Weihnachtskrippe im Guinness-Buch der Rekorde!
Christian Rühmkorf war für Radio Prag in Sachen Weihnachten unterwegs und hat die größte mechanische Weihnachtskrippe der Welt gefunden. Sie steht in Jindrichuv Hradec – zu Deutsch Neuhaus – unweit der Grenze zu Österreich.
Tomas Kadlec, Museumsführer in Jindrichuv Hradec und Krippenkenner führt mich hinter die Kulissen, dort, wo das Geheimnis der Bewegung gelüftet wird.
„Hier ist der zentrale elektrische Antrieb, der die gesamte Krippe in Bewegung versetzt. Der Mechanismus besteht aus Federn, Drähten, Zahnrädchen, Riemen und so genannten Endlosbändern, die über kleine Spulen geführt werden. Die Tierfiguren laufen auf Bändern befestigt über die Krippe. Zurück geht es dann kopfüber bis sie wieder richtig herum oben in der Krippe auftauchen. Und so läuft das immer im Kreis.“An dieser Mechanik wurde im vergangenen Jahrhundert so gut wie nichts verändert. Nur der Antrieb wurde, als der elektrische Funke auf die Welt übersprang, von Handbetrieb auf Strom umgestellt.
„Das sieht alles recht primitiv aus, es ist aber absolut zweckmäßig konstruiert mit diesen gebogenen Drähten hier. Tomas Kryza hat einfach alles benutzt, was er zu Hause so gefunden hat: ungehobelte Bretter, kleine Rädchen und Spulen. Nur einige der Stoffriemen und Lederbänder mussten mit der Zeit ausgewechselt werden.“Aus 60 Jahren Arbeit entstanden im Laufe eines Lebens 60 Quadratmeter bebauter Fläche. Die Welt im Format einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Die Krippe hat Kryza aus dem gebaut, was gerade zur Hand war, erzählt Tomas Kadlec.
„Die ganze Landschaft, die Felsen, das ist alles aus Packpapier hergestellt und dann mit Staub aus Bleierz überzogen. Bei der Erzgrube sind sogar die Adern im Gestein nachgebildet. Die Tier- und Menschenfiguren sind aus Holz, Blech, Papier, Glas, Biskuit, Zelluloid und Stroh. Manche aus einem besonderen Gemisch aus Mehl, Sägespänen, Gips und Leim. Und das alles ist mit Kleisterfarben bemalt.“Tomas Kryza wurde 80 Jahre alt. Er verstarb 1918, als nach dem Ersten Weltkrieg die Tschechoslowakische Republik gegründet wurde.
„Er hat fast sein ganzes Leben an der Krippe gearbeitet. Angefangen hat er als junger Mann von 20 Jahren. Und alles, was wir hier sehen, hat er im Alltag nebenher bewältigt. Die Besucher hier sind sich oft nicht bewusst, dass Kryza eigentlich ganz normal seiner Arbeit nachging. Er hat als Strumpfmachermeister seine Familie ernährt. Die Krippe war also nur ein riesiges Hobby, mit dem er aber unablässig beschäftigt war.“Mit seinen geschickten Händen und seiner unablässigen Geschäftigkeit hat Tomas Kryza etwas erschaffen, vor dem der Betrachter heute mit Kinderaugen still verharrt. Und ohne dass er es hätte ahnen können, ist Meister Kryza im Jahre 2007, fast 170 Jahre nach seiner Geburt, immer noch der Schöpfer der größten mechanischen Weihnachtskrippe der Welt. Zu sehen ist sie das ganze Jahr über im Museum von Kryzas Heimatstadt Jindrichuv Hradec.
Fotos: Martina Stejskalová







