Vor 20 Jahren eröffnet: Das internationale Bildungszentrum in Hejnice

Franziskanerkloster in Hejnice (Foto: Jan Polák, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Hejnice / Haindorf ist ein Städtchen im Isergebirge, das über die Jahrhunderte als Wallfahrtsort bekannt geworden ist. Die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung und der wirtschaftliche Niedergang der Region haben auch den einst blühenden Ort stark getroffen. Erst nach der Wende von 1989 gelang es, Hejnice wieder zu beleben. Vor fast genau 20 Jahren wurde im ehemaligen Franziskanerkloster ein Bildungshaus eröffnet, das seitdem von Touristen und Pilgern aus vielen Ländern besucht wurde. Jan Heinzl leitet das Bildungszentrum von Haindorf. Martina Schneibergová hat anlässlich des Jubiläums mit ihm gesprochen.

Jan Heinzl  (Foto: Archiv von Jan Heinzl,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0)

Herr Heinzl, Haindorf feiert in diesen Tagen ein kleines Jubiläum. Denn vor 20 Jahren wurde dort das „Internationale Zentrum der geistlichen Erneuerung“ eröffnet. Das Bildungshaus entstand damals dank der Initiative von Pater Miloš Raban. Warum wurde gerade das Haindorfer Franziskanerkloster als Ort internationaler Begegnungen ausgesucht?

„Ich war schon damals dabei, denn ein paar Tage zuvor war ich an der Pforte als erster Empfangschef angestellt worden. Darum erinnere ich mich genau an die ersten Tage des Zentrums. Das Klostergebäude hatte sich vor der Wende von 1989 immer mehr in eine Ruine verwandelt. Als Pater Raban aus dem Exil zurückkehrte, sah er sich nicht nur die Wallfahrtskirche in Haindorf an, die damals auch heruntergekommen war, sondern auch die Klosterruine. Das brachte ihn auf die Idee, hier am Fuße des Isergebirges das erste katholische Bildungshaus in Tschechien zu eröffnen. In den 1990er Jahren gelang das aber noch nicht, denn die Kosten waren zu hoch. Pater Raban schaffte es dann aber, finanzielle Mittel aus dem Phare-Programm der EU, die unter anderem für die Infrastruktur und die Regionalentwicklung bestimmt waren, für die Restaurierung des Areals zu bekommen. Im Jahr 2000 wurde das Zentrum eröffnet.“

Marienwallfahrtskirche in Hejnice  (Foto: Roman Vodný,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0)

Worin besteht der Schwerpunkt des „Internationalen Zentrums der geistlichen Erneuerung“?

„Wir müssen natürlich beachten, dass wir ein katholisches Bildungshaus sind, das im Klostergebäude neben einer Marienwallfahrtskirche untergebracht ist. Aber wir leben in einem völlig säkularen Umfeld. So ist eine der Hauptaufgaben, eine Beziehung zwischen der kirchlichen Welt und der breiten Öffentlichkeit aufzubauen. Wir bieten Unterkünfte nicht nur für Gruppen an, sondern auch für Einzelpersonen, und die Verpflegung wird den Gästen im Refektorium serviert. Dazu stehen einige Konferenzräume zur Verfügung, das alles in den schönen historischen Klosterräumlichkeiten.“

Foto: Kristýna Maková

Aus welchen Ländern kommen meistens die Touristen, Pilger sowie Konferenzteilnehmer?

„Leider sind es momentan traurige Zeiten wegen der Corona-Pandemie. Bis auf ein paar Monate im Sommer 2020 musste das Zentrum geschlossen bleiben. Aber die 20-jährige Geschichte bietet eine Übersicht darüber, wer alles Haindorf besucht hat. Da ich mich an die ersten Jahre des Bildungshauses gut erinnere, muss ich sagen, dass sich die Zusammensetzung der Gäste im Laufe der Zeit verändert hat. Am Anfang kamen sehr viele Besucher aus den deutschsprachigen Ländern, also aus Deutschland und Österreich. Natürlich kamen auch viele Tschechen nach Haindorf. Allmählich haben aber unsere Nachbarn aus Schlesien Tschechien als Ziel entdeckt, und so besuchten auch viele Polen unser Zentrum. Da bei uns viele internationale Konferenzen stattfinden, hatten wir zudem Gäste aus den USA, Japan, China und anderen Ländern der Welt hier. Wir pflegen des Weiteren wichtige Kontakte nach Rom: In Haindorf wird alle drei Jahre ein mehrwöchiges Programm für Theologiestudenten einer Universität angeboten, an der vor allem künftige Priester für Südamerika studieren.“

Marienwallfahrtskirche in Hejnice  (Foto: SchiDD,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0 PL)

In der jetzigen Corona-Pandemie ist das Zentrum bereits seit mehreren Monate geschlossen. Wie gehen Sie damit um? Von wem werden Sie unterstützt?

„Ich muss zugeben, dass die Pandemie-Lage im Frühjahr für uns ein absoluter Schock war. Wir standen fast vor der Insolvenz. Ich bin unseren Partnern und vielen Fürsprechern in Deutschland sehr dankbar – vor allem in Sachsen und in Bayern, die uns nicht im Stich gelassen haben. Die Solidarität, die uns im Frühjahr und im Sommer vergangenen Jahres in Form von vielen Spenden zum Ausdruck gebracht wurde, war wie ein Wunder. Ich habe das als Zeichen dafür empfunden, dass das Zentrum wichtig ist und dass wir die Krise überleben müssen. Inzwischen ist auch die Förderung vom tschechischen Staat besser geworden. Auch wenn es traurig ist, jeden Tag im leeren Haus zu sitzen, hoffe ich, dass wir es schaffen und wir im Frühjahr wieder öffnen dürfen.“

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Mehr über das internationale Zentrum der geistlichen Erneuerung finden Sie auch auf Deutsch unter https://klasterhejnice.cz/de.