Tschechiens Vereinsfußball startet in 22. Saison – Favoriten sind Sparta, Pilsen und Jablonec

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Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien war der tschechische Fußballfan nur Zaungast, da sich das eigene Nationalteam nicht für die Endrunde qualifiziert hatte. Umso mehr ist er jetzt erfreut darüber, dass die fußballlose Zeit für ihn vorbei ist: Bereits in der vergangenen Woche sind die tschechischen Clubs in die internationale Saison gestartet, und am Freitag beginnt auch die höchste Spielklasse des Landes. Diese hat zur 22. Saison einen neuen Hauptsponsor und heißt nun Synot Liga.

Viktoria Pilsen und Sparta standen sich im Supercup gegenüber  (Foto: ČTK)
Für vier Clubs der Synot Liga hat die neue Saison schon vor wenigen Tagen begonnen: Sparta Prag, Slovan Liberec und der FK Mladá Boleslav mussten schon in der zweiten Runde der Qualifikation zur Champions beziehungsweise Europa League einsteigen, zudem standen sich Viktoria Pilsen und Sparta Prag bereits im Supercup gegenüber.

Den zeitigen Beginn in den europäischen Wettbewerben hat sich der tschechische Vereinsfußball selbst zuzuschreiben. In der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts blieb er zu oft hinter den Erwartungen zurück und rutschte so in das tiefe Mittelmaß ab. In den vergangenen zwei Spielzeiten haben sich indes stets zwei Mannschaften bis in die K.o.-Runde der Europa League vorgekämpft, so dass sich der Punktekoeffizient für das Land wieder verbessert hat. Mittlerweile steht Tschechien auf Rang 14, was den Sparta-Spieler Ladislav Krejčí schon wieder träumen lässt:

Ladislav Krejčí  (Foto: Wasek2611,  Wikimedia CC BY-SA 3.0)
„Es wäre gut, wenn der tschechische Meister direkt in die Gruppenphase der Champions League gelangt“, sagte der offensive Mittelfeldspieler unmittelbar vor der Qualifikation zur neuen Saison.

Dazu aber müssen sich die tschechischen Teams mittels des Punktekoeffizienten noch bis auf den 12. Platz verbessern, den derzeit die Türkei einnimmt. Durch die starken Spielzeiten 2012/13 und 2013/14 ist ein Anfang indes gemacht: Schon in der nächsten Saison darf Tschechien mit zwei Vereinen in der Qualifikation zur Champions League starten.

Mit großer Sicherheit aber stünde der tschechische Vereinsfußball schon heute noch besser da, hätte nicht ausgerechnet Sparta Prag im vorigen Jahr in Europa arg gepatzt. In der Qualifikation zur Europa League scheiterten die Hauptstädter schon am ersten Gegner, dem schwedischen Außenseiter BK Häcken. Eine peinliche Schlappe, weiß auch der 22-jährige Krejčí:

Vítězslav Lavička  (Foto: ČTK)
„Natürlich müssen wir daraus unsere Lehren ziehen und dürfen nicht ausscheiden. Das war eine unangenehme Erfahrung, doch ich glaube, wir haben alle daraus gelernt und kommen diesmal weiter.“

Sparta-Trainer Vítězslav Lavička ist sogar überzeugt davon, dass seinen Schützlingen das gleiche Malheur nicht noch einmal widerfährt:

„Ein Jahr ist keine allzu lange Zeit. Das fatale Scheitern gegen Häcken haben wir alle noch in lebendiger Erinnerung. Aber ansonsten sind wir im vergangenen Jahr gut vorangekommen und glauben an den Weg, den wir eingeschlagen haben. Diesmal werden wir es besser machen, denn wir können auf all das aufbauen, was uns in der vergangenen Saison gelungen ist.“

Und Sparta hat es – zumindest gegen den Auftaktgegner Levadia Tallinn – auch richtig gut gemacht. Nach dem 7:0-Kantersieg im Heimspiel vor einer Woche genügte den Pragern am Dienstag in Tallinn ein 1:1-Unentschieden, um die dritte Qualifikationsrunde zur Champions League zu erreichen. Dort ist Malmö FF oder der lettische Meister FK Ventspils der Gegner.

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Samuel Slovák  (Foto: ČTK)
en Pragern in nichts nachstehen will auch der FC Slovan Liberec. Am vergangenen Donnerstag gewannen die Nordböhmen ihr Auftaktspiel in der Qualifikation zur Europa League beim slowakischen Vertreter MKF Košice mit 1:0. Das goldene Tor erzielte Mittelfeldspieler Marek Jarolím per Foulelfmeter. Slovan-Trainer Samuel Slovák zeigte sich danach zufrieden:

„In gewisser Weise war es ein interessantes Spiel mit dem glücklicheren Ende für uns. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, wir haben gekämpft und sehr aufopferungsvoll gespielt. Die Gelegenheit, die sich uns geboten hat, haben wir genutzt.“

FK Mladá Boleslav - Široki Brijeg  (Foto: ČTK)
Ihre gute Ausgangsposition wollen die Jeschkenstädter nun auch nutzen, um am Donnerstag vor eigenem Publikum den Sprung in die dritte Qualifikationsrunde perfekt zu machen. Das wollen ebenso die Spieler des FK Mladá Boleslav, die ihr Hinspiel gegen den bosnischen Verein Široki Brijeg mit 2:1 gewonnen haben. Diesen knappen Vorsprung müssen die Mittelböhmen allerdings am Donnerstag auswärts verteidigen.


