Corona in Tschechien: Neue Fälle in alten Hotspots

Foto: Mircea Iancu, Pixabay / CC0

Die Corona-Fallzahlen in Tschechien steigen wieder. Am Mittwoch kamen 127 Neuinfektionen hinzu. Das ist der höchste Tageswert seit dem 21. April.

Rastislav Maďar (Foto: Věra Luptáková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Die Zahlen steigen seit vier Tagen kontinuierlich. Laut den Experten handelt es sich aber um dieselben Infektionsherde. Der Chef-Epidemiologe Rastislav Maďar sagte dazu am Mittwochabend im Tschechischen Fernsehen:

„Es geht nicht darum, ob die Zahl der neuen Fälle unter einhundert oder darüber liegt. Entscheidend ist der Charakter der Neuinfektionen. Bei uns handelt es sich um einige bekannte Hotspots. Schlimmer wäre, wenn die Zahl der Neuinfektionen gleichbliebe, aber nicht an den bereits bekannten Orten, sondern neue potentielle Hotspots in verschiedenen Regionen des Landes entstehen würden. Daher sind wir im Moment nicht beunruhigt.“

Auch Premier Andrej Babiš (Partei Ano) sagte am Donnerstagmittag, dass keine flächendeckenden Einschränkungen geplant seien:

Andrej Babiš (Foto: ČTK / Ondřej Deml)

„Wir haben klar gesagt, dass wir keine flächendeckenden Maßnahmen mehr anwenden wollen. Die eventuell nötigen Maßnahmen werden an den Orten des jeweiligen Ausbruchs getroffen. Wie ich von Gesundheitsminister Vojtěch informiert wurde, werden derzeit für Karviná bestimmte Maßnahmen erwogen.“

Um die Lage zu bewerten, traf am Donnerstagvormittag eine Arbeitsgruppe des Gesundheitsministeriums zusammen. Sie beriet über das weitere Vorgehen gegen die Ausbreitung des Virus und eine mögliche Verschärfung der Maßnahmen. Der Chef-Epidemiologe Rastislav Maďar:

„Der Gesundheitsminister hat mich gebeten, unsere Arbeitsgruppe für die Lockerung der Quarantäne einzuberufen und mögliche Maßnahmen vorzuschlagen. Diese würden wir unter bestimmten Bedingungen auch umsetzen. Dafür ist aber nicht nur die Zahl der Fälle entscheidend, sondern es müssen mehrere Kriterien in Betracht gezogen werden.“

Coronavirus (Foto: NIAID-RML, Flickr, CC BY 2.0)

Die aktuellen Hotspots sind nach wie vor Prag, der Mährisch-Schlesische Kreis sowie neu auch die Gegend um Liberec / Reichenberg in Nordböhmen. Dort kam es Ende der vergangenen Woche zu einem neuen Ausbruch beim Autoteilehersteller Magna Exteriors. Insgesamt 41 Fälle sind bisher in dem Unternehmen bekanntgeworden. Vladimír Valenta leitet das Kreisgesundheitsamt in Liberec:

„Wir haben unmittelbar nach dem ersten Fall in dem Unternehmen die Kontakte des Infizierten nachverfolgt. Wir haben diesen Hotspot derzeit unter Kontrolle. Aber wir verfolgen die Lage weiter und warten auf die Testergebnisse bei jenen Menschen, die in häuslicher Quarantäne sind.“

Im Mährisch-Schlesischen Kreis sind die Gegenden um Karviná / Karwin und Frýdek-Místek am schlimmsten betroffen. So haben sich etwa im privaten Altersheim „Důstojnost“ in Nýdek 43 Klienten und Mitarbeiter angesteckt.

Grube Darkov (Foto: Archiv des tschechischen Feuerwehrverbandes des Mährisch-Schlesischen Bezirks)

Währenddessen sind die ersten Bergleute aus der Grube Darkov des Kohleförderers OKD von Corona genesen und kehrten am Donnerstag wieder zur Arbeit zurück. Dort waren insgesamt 8000 Tests durchgeführt worden, bei mehr als 300 Angestellten und 150 Familienangehörigen wurde eine Infektion nachgewiesen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich in Tschechien offiziell 10.777 Menschen mit dem Virus infiziert. Rund 70 Prozent gelten als geheilt. 344 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben, fünf davon am Mittwoch.