Alles neu: Zum 20-jährigen Bestehen will die Landesversammlung der Deutschen neue Konzepte anstoßen

Martin Dzingel (Foto: Archiv des Portals der Deutschen Minderheiten in der FUEV)

Sie sind nicht nur Nachbarn, sondern auch Freunde: Deutschland und Tschechien. Vor zwanzig Jahren unterzeichneten die beiden Länder einen Nachbarschafts- und Freundschaftsvertrag. Im gleichen Jahr entstand auch die Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Sie ist Dachorganisation von derzeit 22 regionalen Verbänden und 15 Begegnungszentren der deutschen Minderheit in Tschechien. Das gleich doppelte Jubiläum deutsch-tschechischer Beziehungen feierte die Landesversammlung am vergangenen Freitag. Martin Dzingel, Präsident der Organisation, zieht Bilanz.

Martin Dzingel (Foto: Archiv des Portals der Deutschen Minderheiten in der FUEV)
Martin Dzingel – die Landesversammlung hat vergangene Woche ihr zwanzigjähriges Jubiläum in Verbindung mit dem Nachbarschafts- und Freundschaftsvertrag zwischen Tschechien und Deutschland gefeiert. Was ist dort passiert?

„Es sind nicht nur zwanzig Jahre Landesversammlung. Auch viele Begegnungszentren in den Regionen feiern ihr zwanzigjähriges Bestehen. Wir haben zum Jubiläum der Gründung eine Konferenz organisiert. Dort haben wir die ganzen bisherigen Geschehnisse diskutiert, aber auch in die Zukunft geschaut.“

Haben sich in den zwanzig Jahren die Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen, die hier in der Tschechischen Republik leben, verändert?

Unterschreiben des Nachbarschafts- und Freundschaftsvertrags zwischen Tschechien und Deutschland (Foto: Archiv der Deutschen Botschaft in Prag)
„Man kann schon feststellen, dass die Beziehungen vor allem nach der Wende nicht ganz einfach waren. Es gab und gibt bis heute viele Tabus zwischen den nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Deutschen, und jenen, die blieben. Man kann aber sagen, dass sich die deutsch-tschechischen Beziehungen in den zwanzig Jahren sehr verbessert haben.“

Inwiefern haben sich die Beziehungen verbessert?

„Sie haben sich nicht nur verbessert, weil wir viele deutsch-tschechische Projekte machen. Die Zusammenarbeit ist in den letzten Jahren stärker geworden. Es gibt konkrete Ergebnisse, weil die Tabus thematisiert werden. Das führt zu einer besseren und freundlichen Verständigung zwischen den Deutschen und Tschechen. Die Beziehungen sind sehr gut.“

Ich komme noch einmal zu der Konferenz zurück. Sie haben gesagt, es ging dabei auch um die Zukunft. Als Sie vor zwei Jahren Präsident der Landesversammlung wurden, haben Sie Radio Prag im Interview gesagt, dass die deutsche Minderheit ein neues Konzept braucht. Ist bei der Konferenz auch besprochen worden, wie dieses neue Konzept aussehen könnte?

„Wir arbeiten daran. Ein großes Thema war die Öffentlichkeitsarbeit der Landesversammlung. Wir haben in den zwei Jahren ein neues Logo kreiert und unsere Internetseiten aktualisiert und modernisiert. Aber wir haben auch die Verbände und Begegnungszentren angesprochen. Wir wollen auch dort neue Projekte anfangen und das, was wir bei der Landesversammlung in Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit bereits geschafft haben, auf die Regionen übertragen. Denn in den Regionen sind diese Tabus noch viel mehr vorhanden, als in Prag.“