Vor 150 Jahren: Der letzte Bär im Böhmerwald

Frei lebende Bären in den heimischen Wäldern - so viel Natur ist uns inzwischen fremd geworden. Die Aufregung um Braunbär Bruno, der sich im Sommer ins Bayrische verirrt hatte, hat es gezeigt. Sein Schicksal endete tragisch: vor dem Gewehrlauf eines Jägers - genau wie das des letzten Bären im Böhmerwald. Der wurde vor genau 150 Jahren erlegt.

Das Brüllen eines frei lebenden Bären war auch schon vor zwei Jahrhunderten eine Seltenheit in den böhmischen Wäldern. Die meisten Bären waren in Böhmen bereits im 17. und 18. Jahrhundert erlegt oder von der zunehmenden Holzwirtschaft vertrieben worden. 1856 wurde aber nochmals ein Bär im Böhmerwald gesichtet, in den Besitztümern des Fürsten Schwarzenberg, erinnert Jaromir Blaha von der Umweltschutzorganisation Hnuti Duha:

"Der Fürst hat entschieden, dass er den vermutlich letzten Bären in seinem Revier nicht den Wilderern oder seinem natürlichen Schicksal überlassen will und hat deshalb zu einer großen Jagd geladen. Die Jäger haben den Bären aufgespürt, aber zunächst nur angeschossen. Erst ein paar Tage später, am 14. November, ist er dann in einem Dickicht umzingelt worden."

Nach dreitägiger Jagd in den verschneiten Wäldern und mehreren Fehlschüssen war es schließlich der Forstmeister Johann Jungwirth, der am 14. November 1856, vor nunmehr 150 Jahren, den letzten Bären des Böhmerwaldes erlegt hat.

Ein Gedenkstein, der so genannte Bärenstein, erinnert bis heute an das Geschehen unweit des kleinen Örtchens Zelnava / Salnau am Dreiländereck zu Deutschland und Österreich.

Heute gibt es Bären in Tschechien nur noch in den mährischen Beskiden, wohin die Tiere aus der Slowakei einwandern. Den Tod des letzten böhmischen Bären vor 150 Jahren nutzt die Umweltorganisation "Hnuti Duha" nun, um abermals auf die Notwendigkeit des Schutzes der großen Räuber aufmerksam zu machen. Trotz strenger Naturschutzgesetze seinen die Bestände an Bären und Luchsen inzwischen auch wieder durch illegale Jagd gefährdet, heißt es. Potentielle Wilderer will Hnuti Duha daher mit freiwilligen Wachen abschrecken - damit nicht bald auch in den Beskiden ein Gedenkstein für den letzten Bären errichtet werden muss.

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