Wir alle werden irgendwann einmal Vorfahren sein - Bestattungsmesse Venia
Was sind die Trends im Bestattungswesen in Europa? Wie ist der Stand der Friedhöfe in Tschechien? Über diese Fragen konnte man sich vorige Woche auf dem Messegelände in Brno / Brünn informieren, wo die internationale Messe für Bestattungswesen "Venia" stattfand.
"Dort sind verschiedene Schriftarten, Baustile, Namen, aber auch Bäume und Pflanzen konserviert. Friedhöfe sind für Menschen, die aufnahmefähig sind, sehr belehrend. Sie stellen grüne Oasen in den Städten dar und sind nicht nur Orte der Trauer, sondern oft auch Ziele von Spaziergängern. Wir müssen die jungen Menschen dazu erziehen, dass sie die Friedhöfe besuchen und sie pflegen."
Die internationale Messe"Venia" findet einmal in drei Jahren statt. In Tschechien sind 450 Bestatter mit etwa 4000 Beschäftigten tätig. Die Zahl der Bestattungen sinkt, die Tschechen sparen an den Bestattungen immer mehr, hieß es auf der Messe. Die Dienste der tschechischen Bestatter werden jedoch nicht nur von den Bewohnern Tschechiens in Anspruch genommen. Kann man sich in Europa kremieren oder auch bestatten lassen, wo immer man will? Dr. Rolf Lichtner ist Generalsekretär des Bundesverbandes deutscher Bestatter:"Die Kremationsmöglichkeiten sind gegeben, und jeder kann dort feuerbestattet und beigesetzt werden, wo er will. Es gibt noch Gemeinden in Europa mit Restriktionen, die sagen: Wir nehmen nur unsere Einwohner auf. Aber ansonsten gibt es die Freizügigkeit bei der Wahl des Bestattungsortes."
Die Messe "Venia" ist die einzige Messe dieser Art in Tschechien, sagt Jan Hrdlicka, der die Notwendigkeit der Trauerkultur betont."Seit dem die Messe das erste Mal stattgefunden hat, war es unsere Aufgabe, den tabuisierten Bereich des Bestattungswesens der Öffentlichkeit näher zu bringen. Denn während des Kommunismus durfte man über den Tod und damit auch über das Bestattungswesen nicht viel reden. Damals waren alle so zu sagen unsterblich. Bei der Messe ´Venia´ geht es außerdem darum, das Niveau des tschechischen Bestattungswesens zu heben. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg spielte unsere Region traditionell in den Bestattungstrends die ausschlaggebende Rolle. Die tschechischen Bestatter brauchen eine Gelegenheit, mit den ausländischen Kollegen zusammenzutreffen und sich auszutauschen. Dazu dient auch die Messe ´Venia´ - was Versöhnung bedeutet."Dieses Jahr nahmen 60 Aussteller aus neun Ländern Europas an der Messe teil. Sie präsentierten in Brünn Särge, Urnen, Bestattungswagen, Trauerschmuck, Glocken sowie andere Gegenstände, die mit der Trauerkultur zusammenhängen. Für einen Laien mag es eine unübliche Messe sein, denn man ist gewöhnt, den Tod aus dem Alltag zu verdrängen. Aber wie Jan Hrdlicka sagte:
"Wir alle, die wir hier sind, werden irgendwann einmal Vorfahren sein."
Fotos: Autorin