Pavel Horváth  (Foto: Archiv FC Viktoria Pilsen)
Zwischen den Spielen in den europäischen Wettbewerben wurde in Tschechien indes schon der erste Pokal der neuen Saison vergeben – der sogenannte Supercup. Er wird hierzulande seit fünf Jahren stets vor Saisonbeginn durch eine Begegnung des Meisters mit dem Pokalsieger der jeweils vorherigen Saison ausgetragen. Beide Titel trägt indes ein und dieselbe Mannschaft: der AC Sparta Prag. Deshalb wurde der FC Viktoria Pilsen – in beiden Konkurrenzen jeweils Zweiter – zu Spartas Supercup-Gegner bestimmt. Für Pavel Horváth, den Kapitän der Pilsener, jedoch völlig unverständlich:

„Ich verstehe nicht, warum wir dieses Spiel bestreiten müssen, wenn wir den Pokal zuvor nicht gewonnen haben. Aber vielleicht muss ja die Tradition des Supercups gewahrt werden, einen anderen Grund wüsste ich nicht.“

Lukáš Vácha  (Foto: Archiv Sparta Prag)
Doch nicht nur der schönen Tradition wegen, sondern auch als Ausdruck der wiedergewonnenen Stärke im eigenen Land wollte Sparta den Pilsenern selbst diesen Pokal streitig machen. Das ist den Pragern mit einem überzeugenden 3:0-Sieg gelungen, worüber sich auch Mittelfeldspieler Lukáš Vácha freute:

„Wir sind natürlich froh, auch den Supercup gewonnen zu haben. Das ist der dritte Pokal in kurzer Folge, also haben wir jetzt das Triple geholt, und das zudem völlig verdient.“

Spieler, Trainer und Fans von Sparta Prag kommen also in den letzten Wochen gar nicht mehr aus den Feiern raus. Dennoch ist ihr Blick bereits nach vorn gerichtet auf die neuen Aufgaben, und etwas Bodenhaftung kommt da gerade recht. So sieht es jedenfalls Spartas Rechtsverteidiger Pavel Kadeřábek:

„Wir werden jetzt gewiss nicht denken, dass wir schon ganz woanders stehen als Pilsen.“

Team aus Jablonec nad Nisou  (Foto: ČTK)
Und Trainer Vítězslav Lavička ist ebenso bemüht, die Qualitäten des vermeintlich wieder größten Rivalen im Titelkampf herauszustreichen:

„Pilsen hat eine sehr gute Mannschaft. Ich bin überzeugt, dass die Westböhmen auch in der neuen Saison ganz oben mitspielen werden. Wir haben gesunden Respekt vor ihnen.“

Den müssen die Prager aber zumindest ebenso vor dem Team aus Jablonec nad Nisou / Gablonz haben, das sich von allen Clubs am besten verstärkt hat. Dafür hat Vereinspräsident Miroslav Pelta auch tief in die Tasche gegriffen, um mit Tomáš Hübschman aus Donezk und Tomáš Jun aus Wien einen aktuellen und einen ehemaligen Nationalspieler in die Synot Liga zurückzuholen. Und der 31-jährige Jun ist schließlich davon überzeugt, dass sich der FK Jablonec mit diesem Kader nicht nur irgendwo im Mittelfeld der Tabelle ansiedeln werde. Andere Vereine, die sich in der letzten Saison noch vor den Neißestädtern in der Tabelle platzierten, haben dagegen etwas bescheidenere Ziele. Dazu gehört der FC Vysočina Jihlava, der 2013/14 Achter wurde. Trainer Petr Rada:

Petr Rada  (Foto: ČTK)
„Ich will, dass wir weiter ehrliche Arbeit abliefern und unsere Einstellung beibehalten, spielerisch wie kämpferisch alles zu geben. Wir müssen die Zuschauer für uns gewinnen und ihnen zeigen, dass wir nicht auf 0:0 spielen.“

Wieder völlig andere Probleme hat Dukla Prag, denn die Hauptstädter haben den wohl größten Aderlass an guten Spielern zu verkraften. Deshalb hat es für Trainer Luboš Kozel zunächst oberste Priorität, wieder einen schlagkräftigen Kader zusammenzubringen:

„Wir bemühen uns, das Team so zusammenzustellen, dass wir darin einige ältere Spieler haben, von deren Charakter wir überzeugt sind. Wir brauchen sie als Leader, selbst wenn sie auch mal eine kleine Formkrise haben sollten. Dazu holen wir junge, hungrige Spieler, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Von ihnen erhoffen wir uns, dass sie große Motivation haben und die Mannschaft so auch weiter voranbringen.“

Luboš Kozel  (Foto: ČTK)
Luboš Kozel glaubt, einen solchen Kader inzwischen beieinander zu haben. Am ehrgeizigen Ziel des Vorsaison-Siebten, wieder um die internationalen Plätze mitzuspielen, macht er jedenfalls keine Abstriche. Da auch andere Mannschaften nicht minder ehrgeizig sind, darf man getrost auf eine interessante und spannende Saison in der Synot Liga hoffen. Dazu wollen letztlich auch die beiden Aufsteiger, die Teams aus České Budějovice / Budweis und Hradec Králové / Königgrätz, ihr Scherflein beitragen.

Autor: Lothar Martin
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