Desinformationen im Fokus: Deutsch-tschechische Konferenz der Sdružení Ackermann-Gemeinde in Pilsen
Über 120 Menschen aus Deutschland und Tschechien trafen am Wochenende in Plzeň / Pilsen bei einer tschechisch-deutschen Konferenz zusammen. Sie wurde von der Organisation Sdružení Ackermann-Gemeinde veranstaltet, unter dem Titel „Tschechisch-deutsche Nachbarschaft in einer digitalen Welt“.
Am Sonntagmorgen feierte der Bischof von Pilsen, Tomáš Holub, einen tschechisch-deutschen Gottesdienst in der St. Bartholomäus-Kathedrale. Zugegen waren die Teilnehmer der Jahreskonferenz der Sdružení Ackermann-Gemeinde. Diese tschechische Organisation entstand vor 26 Jahren als Gegenstück zur deutschen Ackermann-Gemeinde. Auf dem Programm der Konferenz standen Vorträge und Diskussionen zum Thema Desinformationen. Als Experten waren unter anderem der Journalist Niklas Zimmermann von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Analytikerin Sarah Komasová vom Meinungsforschungsinstitut Stem und der Redakteur Petr Koubský der tschechischen Tageszeitung Deník N eingeladen.
Für die Konferenzteilnehmer wurden ein Quiz und eine Theatervorstellung vorbereitet. Zudem gab es die Möglichkeit, an einer Führung auf den Spuren der Deutschen in Pilsen teilzunehmen oder den Meditationsgarten zu besuchen, der vor Jahren als Mahnmal für die Opfer des Totalitarismus entstanden ist.
Auf die Frage, was ihn während der Konferenz am tiefsten beeindruckt hat, antwortete der Vorsitzende der Sdružení Ackermann-Gemeinde, Adolf Pintíř:
„Das Zusammenkommen ist immer sehr beeindruckend. Ich habe es zuvor in meinem Schlusswort schon erwähnt, dass mich die kurze Theatervorstellung tief beeindruckte, die ein Laienensemble von jungen Menschen aufführte. Sie haben das Thema der unzähligen Informationen, unter denen auch viele Fake News sind und die in den Social Media veröffentlicht werden, sehr gut bearbeitet.“
Barbora Široká und ihr Mann Petr stammen aus Prag. Sie seien nicht zum ersten Mal bei einem Treffen der Ackermann-Gemeinde gewesen, schilderte Barbora gegenüber Radio Prag International:
„Wir haben die Ackermann-Gemeinde über unsere Freunde kennengelernt. Sie haben uns vor 25 Jahren gesagt, dass sie mit einer Gruppe von deutschen Freunden in den Urlaub reisen, und fragten, ob wir mitkommen möchten. Das haben wir gemacht, und seitdem treffen wir immer wieder zusammen. Für uns bedeutet das eine gute Freundschaft. Wir haben das Gefühl, dass wir zusammengehören.“
Und Barboras Mann Petr fügte hinzu:
„Ich bewundere an der Ackermann-Gemeinde die Tatsache, dass sie sich Jahrzehnte lang konsistent auch mit kleineren Aktivitäten bemüht, zur Versöhnung zwischen den Menschen beizutragen.“
Aus dem mittelböhmischen Říčany kam Petra Elisabeth Nikodým nach Pilsen. Über ihre Eindrücke von der Konferenz sagte sie:
„Die Teilnahme an einer deutsch-tschechischen Konferenz der Ackermann-Gemeinde bedeutet für mich immer eine Begegnung, die mich tief berührt. Es ist ein Treffen mit Menschen, deren historische Wurzeln durch die gemeinsame Geschichte der Böhmischen Länder geprägt worden sind.“
Der ehemalige Kulturminister Daniel Herman (Christdemokraten) ist Vorstandsmitglied der Sdružení Ackermann-Gemeinde. Er sei dabei gewesen, als über das Hauptthema der diesjährigen Konferenz entschieden wurde, bestätigte er gegenüber Radio Prag International.
„Ich bin der Meinung, dass es ein höchstaktuelles Thema ist. Es gibt in der heutigen Welt zahlreiche Probleme, die wir alle gemeinsam haben. Ich finde es wichtig, gerade in Mitteleuropa eng zusammenzuarbeiten. Die Konferenz ist ein Steinchen im Mosaik dieser Zusammenarbeit. Die größte Gefahr ist die russische Propaganda, die von Russland verbreiteten Desinformationen. Dies ist natürlich ein Thema, das vor allem in Ländern an Bedeutung gewinnt, die vor den Wahlen stehen.“
Die Ackermann-Gemeinde ist eine verhältnismäßig kleine Organisation. Herman glaubt jedoch, dass auch sie dazu beitragen könne, der Öffentlichkeit zu erklären, was ein hybrider Krieg bedeutet...
„Die Zivilgesellschaft ist sehr wichtig. Heutzutage haben wir einen großen Raum an Freiheit. Dieser Raum muss gefüllt werden, und das ist auch unsere Aufgabe. Obwohl die Sdružení Ackermann-Gemeinde keine große Organisation ist, gehört sie zur Zivilgesellschaft und ist imstande, eine Konferenz zum Thema Desinformationen zu organisieren.“
Analytikerin Komasová betonte in der Diskussion, dass diejenigen, die Desinformationen verbreiten und ihnen glauben, nicht immer Menschen seien, die sozial schwach sind oder am Rande der Gesellschaft leben. Dazu das Vorstandsmitglied:
„Es gibt viele Fragezeichen rund um dieses Thema. Dem war auch so zu Zeiten des sogenannten „Dritten Reichs“. Warum dem so ist, ist eine gute Frage. Obwohl ich Daniel heiße, bin ich kein Prophet und kenne keine Antwort. Es ist jedoch die Realität, und mit der Realität müssen wir arbeiten und etwas dagegen unternehmen. Diese Konferenz ist ein Schritt in die gute Richtung.“
Die Zusammensetzung der Konferenzteilnehmer in Pilsen war recht bunt, vertreten waren Menschen verschiedener Generationen, von Schülern bis zu Senioren. Die deutsche Ackermann-Gemeinde wurde 1946 gegründet, sie versteht sich als Vertretung christlich orientierter Vertriebener aus den Sudetengebieten. Ihre tschechische Schwesterorganisation entstand 1999.







