Tschechische Soldaten helfen Litauen bei Sicherung der EU-Außengrenze

Tschechische Armee-Einheit in Litauen

Am Dienstag hat der tschechische Außenminister Jakub Kulhánek den EU-Mitgliedsstaat Litauen besucht. Nach seinen Treffen mit Spitzenpolitikern des Landes im Baltikum versicherte er, dass Tschechien den Litauern helfe, die Notlage an ihrer Grenze zu Belarus zu meistern. Dazu unterzeichnete er ein Memorandum über die finanzielle Unterstützung der Grenzsicherung vor illegalen Migranten. Zudem besuchte Kulhánek eine tschechische Armee-Einheit, die im litauischen Rukle stationiert ist.

Jakub Kulhánek | Foto: Michaela Danelová,  Tschechischer Rundfunk

Vor seinem Besuch wurde Kulhánek noch einmal deutlich. Zur Lage an der östlichen EU-Außengrenze sagte er:

„Die Situation an der litauisch-weißrussischen Grenze beunruhigt uns wirklich. Die Migration als Form internationaler Druckausübung ist absolut inakzeptabel.“

Die in Rukle stationierten tschechischen Soldaten sind allerdings nicht nach Litauen gekommen, um die dortige Grenze gegen illegale Migranten zu sichern. Sie sind vielmehr Teil der Mission des Nordatlantischen Bündnisses zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit des Ostflügels der Nato. Befehlshaber des tschechischen Truppenverbandes ist Roman Dvořák. Der Major präzisiert den Einsatzbefehl:

Roman Dvořák | Foto:  eFP BG Litva

„Wir sind hier, um die östliche Grenze der EU und so auch eines Nato-Verbündeten zu schützen. Im Falle eines Angriffs auf unseren Bündnispartner, die Republik Litauen, müssen wir eingreifen. Wir unterstützen diese Aufgabe auch mit unserer Technik, einem Fliegerabwehr-Raketen-System (FLA-Raketen). Es dient zum Abschuss von tieffliegenden Zielen. Das ist unsere Hauptausrüstung.“

Oberbefehlshaber der kompletten Nato-Einheit ist der deutsche Oberstleutnant Hagen Ruppelt. In einem Gespräch für die Inlandsendungen des Tschechischen Rundfunks sagte er, dass die in Litauen stationierten Truppen bei Manövern den Einsatz von kombinierten Waffensystemen trainieren. Dabei sei seine Kampfeinheit ein integrierter Bestandteil der litauischen Infanterie-Brigade „Iron Wolf“. Und er sei sehr zufrieden mit dem tschechischen Truppenverband, der eine Boden-Luftverteidigungseinheit zur Verfügung stellt, die den Luftschutz für eigene Bodenoperationen bietet.

Foto:  eFP BG Litva

Während der Rundfunkreportage äußerte sich einer der tschechischen Soldaten lobend über den deutschen Oberbefehl:

„Der deutsche Kommandostab hat uns insgesamt gute Bedingungen geschaffen. Wir sind provisorisch in einem Container-System untergebracht, das die fehlenden Gebäude ersetzt. Was ich aber besonders hervorheben muss, ist die ausgezeichnete Verpflegung für uns Soldaten. Ein ständiger Bestandteil davon sind Büfetts.“

Auch für eine bunte Freizeitgestaltung wurde gesorgt. Dazu gehören weitreichende Sportanlagen, ein Billardtisch sowie der Verleih von Film- und Videomaterial. All diese Aktivitäten aber können die Soldaten erst nach Ablauf ihres Tagesdienstes, also nach 18 Uhr wahrnehmen. Major Roman Dvořák stellt jedoch klar, dass seine Soldaten nicht zum Zwecke der Freizeitgestaltung nach Rukle gekommen seien. Vielmehr gelte es, einen militärischen Auftrag zu erfüllen:

Tschechische Soldaten in Litauen | Foto: Martin Dorazín,  Tschechischer Rundfunk

„Natürlich stehen die Übungen zur Gewährleistung unserer Gefechtsbereitschaft an erster Stelle. Sollte es hier aber zu einer Verschlechterung der Sicherheitslage kommen, dann sind wir bereit, unsere Mitkämpfer vor jedweder Gefahr aus der Luft zu schützen.“

Autor: Lothar Martin
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