Am Sonntag gehen in Sydney die 11. Paralympics zu Ende

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Ahoi und herzlich willkommen zum Sportreport von Radio Prag. Am Mikrofon begrüßt Sie Lothar Martin.

Am Sonntag gehen in Sydney die 11. Paralympics zu Ende. In 18 Sportarten und zumeist sehr gut besuchten Wettbewerben - die Wettkämpfe im Schwimmen und in der Leichtathletik fanden vor nahezu stets ausverkauften Rängen und begeisterten Zuschauern statt - nahmen knapp 4000 Behindertensportler aus 122 Ländern daran teil. Unter ihnen befand sich auch die tschechische Vertretung, die in sechs Sportarten mit der Rekordzahl von 57 Athleten, darunter 27 Rollstuhlfahrern, an den Start gegangen war. Viele von ihnen gehörten dabei zu den Besten, denn allein bis zum Freitag hatte die tschechische Paralympic-Mannschaft schon 37 Medaillen gewonnen, darunter zwölf goldene.

Eine stolze Bilanz, die ihre Würdigung verdient. Denn hinter den Medaillen steckt nicht nur eine Menge Fleiß und Schweiß, sondern vor allem viel Selbstüberwindung und der ungebrochene Glaube an sich selbst, der die Behindertensportler besonders auszeichnet. Wir wollen das am Beispiel von zwei Athleten der überaus erfolgreichen tschechischen Vertretung belegen.

Der Spastiker Roman Musil gehört mit drei Goldmedaillen, einer Silber- und einer Bronzemedaille zu den Stars der Paralympics von Sydney. In seiner Behinderten-Kategorie (F 33) gewann er sowohl die athletischen Wurfdisziplinen Kugelstoßen und Speerwerfen als auch das Rad-Zeitfahren. Zudem belegte er den zweiten Platz im Diskuswerfen und Platz drei über die 5-km-Zeitfahrstrecke in der Kategorie DV2. Im Kugelstoßen und im Speerwerfen stellte er darüber hinaus mit 9,67 m bzw. 23,44 m jeweils einen neuen Weltrekord in seiner Kategorie auf.

Roman Musil wurde am 31. Mai 1971 mit einer Kinder-Hirnlähmung geboren. Auf Anraten der Ärzte wandte er sich im Rahmen der Rehabilitation schon mit vier Jahren dem Sport zu. Nach und nach versuchte er sich in der Leichtathletik, im Handball sowie im Bogen- und Luftgewehrschießen. Seit dem siebenten Lebensjahr gehört seine ganz große Liebe jedoch dem Radsport. Als Folge seiner Krankheit hat Musil allerdings verhärtete Muskeln und damit auch kein Gefühl in den Händen. Das Auf- und Absteigen vom Rad war ohne fremde Hilfe zunächst nicht möglich. Dennoch fuhr er bald 70 bis 100 km täglich. Wegen der zu geringen Stabilität musste er jedoch vor vier Jahren auf ein Drei-Rad umsteigen. Damit fährt er jeden Tag zur Arbeit nach Podebrady, wo er als Kassierer in einem Sportgeschäft beschäftigt ist.

Im Sommer 1998 wurde Musil beim Training mit seinem Drei-Rad von einem Auto angefahren. Ohne seinen Helm hätte er diesen Unfall vermutlich nicht überlebt. Umso schöner für ihn sind natürlich nun seine Erfolge in Sydney. Und augendzwinkernd fügt er hinzu, dass ihm das sportliche Training auch anderweitig geholfen habe. Dank dessem könne er sich schon regelmäßig allein - mit Hilfe von Krücken fortbewegen, den Rollstuhl bräuchte er nur dann, wenn er wirklich sehr müde ist.

