Vier Jahre Krieg in der Ukraine: Geflüchtete in Tschechien verspüren immer noch Unsicherheit

Mit dem heutigen Dienstag dauert der Krieg in der Ukraine genau vier Jahre. Seit die vollumfängliche Invasion der russischen Truppen am 24. Februar 2022 begann, haben Millionen von Menschen das Land verlassen. Rund 500.000 fanden Schutz in Tschechien – manche vorübergehend, viele dauerhaft.

Anastasiia Sihnaievska lebt seit Frühjahr 2022 in Tschechien. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks beschrieb sie am Dienstag, mit welchen Gefühlen sie an diesem Morgen aufgewacht sei:

Anastasia Sihnaievska | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

„Meine ersten Gedanken heute waren: Wieder der 24. Februar, wieder die gleichen Bedingungen! Jedes Jahr erinnern wir uns daran, was genau wir an diesem Tag 2022 gemacht haben und welche Unsicherheit herrschte. Und diese Unsicherheit nimmt immer weiter zu. Denn das Problem ist nicht allein der anhaltende Krieg und die zerstörten Leben in der Ukraine. Vielmehr hat die russische Aggression eine zerstörende Wirkung in der ganzen Welt.“

Seit vier Jahren wird in der Ukraine gekämpft. Um einen Frieden wird seit Monaten verhandelt, ohne dass derzeit auch nur ein Waffenstillstand möglich zu sein scheint. Sowohl die Menschen in der Ukraine als auch die Kriegsflüchtlinge von dort überall in Europa würden in ständiger Sorge leben, berichtet an diesem Jahrestag auch Olha Seredova. Sie ist 2022 mit ihren beiden Töchtern aus Kiew nach Tschechien gekommen:

„Nach diesen vier Jahren geht es für uns nicht mehr nur um das Auskommen, eine Wohnmöglichkeit oder die alltägliche Absicherung. Das haben wir Gott sei Dank schon alles organisiert. Aber die Menschen sind psychisch erschöpft und müde von der Unsicherheit. Das Schwierigste ist für uns wahrscheinlich die Unmöglichkeit, eine Zukunft zu planen.“

Die Integration der ukrainischen Geflüchteten in Tschechien habe sich in den vergangenen vier Jahren sehr verbessert, konstatiert Seredova. Sie selbst hatte in Kiew einst eine eigene Konditorei und musste sich in Prag ein ganz neues Leben aufbauen. Trotz der veränderten politischen Rhetorik, die sich hierzulande von der Ukraine eher abwendet, verspüre sie in der tschechischen Bevölkerung immer noch eine große Unterstützung, betont Olha Seredova. Und weiter sagt sie:

„Die Frage nach einer Rückkehr in die Heimat ist für viele ukrainische Familien sehr schmerzhaft. Wir leben gerade weder hier so ganz noch dort. Wir existieren zwischen zwei Ländern und damit zwischen Hoffnung und Realität. Keiner von uns hat sich diese Lage ausgesucht. Aber wir bemühen uns, in Würde zu leben und unsere Kinder zu schützen.“

Für ein würdevolles Leben der Geflüchteten in Tschechien, aber künftig auch wieder der Menschen in der Ukraine setzt sich die Hilfsinitiative Hlas Ukrajiny (Stimme der Ukraine) ein, die Anastasiia Sihnaievska mitgegründet hat. Diese wehre sich gegen den zunehmenden Einfluss Russlands in dem angegriffenen Land, liefere aber auch Hilfsgüter und militärisches Material dorthin:

„Ich fahre regelmäßig mit den tschechischen Ehrenamtlichen aus dem Team4Ukraine in verschiedene Orte. Die Ukrainer sind wirklich ausgelaugt. Sie halten aber all dem stand, den Stromausfällen und der täglichen Konfrontation mit dem Tod. Wenn man sich eine Weile dort in einer größeren Stadt aufhält, dann sieht man mit Sicherheit auch ein Begräbnis für einen der ukrainischen Helden. In diesem Moment hält das Leben in der ganzen Stadt inne.“

Die Menschen vor Ort würden sich stark gegenseitig unterstützen und den ausländischen Helfern immer wieder ihre Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, sagt die engagierte Frau. Immer noch hätten die Ukrainer schlicht keine andere Wahl, als sich gegen die Angriffe zu wehren und durchzuhalten, sagt Sihnaievska und beschreibt die Mentalität nach vier Jahren Krieg:

„Wir sehen, dass es in der internationalen politischen Arena durchaus einige Fortschritte gibt. Und wir begrüßen die Bemühungen für einen Friedensabschluss. Das Wichtigste bei all dem ist aber, dass das ukrainische Volk Gerechtigkeit will. Mehr nicht. In diesem Wort liegt eine wirklich große Bedeutung.“

Autor: Daniela Honigmann | Quelle: Český rozhlas
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