Beräumung von Sprengstoff bei Vrbětice geplant – Kosten soll Russland tragen
Elf Jahre ist es her, dass im mährischen Vrbětice ein Munitionslager in die Luft flog. Für die Explosion wurde später Russland verantwortlich gemacht. Heute sind noch immer 500 Hektar Land in der unmittelbaren Umgebung durch Sprengstoff verseucht. Das soll sich nun ändern.
Nach der Explosion im Munitionslager in Vrbětice habe die Polizei den Eigentümern ihre Grundstücke auf eigene Gefahr zurückgegeben, berichtet Miloslav Svárovský (parteilos) in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Er ist der Bürgermeister des 300-Seelendorfes Lipová und besitzt ein Waldstück in der Nähe des Waffenlagers, welches im Herbst 2014 in die Luft flog.
„Als ich danach das erste Mal wieder in meinen Wald gegangen bin, habe ich eine Artilleriegranate gefunden. Und Fragmente der explodierten Munition liegen dort auch heute noch herum.“
Dies bestätigt Polizeisprecherin Monika Kozumplíková. Ihren Angaben zufolge wurden in den letzten zwei Jahren drei Blindgänger in dem Gebiet gefunden:
„In allen Fällen waren Pyrotechniker der Polizei im Einsatz und brachten die Munition kontrolliert in der Grube des Waffenlagers zur Detonation.“
Wie nun aber am Mittwoch die tschechische Regierung beschlossen hat, soll in dem 500 Hektar großen Risikogebiet eine Bereinigung der betroffenen Grundstücke durchgeführt werden. Als erste Schritte dazu sollen eine pyrotechnische Untersuchung stattfinden und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. Das Ministerium für Regionalentwicklung ruft deshalb ein Förderprogramm für den Kreis Zlín ins Leben, der eine entsprechende Ausschreibung veröffentlichen soll.
Durch die Machbarkeitsstudie soll spätestens in einem Jahr bekannt sein, wie stark das Areal mit Sprengstoff verseucht ist. Die eigentliche Bereinigung des Gebiets soll nach den Plänen des Kabinetts dann zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.
Die Kosten für die Kampfmittelbeseitigung dürften etliche Millionen Kronen betragen. Laut dem Minister für Regionalentwicklung Petr Kulhánek (Stan) soll dafür nicht Tschechien aufkommen, sondern Russland:
„Unsere Sicherheitsdienste haben klar nachgewiesen, dass der russische Militärnachrichtendienst GRU hinter den Explosionen steckt. Sollte sich die EU darauf einigen, schlagen wir vor, dass die Finanzierung durch die eingefrorenen russischen Vermögenswerte erfolgt. Denn ich denke, die Verantwortung sollte der Täter tragen und nicht das Opfer.“
ZUM THEMA
Zu einer ersten Explosion im Munitionslager Vrbětice war es am 16. Oktober 2014 gekommen, zwei Menschen starben damals. Am 3. Dezember desselben Jahres gab es dann eine weitere Detonation. Das betroffene Gebiet war aufgrund der Ermittlungen lange Jahre gesperrt. Im April 2021 gab die Regierung in Prag dann bekannt, dass Russland hinter den Explosionen stecke. Dies führte zu diplomatischen Spannungen zwischen Prag und Moskau. Mittlerweile geht die tschechische Polizei davon aus, dass die Detonationen vom russischen Geheimdienst GRU verursacht wurden, um die Lieferung von Munition in Gegenden zu verhindern, in denen Russland damals militärisch aktiv war.