Einmal Gold und einmal Silber wird die 25-jährige Martina Kniezkova von den Paralympics mit nach Hause bringen. Noch vor fünf Jahren aber hat die Gelähmte ihren größten Kampf bestanden. Infolge einer Rückenmark-Erkrankung wurde sie im Krankenhaus behandelt und sah dem Tod bereits in die Augen. Doch sie kam zurück, zwar im Rollstuhl, aber ungebrochen. Erst vor drei Jahren begann sie sich der Leichtathletik zu widmen und heute ist sie bereits Weltrekordhalterin im Diskus- und Speerwerfen ihrer paralympischen Kategorie F51. Und in beiden Disziplinen gewann sie jetzt auch paralympische Medaillen: Gold im Diskuswerfen mit der Siegerweite von 13,19 m und Silber im Speerwerfen mit erzielten 9,03 m. Als Martina Kniezkova die Goldmedaille überreicht bekam, dachte sie zuerst an ihre Mutter. "Sie ist mir nicht nur eine moralische Stütze, sondern Trainerin, Managerin und Beraterin zugleich", erklärte die überglückliche Athletin. Die aus dem nordmährischen Havirov stammende Behindertensportlerin hat jedoch noch andere Leidenschaften. Nach ihrer Krankheit begann sie zunächst Gedichte zu schreiben. Mittlerweile hat sie auch ein Studium am städtischen Gymnasium aufgenommen. "Ich bin gelernte Verkäuferin, doch schon heute weiß ich, dass wenn ich eines Tages wieder meine Selbständigkeit erlangen will, muss ich eine völlig andere Ausbildung haben," sagte Martina Kniezkova unlängst in einem Gespräch für die Tageszeitung "Rovnost".

Auch wir haben Ihnen noch einiges zu sagen - also bleiben Sie dran.


Vom 3. bis 5. November findet im mährischen Prostejov die vierte Weltmeisterschaft im Fußballtennis statt. In den drei Wettbewerben Einzel, Doppel und Trio gehen Vertreter aus elf Ländern an den Start. Vergleichbare Meisterschaften finden in Asien statt und obwohl die dortigen Staaten nicht dem Internationalen Fußballtennis-Verband (IFTA) angehören, könnten sie auch an der WM teilnehmen, da es sich um eine offene Meisterschaft handelt, sagte der Vertreter der Technischen Kommission des Weltverbandes, Vladimir Masat, während der Auslosung, die am 12. Oktober in Prag vorgenommen wurde.

Sehr zufrieden mit der Auslosung war der tschechische Nationaltrainer Ales Opravil. Warum dies so ist, dazu sagte er uns: "Ich bin zufrieden aus einem einfachen Grund. Nach der Auslosung treffen wir auf die Slowakei frühestens im Finale und nicht schon im Halbfinale. Denn zweimal auf solch einen starken Gegner zu treffen, das wäre nicht von Vorteil für uns."

Das brachte uns natürlich gleich auf die nächste Frage, warum gerade Tschechien und die Slowakei in dieser weniger bekannten, aber sich zunehmender Beliebtheit erfreuenden Sportart den Ton angeben. Opravil dazu:

"Diese Frage ist einfach zu beantworten. Diese Sportart ist eigentlich in Tschechien entstanden. Und wenn Sie sich daran erinnern können, als es noch die Tschechoslowakei gegeben hat, da wurde Fußballtennis in der Extraliga gespielt, in der zwei slowakische und vier tschechische Mannschaften vertreten waren. Daher kennen sich die tschechischen und slowakischen Akteure sehr gut. Ja, man kann sagen: dieser Sport ist eigentlich hier zu Hause."

Kein Wunder also, dass der Chef des tschechischen Fußballtennis-Verbandes, Lubor Chvalovsky, wieder gern zwei Goldmedaillen im "Nohejbal" - wie die Sportart hierzulande genannt wird - auf der Habenseite verbuchen will. Doch Auswahltrainer Ales Opravil geht noch weiter: "Wenn ich noch ein wenig zurück denke - bei den jeweils letzten zwei Welt- und Europameisterschaften haben wir stets die Doppel- und die Dreierkonkurrenz gewonnen. Daher werde ich selbstverständlich mit zwei Goldmedaillen zufrieden sein, doch mein Ziel ist es, diesmal alle drei Titel zu gewinnen."