Von Smetana bis Dvořák: Hussiten als Thema der tschechischen Klassik

„Wer sind die Gotteskrieger“

Am 6. Juli wird in Tschechien an den böhmischen Kirchenreformator Jan Hus gedacht, der 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Zu diesem Anlass im MusikCzech einige Stücke tschechischer Komponisten, die sich auf Hus und das Hussitentum beziehen. Denn natürlich wurde dieses Thema häufig verarbeitet, und zwar auch von den größten Komponisten des Landes.

„Wer sind die Gotteskrieger“
In den Kompositionen klingt dabei auch gerne der wichtige hussitische Choral Ktož jsú boží bojovníci an. „Wer sind die Gotteskrieger“, wie die deutsche Übersetzung heißt, ist so etwas wie die hussitische Hymne. Diese hat auch Bedřich Smetana in seinem bekanntesten Werk verarbeitet, und zwar in der fünften symphonischen Dichtung aus dem Zyklus Má vlast (Mein Vaterland), Tábor. Die südböhmische Stadt Tábor, nach der diese symphonische Dichtung von Bedřich Smetana benannt ist, wurde 1420 von den Hussiten gegründet und galt als das Zentrum der Hussitenbewegung in den böhmischen Ländern.

In einem hussitischen „tábor“, das ist das tschechische Wort für Lager, spielt zum Teil auch die dritte Oper des Komponisten Karel Richard Šebor: Nevěsta husitská (Die Hussitenbraut) von 1868. Sie hatte ursprünglich ein deutsches Libretto des Dichters Eduard Rüffer.

Antonín Dvořák (Foto: CzechTourism)
Antonín Dvořák hat ebenfalls das Hussitenthema verarbeitet. 1883 schrieb er eine dramatische Ouvertüre zu einer Hussitentrilogie, deren Autor der damalige Leiter des Nationaltheaters in Prag sein sollte. Der Direktor vollendete sein Vorhaben indes nicht, trotzdem erklang das Werk im November 1883 bei der Wiedereröffnung des Theaters nach dem berühmten Brand.

Autor: Till Janzer
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