Corona-Risikogebiet Prag – Deutsche Reisewarnung für „Goldene Stadt“

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Seit Mittwochabend dürfen Menschen aus Prag nur noch mit einem negativen Corona-Test problemlos in Deutschland einreisen. Wegen der stark steigenden Infektionszahlen mit dem neuartigen Virus gilt die tschechische Hauptstadt als Risikogebiet.

Foto: ČTK / Luděk Peřina

Wer in Prag lebt und nun nach Deutschland reist oder in der Stadt Urlaub gemacht hat und nun zurückkehrt, steht vor einem Problem. Tomáš Kafka ist der neue tschechische Botschafter in Berlin:

„Derjenige muss einen maximal zwei Tage alten negativen Corona-Test bei sich führen, und das in deutscher und englischer Version, damit dieser für die deutsche Seite verständlich ist. Oder er muss sich andernfalls darauf vorbereiten, dass über ihn wie für alle Rückkehrer aus einem Risikogebiet gegebenenfalls eine 14-tägige Quarantäne verhängt wird“, so Kafka in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Martin Smolek (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)

Die Bundesregierung hat Prag aufgrund der Corona-Inzidenz zum Risikogebiet erklärt. In den vorangegangenen sieben Tagen wurden insgesamt 74 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in der Stadt gezählt. Damit wurde der Grenzwert von 50 Neuinfektionen überschritten. Deutschland beobachtet aber auch die Entwicklung in weiteren Teilen Tschechiens. Martin Smolek ist Staatssekretär im tschechischen Außenministerium:

„Dass die Deutschen nur Prag zum Risikogebiet erklärt haben, heißt nicht, dass bei einem weiteren deutlichen Anstieg der Zahlen in anderen Regionen nicht auch diese in die Kategorie fallen könnten.“

Tomáš Kafka (Foto: Archiv des tschechischen Außenministeriums)

Denn das Robert-Koch-Institut ist genau informiert. So übermittelt die tschechische Seite regelmäßig die Inzidenz-Werte dorthin.

Die Grenzen nach Deutschland bleiben aber auch für die Menschen aus Prag weiterhin offen. Das betont Tomáš Kafka. Zugleich sagt der Botschafter:

„Es kann allerdings stichprobenartig kontrolliert werden. Am wahrscheinlichsten ist, dass Busse oder Züge aus Prag unter die Lupe genommen werden.“

Martin Smolek vom Außenministerium warnt in diesem Zusammenhang jedoch davor, die deutschen Vorschriften zu umgehen…

„Deutschland hat wie die anderen europäischen Staaten deutlich gesagt, dass es sich keine erneute Einführung von Grenzkontrollen wünscht. Wenn dies aber nicht funktioniert, könnte es im äußersten Fall zu Regelungen wie im Frühjahr kommen. Deswegen appelliere ich an alle Menschen aus Prag und jene, die mindestens in den vergangenen 14 Tagen in der Stadt waren, dass sie sich entweder testen lassen oder der Quarantäneanordnung Folge leisten“, so der Staatssekretär.

Foto: Michaela Danelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Ähnliches gilt für deutsche Urlauber, die sich die „Goldene Stadt“ dieser Tage angeschaut haben. Auf der anderen Seite hat das Auswärtige Amt in Berlin eine Reisewarnung für Prag ausgesprochen. Diese ermöglicht Touristen aus Deutschland, ihre Reisebuchungen in die tschechische Hauptstadt kostenlos zu stornieren.

Igor Matovič, Sebastian Kurz und Andrej Babiš (Foto: ČTK / AP Photo / Ronald Zak)

Im Übrigen gilt Prag auch in Belgien mittlerweile als Risikogebiet. Österreich und weitere Nachbarländer haben jedoch derzeit noch nicht zu dieser Maßnahme gegriffen. Premier Andrej Babiš (Partei Ano) konnte sich am Mittwoch in Wien zusammen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und dem slowakischen Ministerpräsidenten Igor Matovič darauf verständigen. Dazu sagte Martin Smolek:

„Im Fall der Slowakei gab es zwar zu Beginn der Woche andere Signale. Zum Glück aber ist es dazu nicht gekommen. Das heißt, wir können weiterhin frei in die Slowakei, nach Österreich und nach Polen reisen.“