Vertrag unterzeichnet: Tschechien kauft 44 Leopard-Panzer aus Deutschland

Tschechien kauft 44 Leopard-Panzer aus deutscher Produktion. Ein entsprechender Vertrag wurde am Donnerstag in Prag unterzeichnet.

Im Verteidigungsministerium in Prag wurde am Donnerstag der Kauf mehrerer Dutzend Panzer vom Typ Leopard 2A8 dingfest gemacht. Vertreter der Rüstungsfirma KNDS und des Ministeriums unterzeichneten einen Vertrag über die Anschaffung von 44 Kampf- und Führungspanzern aus deutscher Produktion für die tschechische Armee – mit der Option auf weitere 14 Panzer. Zudem wurde ein Auftrag über die sogenannte „Bohemisierung“ abgeschlossen, also die Anpassung der Fahrzeuge an die Bedürfnisse der tschechischen Armee – etwa was den Tarnanstrich und die Kommunikationssysteme anbelangt.

Foto: Jan Schejbal,  Tschechisches Verteidigungsministerium

Verteidigungsministerin Jana Černochová (Wahlbündnis Spolu) begründete die Neuanschaffung bei der Vertragsunterzeichnung unter anderem damit, dass die Armee derzeit vor allem alte Gerätschaften nutze, die noch aus den Zeiten des Warschauer Paktes stammten:

„Diese Technik gibt unseren Soldaten kein Gefühl von Sicherheit“, so die Ressortchefin.

Der Kauf erfolgt über einen von Deutschland organisierten Rahmenvertrag. Dabei hat die Bundesrepublik eine Großbestellung für die Panzer aufgegeben, an der sich neben Tschechien auch Litauen und die Niederlande beteiligen. Laut Verteidigungsministerin Černochová konnte dadurch ein niedrigerer Stückpreis erzielt werden.

Foto: Jan Schejbal,  Tschechisches Verteidigungsministerium

Die Kosten für die Kampfpanzer liegen laut dem Ministerium nun bei insgesamt 32,76 Milliarden Kronen (1,3 Milliarden Euro) inklusive Steuern. Die „Bohemisierung“ schlägt mit 1,49 Milliarden Kronen (61 Millionen Euro) zu Buche. Zudem halte man eine Inflations- und Kursreserve von fünf Milliarden Kronen (205 Millionen Euro) zurück. Černochová betonte:

„Wir kaufen diese Panzer zu einem Preis, für den sie auch die anderen Kunden erhalten – und zu diesen gehört auch die deutsche Armee.“

Černochovás Amtsvorgänger Lubomír Metnar zweifelt die Finanzierung jedoch an. Der Politiker der Oppositionspartei Ano sagte am Donnerstag dem öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen:

„Die Summe ist nicht durch den Staatshaushalt gedeckt. Wie wissen nicht, wie das finanziert werden soll. Und es gibt auch eine ganze Reihe technischer Probleme, etwa was die Transportabilität angeht. Ich halte den Kauf für einen falschen Schritt und denke, die Regierung hätte den Vertrag nicht unterschreiben sollen, solange diese Probleme bestehen.“

Foto: Jan Schejbal,  Tschechisches Verteidigungsministerium

Černochová hingegen verweist auch darauf, dass tschechische Unternehmen am Bau der Panzer beteiligt werden sollen:

„Wir haben einen Vertrag über die Beteiligung der tschechischen Industrie geschlossen, was für uns unfassbar wichtig ist. Das ist nicht nur für den Rüstungssektor relevant, sondern für die gesamte tschechische Volkswirtschaft.“

Das am Donnerstag unterzeichnete Schriftstück sieht die Beteiligung von mindestens elf tschechischen Unternehmen vor. Sie sollen nicht nur Bauteile für jene Panzer liefern, die dann nach Tschechien gehen, sondern auch für Leoparden mit anderen Abnehmern.

Dass man die Panzer aus Deutschland kaufen will, hatte die Regierung in Prag bereits letztes Jahr bekanntgemacht. Damals hieß es, man wolle bis zu 77 Leoparden in sechs Modifizierungen anschaffen. Wie das Verteidigungsministerium nun am Donnerstag mitteilte, gelte dieser Plan immer noch. Demnach wolle man bis zu 19 weitere Panzer erstehen, die als Berge-, Brückenlege-, Pionier- und Ausbildungspanzer konfiguriert sind. Insgesamt will man so künftig über mindestens 61 Leopard 2A8 verfügen.

Die Lieferung der am Donnerstag bestellten Militärfahrzeuge soll zwischen 2028 und 2031 erfolgen. Es handelt sich aktuell um die drittgrößte Anschaffung für die tschechische Armee. So hatte die Regierung bereits vor zwei Jahren auch den Kauf von 24 US-amerikanischen F-35 Kampfflugzeugen für 150 Milliarden Kronen (6,2 Milliarden Euro) genehmigt. Zudem will man 246 schwedische Schützenpanzer vom Typ CV 90 für rund 60 Milliarden Kronen (2,5 Milliarden Euro) anschaffen. Im Dezember vergangenen Jahres wurde außerdem mit Rheinmetall ein Vertrag über den Kauf von 14 generalüberholten Panzern vom älteren Typ Leopard 2A4 unterzeichnet.

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