Das deutschsprachige Filmfest in Prag: Eröffnung mit Corinna Harfouch

Corinna Harfouch (Foto: ČTK)

Noch bis zum Sonntag präsentiert sich in Prag und Brünn der deutschsprachige Film. In über 40 Aufführungen lassen sich viele Aspekte der neuesten und auch einiger älterer Kino-Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erkunden. Eröffnet wurde das Filmfest, so der offizielle Titel, am Mittwochabend im Prager Kino Lucerna. Gast des Abends war Corinna Harfouch.

Corinna Harfouch und Detlef Lingemann (Foto: ČTK)
Corinna Harfouch stellte in Prag den Film „Was bleibt“ vor. In dem Streifen von Regisseur Hans-Christian Schmid spielt die renommierte deutsche Schauspielerin die weibliche Hauptrolle: Es ist eine Mutter, die nach 30 Jahren ihre Psychopharmaka absetzt und die heile Welt der Familie zum Bröckeln bringt. Von Anfang an sei sie vom Drehbuch begeistert gewesen, sagt Harfouch:

„Die erste Fassung, die ich zu lesen bekam, war ganz aufregend – man verstand sozusagen nichts. Es schälte sich erst langsam heraus, worüber da in der Familie geredet wurde. Ich fand das unheimlich spannend. Andererseits bekam man mit, dass die Familie in einer Art Familien-Ton miteinander spricht - und man spürte die ganze Zeit diese Geheimnistuerei, diese Besorgnis um diese Mutter.“

Corinna Harfouch im Streifen „Was bleibt“ (Foto: Offizielle Webseite des Films)
In dem Film stehe im Vordergrund, was die Krankheit der Mutter aus der Familie und ihren Mitgliedern mache. Dieser Ansatz habe sie überzeugt, sagt Harfouch. In Deutschland wurde „Was bleibt“ bereits ausgezeichnet: Der Film gewann den Hauptpreis des Filmkunstfests Mecklenburg-Vorpommern. In Tschechien wurde er am Mittwoch uraufgeführt.

Doch nicht nur der neue Streifen hat Corinna Harfouch in Prag beschäftigt. Im thüringischen Suhl geboren und in Sachsen aufgewachsen, verbindet sie viele Erinnerungen mit der damaligen Tschechoslowakei. Mehrere Wochen verbrachte sie auch in Prag bei den Dreharbeiten zum Film über die tschechische Schriftstellerin und Nationalheldin Božena Němcová. Der Streifen kam 2005 in die Kinos. Land und Leute stünden ihr einfach nah, deutet Harfouch an:

Corinna Harfouch als Božena Němcová
„Man traf sich hier mit den Westverwandten - in Prag oder zwischen Dresden und Prag irgendwo auf der Landstraße. Das ist zum Beispiel eine ganz starke Erinnerung. Oder nach der Wende die Wanderungen von Bad Schandau nach Böhmen rüber und im Böhmerwald – diese unglaublich Landschaft. Und dieser wahnsinnige Humor, den die Menschen hier haben. Wie die Kollegen, mit denen ich hier im Film gespielt habe, die Dinge angehen, welche Art Humor sie haben, wie sie sind – da träumt man als Deutscher davon, würde ich sagen.“

Auch am Beginn ihrer künstlerischen Karriere führte für die deutsche Schauspielerin eine Verbindung ins Nachbarland: Beim Filmfestival in Karlovy Vary / Karlsbad erhielt sie noch vor der Wende ihren ersten Preis. 1988 wurde sie für ihre Rolle im Polit-Liebesdrama „Die Schauspielerin“ als beste Darstellerin ausgezeichnet – ein beinahe vergessenes Ereignis:

Corinna Harfouch im Liebesdrama „Die Schauspielerin
„Stimmt, da habe ich mal einen Preis bekommen für einen Film – und zwar wurde er mir von Tschingis Aitmatov überreicht. Das war ein Riesenheld für uns, seine Literatur haben wir weinend verschlungen, uns gegenseitig vorgelesen – und dann steht er da plötzlich und übergibt dir einen Preis….“

So zahlreich die Erinnerungen, so kurz diesmal der Aufenthalt in Tschechien: Am Donnerstag reist Corinna Harfouch bereits wieder aus Prag ab.

Autor: Till Janzer
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