Tschechiens neuer Gesundheitsminister Blatný: Ein Mann der Praxis

Jan Blatný (Foto: Archiv des Tschechischen Regierungsamtes der Tschechischen Republik)

Am Donnerstag wurde Jan Blatný (parteilos) zum Gesundheitsminister Tschechiens ernannt. Damit ist diese Funktion in Zeiten der Corona-Pandemie bereits zum zweiten Mal neu besetzt worden. Wer ist Jan Blatný und welche Pläne hat er für seine neue Aufgabe?

Jan Blatný und Miloš Zeman (Foto: Archiv von Jiří Ovčáček)

Nach nur 38 Tagen im Amt wurde Roman Prymula (parteilos) am Donnerstag an der Spitze des tschechischen Gesundheitsministeriums abgelöst. Präsident Miloš Zeman gab dem Nachfolger Jan Blatný diese Worte mit auf den Weg:

„Sie kommen vom Park in den Dschungel. Ich bewundere und schätze Ihren Mut.“

Es ließe sich spekulieren, ob Zeman damit andeuten wollte, dass Politik ein schmutziges Geschäft ist. Immerhin musste Prymula nach einer Affäre seinen Posten räumen, die durch Paparazzi-Fotos der Regenbogenpresse ausgelöst wurde. Dass sich aber Jan Blatný bisher auf einem Spaziergang im Park befunden hätte, ist eher unwahrscheinlich. Vielmehr kommt er aus dem Leitungsteam eines Krankenhauses, das in Corona-Zeiten die Grenzen seiner Kapazitäten erreicht.

Uniklinik in Brno (Foto: Wikimedia Commons, CC0)

Blatný war bis dato nicht nur stellvertretender Direktor der Uniklinik in Brno / Brünn, sondern ist auch ein anerkannter Kinderarzt, spezialisiert auf Blutgerinnungsstörungen. Der 50-Jährige lehrt daneben an der Brünner Masaryk-Universität. Premier Andrej Babiš (Partei Ano) lobte unlängst zudem Blatnýs umfangreiche Auslandserfahrungen.

Die Qualifikation für leitende Funktionen bringt der neue Minister also mit. An die Corona-Expertise seines Vorgängers Prymula reicht er aber nicht heran. Wenig überraschend also, dass Blatný auf seiner ersten Pressekonferenz direkt nach seiner Amtseinführung am Donnerstag noch keinen konkreten Arbeitsplan vorlegte. Immerhin ließ er verlauten, dass er die aktuell bestehenden Hygienevorschriften und Verhaltensregeln nicht zu verschärfen gedenke – wenn sie denn auch alle einhalten.

Vor allem kündigte Blatný aber einen anderen Umgang mit der Krise und eine bessere Kommunikation an:

Gesundheitsministerium (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)

„Lassen Sie uns bitte gemeinsam das Gefühl der Angst in Respekt umwandeln. Angst lähmt und – noch schlimmer – entfernt uns voneinander. Dabei meine ich nicht nur die Angst vor dem Coronavirus. Da ist auch unsere Existenzangst, die Angst vor der Zukunft und um unsere Kinder. All das ist gleich wichtig. Wenn wir die Angst in Respekt umwandeln, kann uns das stärker machen.“

Zudem will der neue Minister seine Arbeit in der Corona-Krise transparent gestalten und sich dabei auf die Grundlage epidemiologischer Erkenntnisse stellen:

„Die weiteren Entscheidungen, die das Ministerium in dieser schwierigen Lage treffen muss, werden auf Daten basieren. Diese werden veröffentlicht, verständlich formuliert und breit diskutiert, nämlich von Experten quer durch das politische Spektrum sowie von entsprechenden Facheinrichtungen.“

Vlastimil Válek (Foto: OISV, Wikimiedia Commons, CC BY-SA 4.0)

In Fachkreisen zwar anerkannt, war Blatný der breiten Öffentlichkeit bisher wenig bekannt. Deswegen kommentierten die Oppositionspolitiker seine Ernennung diplomatisch neutral und äußerten sich vorsichtig optimistisch in ihren Erwartungen. Vertreter aus dem medizinischen Bereich hingegen loben ihn als Menschen, der direkt aus der Praxis kommt und die Bedürfnisse der Krankenhäuser kennt. Trotzdem sei Blatnýs Portfolio beschränkt, bemängelt der Arzt und stellvertretende Parteivorsitzende von Top 09, Vlastimil Válek:

„Er ist ein anständiger Mensch und ist nicht mit der Politik verbunden. Ich kenne ihn schon seit 20 Jahren aus dem Krankenhaus. Ich verstehe aber nicht, warum der Premier nicht jemanden aus dem Gesundheitsausschuss berufen hat. Wir dürfen das Amt nämlich nicht nur auf Corona beschränken. Es muss ein Plan für das kommende Frühjahr vorbereitet werden.“

Andrej Babiš, Jan Blatný und Roman Prymula (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)

Blatnýs Distanz zur Politik wird allgemein als Vorteil bewertet, und er selbst gab an, dass politische Fragen bei seiner Entscheidung zum Amtsantritt keine Rolle spielten. Inzwischen hat das Magazin „Respekt“ allerdings herausgefunden, dass der Arzt 2018 eine Petition der Protestbewegung „Milion chvílek pro demokracii“ (Eine Million Augenblicke für die Demokratie) unterschrieben hat. In dieser wird die Abdankung von Babiš als Premier gefordert. Die diesbezügliche Nachfrage eines Journalisten auf der Pressekonferenz am Donnerstag schien Blatný zu überraschen. Bestätigen wollte er seine Signatur daraufhin nicht. Das Dokument und alle Unterschriften sind aber im Internet öffentlich einsehbar.