„Eine Quelle von Freude und Hoffnung finden“

Foto: Myriam Zilles, Pixabay / CC0

Ostern ist das größte christliche Fest. Doch die Feiern zur Auferstehung Jesu Christi stehen dieses Jahr im Zeichen der Coronakrise. Das heißt, die Gläubigen können nicht in den Kirchen zusammentreffen. Pfarrer Martin Leitgöb leitet die deutschsprachige katholische Gemeinde in Prag. Martina Schneibergová hat mit ihm über das bevorstehende Osterfest gesprochen.

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Martin Leitgöb (Foto: Archiv der Ackermann-Gemeinde)
Pater Leitgöb, kann man bestimmte Bezüge in der Bibel zu den jetzigen Corona-Zeiten finden?

„Ja. Ich habe den Eindruck, dass es eine ganze Reihe von Bezügen gibt: aus der biblischen Geschichte vom Leiden, Sterben und von der Auferstehung hin in unsere derzeitige Situation. Zum Beispiel das letzte Abendmahl: Es war ein Mahl im engsten Kreis hinter verschlossenen Türen – so wie das gerade viele Familien erleben. Oder dann auf dem Ölberg erfährt Jesus eine große Einsamkeit und Verlassenheit. Auch diese Einsamkeit wird von vielen Menschen in der jetzigen Zeit besonders bitter erlebt. Aber dann gibt es auf dem Kreuzweg auch Menschen, die solidarisch sind mit Jesus: Simon von Kyrene, der ihm das Kreuz ein Stück weiter trägt, oder Veronika, die ihm das Schweißtuch reicht. Ich denke, diese Solidarität spüren wir derzeit in der Gesellschaft. Und so könnte man die ganze österliche Geschichte durchgehen – bis zur Auferstehung, bei der Jesus durch die geschlossene Tür zu den Jüngern kommt und ihnen als der Auferstandene erscheint. Meine Hoffnung, mein Wunsch, meine tiefe innere Überzeugung ist, dass Jesus auch durch alle Beschränkungen in dieser Zeit zu uns kommen wird als der Auferstandene und uns sein Leben, seine Freude schenkt.“

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Die Gläubigen können wegen der Corona-Maßnahmen nicht in der Kirche zusammentreffen. Was bereiten Sie für die Ostergottesdienste vor?

„In diesen Wochen, in denen wir uns nicht zum Gottesdienst treffen können, habe ich einerseits persönlich jeden Tag in der Kirche die heilige Messe gefeiert und alle Mitglieder und Freunde unserer Pfarrei mit eingeschlossen. Ich werde das auch an Ostern weiter tun. Auf der anderen Seite habe ich die Gemeindemitglieder eingeladen, zu Hause mit ihren Möglichkeiten Gottesdienste zu feiern. Dafür habe ich jede Woche einen Vorschlag per E-Mail hinausgeschickt, und das werde ich auch weiter tun. Ich habe sehr positive Rückmeldungen von den Leuten bekommen. Ich bin der Überzeugung, dass in dieser Zeit das mündige Christsein eine ganz besondere Rolle spielt. Und dieses mündige Christsein äußert sich eben auch in der Feier von Hausgottesdiensten. Zudem scheint mir, dass gerade in diesem Jahr besonders die Osterbräuche, die wir ja alle kennen, wichtig sind. Ob das die Palmzweige sind oder ob das der Osterstrauch in der Wohnung ist, der mit bemalten Eiern geschmückt ist, ob das das Färben und das Verschenken von Ostereiern ist oder möglicherweise das Spinatgericht am Gründonnerstag sowie der Osterschinken und das Osterbrot am Auferstehungssonntag. Das alles sind Bräuche, die uns das Osterfest ganz nahebringen. Man könnte auch zu Hause eine Osterkerze verzieren und sie an einem besonderen Platz in der Wohnung aufstellen.“

Kirche St. Johannes Nepomuk am Felsen (Foto: Michal Klajban, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)
Ist die Kirche St. Johannes Nepomuk am Felsen geöffnet, um während des Tages hineingehen zu können?

„Ja. Jetzt in der Karwoche vom Montag bis Donnerstag ist die Kirche immer von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Am Karfreitag wird die Kirche von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein. In der kommenden Woche werden wir es wohl weiterführen, dass wir die Kirche jeweils von 16 bis 18 Uhr öffnen. Natürlich können wir dort keine Gottesdienste feiern. Man muss auch in der Kirche einen Mundschutz tragen und einen Abstand von zwei Metern zu anderen Personen halten. Aber die Menschen können wenigstens zum stillen Gebet hierherkommen, das scheint mir ganz besonders wichtig.“

Was würden Sie unseren Hörerinnen und Hörern sowie allen Menschen zum Osterfest wünschen?

„Ich möchte meinen Wunsch in eine kleine Geschichte einkleiden: Vor etwa zwei Wochen habe ich mit einem Landwirt aus der Nähe von Prag telefoniert. Er erzählte mir, dass er auf einem seiner Grundstücke eine Quelle gefunden hat. Er meinte dann, dass diese Entdeckung im Hinblick auf die sommerliche Wassernot von großer Kostbarkeit sei. Das sind eigentlich meine Wünsche an alle Hörerinnen und Hörer, dass Sie, dass wir alle an Ostern für uns auch eine solche Quelle finden – eine Quelle, aus der Freude und Hoffnung hervorsprudelt. Denn ohne Freude und Hoffnung können wir diese herausfordernde Zeit und auch die herausfordernde Zukunft nicht bestehen. Ihnen allen, liebe Hörerinnen und Hörer, ein gesegnetes Osterfest!“