Waldbrand in Böhmischer Schweiz „unter Kontrolle“ – Nationalpark sichtet die Schäden

Am Montagabend kam diese Nachricht aus der Böhmischen Schweiz: Die Feuerwehr hat den dortigen Waldbrand unter Kontrolle gebracht. Nach neun Tagen also gute Neuigkeiten aus dem Krisengebiet. Was das bedeutet das nun konkret?

Foto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

Immer noch sind sie im Einsatz – die gut 1000 Feuerwehrleute in der Böhmischen Schweiz. Aber am Montagabend zeigte ein Foto, das aud Facebook veröffentlicht wurde, die Einsatzkräfte erstmals vorsichtig lächelnd. Denn der Waldbrand, der 1060 Hektar Fläche zerstört hat, ist nun unter Kontrolle. Vladimír Vlček ist der Generaldirektor der tschechischen Feuerwehr. Am Dienstagmorgen erläuterte er in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks, was „unter Kontrolle“ bedeutet:

Vladimír Vlček | Foto: HZS Moravskoslezského kraje

„Wir nennen das die Lokalisierung des Feuers. Das heißt, dass sich der Brand nicht mehr ausbreitet und die Zahl der Einsatzkräfte dazu ausreicht, um ihn zu löschen. Meiner Einschätzung nach könnten wir den Brand im Verlauf einiger Tage ganz löschen. Ich wäre froh, wenn uns das bis Ende dieser Woche gelingt.“

Allerdings ist in den kommenden Tagen wieder trockenes und sehr heißes Sommerwetter angekündigt, mit Temperaturen von bis zu 34 Grad Celsius. Droht da nicht, dass der Waldbrand erneut entfacht wird?

Foto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

„Diese Möglichkeit dürfen wir nicht ausschließen. In Kombination mit starkem Wind könnte es dazu kommen. Aber wir werden alle Maßnahmen ergreifen, damit sich der Brand nicht wieder ausbreitet“, so der oberste tschechische Feuerwehrmann.

Deswegen untersuchen seine Leute das Gebiet weiter mit Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind. Mit diesen lassen sich die versteckten Brandherde unter dem Waldboden ausfindig machen.

Foto: Vojtěch Hájek,  ČTK

Das Feuer ist aber mittlerweile auf 600 Hektar Fläche eingedämmt worden. Am Montag boten daher die tschechischen Feuerwehrleute der deutschen Seite ihre Hilfe an. Im Nationalpark Sächsische Schweiz war der Waldbrand nämlich noch nicht unter Kontrolle.

Auf der tschechischen Seite will die Feuerwehr dem Nationalpark Böhmische Schweiz nun ein Maßnahmenpaket an die Hand geben, das dieser in den kommenden Wochen einhalten muss.

„Die Frage ist, auf welche Weise und in welchem Umfang der Nationalpark wieder für mögliche Besucher geöffnet wird. Damit hängt auch eng zusammen, wann die Bewohner wieder in ihre Orte zurückkönnen“, so Vladimír Vlček.

Foto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

Es handelt sich vor allem um die Menschen aus den Orten Hřensko / Herrnskretschen und Mezná / Stimmersdorf.

Die Leitung des Nationalparks hat aber jetzt erst einmal begonnen, überhaupt die Schäden zu sichten. So konnten die Ranger die Klammen des Flüsschens Kamenice / Kamnitz inspizieren. Diese sind bei den Besuchern besonders beliebt. Tomáš Salov ist Sprecher des Nationalparks Böhmische Schweiz:

Waldbrand in der Böhmischen Schweiz | Foto: Ondřej Hájek,  ČTK

„Wir können noch nicht alle Schäden beziffern. Aber immerhin hat sich bestätigt, dass die dortige Infrastruktur, also die Bootsanlegestellen, die Boote und das Restaurant am oberen Anleger der Edmundsklamm nicht grundlegend vom Feuer beschädigt wurden. Nun wird die Frage sein, was der Brand an den steilen Felsen oberhalb der Klammen angerichtet hat. Das können wir aber erst beurteilen, wenn unsere Geologen auch dort hingelangen können.“

Denn wie Salov weiter erläutert, verhindert gerade der Bewuchs, dass die Sandsteinfelsen bröckeln oder weggeschwemmt werden. Doch die Pflanzen sind teilweise verbrannt, und dies könnte Steinschlaggefahr bedeuten.

Foto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

Ansonsten rechnet die Leitung des Nationalparks damit, dass sich die Natur relativ schnell erholt. Schon jetzt hätten sich nach dem schwachen Regen vom Wochenende erste grüne Gräser gezeigt, sagt der Sprecher. Und man gehe von einer Entwicklung aus, wie sie schon ab 2006 nach einem Waldbrand rund um den Felsen Havraní skála bei Jetřichovice / Dittersbach zu beobachten gewesen sei:

„In den ersten fünf Jahren war noch gut zu erkennen, dass es dort gebrannt hatte. In den nachfolgenden Jahren konnte aber ein Laie nur noch schwer ausmachen, wo der Brand gewesen war.“

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Autor: Till Janzer
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