Wer sind die Gotteskämpfer

Quienes son guerreros de Dios
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Auch in unserem vorerst letzten Teil zu den Hits der klassischen tschechischen Musik gehen wir weit zurück in die Geschichte. Haben die Hussiten am 14. August 1431 bei Domažlice / Taus die viel zahlreicheren Kreuzritter durch ihren Gesang besiegt? Moderne Wissenschaftler sind sich in diesem Punkt nicht mehr so sicher. Aber für František Palacký, Alois Jirásek und andere tschechische Historiker und Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert war die Sache sonnenklar. Ihr Argument ist versteckt in einem ganz bestimmten Choral.

„Wer sind die Gotteskämpfer“
Schlacht bei Domažlice

„Wer sind die Gotteskämpfer“ – diese Kampfhymne hat einen mitreißenden Rhythmus. Sie ist nicht ganz aus einem Guss. Der Rhythmus besteht aus einer Serie stärkerer und schwächerer Schläge. Der verbissene Gesang aus Tausend Kehlen und die dumpfen Schläge der Trommeln zeigen die Entschlossenheit der Hussiten, bis zum Tod zu kämpfen. Für ihre Wahrheit. Und die Feinde mit dem Kreuz auf den Mänteln packte angesichts dessen das Grauen. So viel zur Legende, die den berühmten Sieg der Hussiten in der Schlacht bei Domažlice feierte. Wer hat diesen eindringlichen, überzeugenden Choral, der die Feinde in die Flucht schlug, komponiert? Mit Sicherheit nicht Jan Žižka von Trocnov, wie einige Patrioten im 19. Jahrhundert gerne behauptet haben.

Gesangbuch von Jistebnice (Foto: FDominec, CC BY-SA 3.0)

Nach den historischen Quellen, vor allem nach dem Gesangbuch von Jistebnice, könnte der Autor des Chorals der taboritische Priester Jan Čapek sein. Er wurde bekannt durch seine Predigten in den Lagern der Hussiten. Dazu hatte er eine besondere Stellung und beteiligte sich an den Kriegszügen.

Rätselraten um die Autorschaft

Jan Čapek hat nicht nur Lieder und Choräle geschrieben und komponiert, er hat auch Traktate verfasst und war als Übersetzer bekannt. Gerade ihm wird die Autorenschaft der hussitischen Hymne zugeschrieben. Denn der Choral ähnelt in seinem Stil den anderen Kompositionen, die eindeutig von Čapek stammen. Das Lied hat natürlich mehrere Versionen. Die älteste stammt aus der Frühzeit der Hussitenbewegung um das Jahr 1420. In eben dieser Zeit entstand auch das Gesangbuch von Jistebnice mit der Niederschrift des Chorals. Aber die Noten wurden erst viel später entdeckt, nämlich im Jahr 1872 in der Pfarrei von Jistebnice.

Vorher war eine andere Version des Chorals „Wer sind die Gotteskämpfer“ aufgetaucht, und die stammte aus dem sogenannten Druck von Mladá Boleslav / Jungbunzlau. Später wurde noch eine dritte Version gefunden, die an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert entstanden sein muss. Bedřich Smetana verwendete beim Komponieren von „Mein Vaterland“ auch diesen hussitischen Choral. Allerdings griff er auf die jüngste Fassung zurück, weil die früheren Originalversionen ihm noch nicht bekannt sein konnten.

Inspiration für die Patrioten des 19. Jahrhunderts

Es scheint, dass Smetana bei diesem Lied am meisten vom Rhythmus eingenommen war. So ein mitreißendes tatatátátatatátá. Dieser Rhythmus ist auch in den anderen Bearbeitungen des berühmten Chorals zu hören. Smetana hat damit aber begonnen, denn so klingt es zumindest in dem Teil der sinfonischen Dichtung „Mein Vaterland“, der sich „Tábor“ nennt. Und so schalkhaft geht Smetana auch am Ende der feierlichen Oper „Libuše“ mit dem hussitischen Choral um.

Miloslav Kabeláč (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Der Choral „Wer sind die Gotteskämpfer“ wurde hauptsächlich durch Bedřich Smetana bekannt. Als er „Mein Vaterland“ oder „Libuše“ komponierte, las die Öffentlichkeit in der patriotischen Literatur über den Choral und die ersten Versuche seiner Rekonstruktion.

Die Melodie hat mehr als nur einen Komponisten zu völlig neuen Bearbeitungen inspiriert. Und das nicht nur zu patriotischen und klassisch-ernsten wie bei Smetana. Der Choral wird auch in der zeitgenössischen Musik benutzt, allerdings mehr im Sinn einer Allegorie. Ein ideales Beispiel dafür ist die Kantate „Weicht nicht zurück!“ von Miloslav Kabeláč aus dem Jahr 1939. Es gibt aber auch noch Werke von weiteren Autoren, so hat Luboš Fišer den Choral wunderbar in eine mehrstimmige Form gebracht. Und diese Version hören wir nun. Dabei ist er der ursprünglichen Intonierung durch einen Männerchor treu geblieben. Beispielsweise Jaroslav Krček hat in seiner Interpretation Frauenstimmen hinzugefügt. Sie klingt dennoch authentisch, denn Krček ist einer der besten Kenner des Gesangbuches von Jistebnice.

Und es bleibt noch hinzuzufügen, dass die Instrumentalfassung des Chorals „Wer sind die Gotteskämpfer“ jede Parade der Kampfeinheiten der tschechischen Armee begleitet. Zu Zeiten der Ersten Republik wurde der Choral übrigens immer gespielt, wenn die Staatsflagge gehisst oder eingeholt wurde.

Der Zyklus „Hits der klassischen Musik“ beruht auf einem Projekt von Lukáš Hurník und Bohuslav Vítek zu den „Hits des Jahrtausends“, das der Kultursender Tschechischer Rundfunk – Vltava ausgestrahlt hat.

Der Choral „Wer sind die Gotteskämpfer“ gilt als Hymne der Hussiten und soll in den Hussitenkriegen deren Feinde in die Flucht geschlagen haben. Im 19. Jahrhundert wurde der Rhythmus zum festen Bestandteil patriotischer Kompositionen, unter anderem von Bedřich Smetana. Heute begleitet der Choral jede Parade der tschechischen Armee.

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