Wird in Ostrau wieder Stahl produziert? Nová huť stellt Pläne vor
Das Unternehmen Nová huť in Ostrava / Ostrau hat im Herbst vergangenen Jahres das bankrotte Liberty-Stahlwerk gekauft. Die Firma möchte im einstigen Zentrum der Eisenproduktion in Nordmähren wieder ein eigenes Werk errichten und dort Stahl als wichtigsten Rohstoff für die Industrieproduktion herstellen.
„Wir sind froh. Wir waren lange zu Hause und können nun endlich wieder arbeiten gehen. Ich hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, zeigt sich ein Arbeiter in Ostrau erleichtert.
„Niemand wusste, was auf ihn zukommen oder was passieren würde. Für uns ist alles gut gegangen“, fügt ein anderer hinzu.
Beide Männer arbeiten beim Unternehmen Nová Huť in Ostrau. Der Insolvenzverwalter verkaufte ihm die bankrotte Firma Liberty Ostrava im Herbst 2025 für gut 3 Milliarden Kronen (124 Millionen Euro). Nová Huť kündigte daraufhin an, dass die Produktion in der Anlage weitergehen werde.
Ivo Chmelík ist heute Produktions- und Technikdirektor des Betriebs. Bisher laufe alles gut, und neue Produktionsschichten würden eingeplant, berichtet er:
„Einige Produktionslinien sind für die nächsten zwei Monate ausgebucht, andere für einen Monat. Wir haben derzeit genügend Aufträge.“
Neben der notwendigen Modernisierung des Stahlwerks ist der Bau eines Lichtbogenofens im Wert von 17 Milliarden Kronen (699 Millionen Euro) ein wichtiges Ziel. Dieser ermöglicht, Stahl aus Schrott herzustellen. Laut Ivo Chmelík hat das Unternehmen schon eine Zusage für Fördermittel aus dem Modernisierungsfonds des Umweltministeriums bekommen. Derzeit müsse der notwendige Anschluss an ausreichende Stromquellen sichergestellt werden:
„Wir haben die Stromversorgung aus Nošovice wiederhergestellt. Wir sind optimistisch und gehen davon aus, dass wir es zeitlich schaffen werden. Im vergangenen Jahr hat der damalige Umweltminister Petr Hladík (Christdemokraten) noch die Gewährung von Fördermitteln unterzeichnet, und zwar für den Lichtbogenofen und weitere anknüpfende Projekte. Ihre Umsetzung wird die Treibhausgasemissionen sowie den Energieaufwand senken.“
Die erste Schmelzproduktion sollte innerhalb von vier Jahren erfolgen, schätzt der Direktor ein. Bis dahin müsse man jedoch in Maschinen investieren, noch in diesem Jahr eine bessere Nutzung der Abwärme erreichen und die Entlassungen abschließen.
Unternehmenssprecher Ivo Štěrba zufolge müssen 250 Mitarbeiter, hauptsächlich aus dem Instandhaltungsbereich, das Unternehmen verlassen. 160 Personen wurden bereits entlassen:
„Rund 60 Mitarbeiter befinden sich derzeit in vorübergehender Arbeitsunfähigkeit. Weitere rund 30 Mitarbeiter erhalten im Laufe des Januars ihre Kündigung. Der Prozess der Massenentlassungen soll im ersten Quartal 2026 abgeschlossen sein.“
Bei Nová Huť sind derzeit drei Teilwerke in Betrieb, und zwar zwei Walzwerke und ein Rohrwerk. Die Unternehmensleitung rechnet für die Zukunft mit rund 2000 Beschäftigten.
Die nordmährische Stadt Ostrau war seit dem 19. Jahrhundert eines der bedeutendsten Zentren der Schwerindustrie. Auf einem relativ kleinen Raum waren Kohleförderung, Kokerei, Roheisenerzeugung, Stahlveredelung und -verarbeitung sowie Maschinenbau vereinigt. Die heute nicht mehr existierenden Witkowitzer Eisenwerke entwickelten sich zum größten Hüttenwerk der Habsburgermonarchie und später der Tschechoslowakei. Nach 1945 wurde das Unternehmen verstaatlicht, und 1951 wurde die sogenannte Neue Hütte (Nová Huť) in Ostrava-Kunčice ausgebaut. Nach der Wende von 1989 wechselte das inzwischen privatisierte Unternehmen mehrmals seinen Besitzer. Unter dem Namen Liberty Ostrava war es noch Anfang der 2020er Jahre mit seinen 6000 Beschäftigten eines der größten Stahlwerke hierzulande. Allerdings hatte die Firma 2023 ihre Zahlungsunfähigkeit bekanntgegeben und den Betrieb größtenteils eingestellt.








