Petr Havel.

Dass dies auch wirklich so ist, kann der Verbraucher indes nur hoffen.